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Guglmänner und Märchenkönig:Kutten für den Kini

"Es war Mord", sagen die Guglmänner. Am Pfingstmontag will die mysteriöse Bruderschaft aus schwarz vermummten Kuttenträgern mit einer noch unbekannten Aktion die Ehre des Märchenkönigs Ludwig II. wiederherstellen. Ob spektakuläre Auftritte helfen?

Ingrid Fuchs

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Members of the 'Guglmen', a secret society who believes that king Ludwig II of Bavaria was murdered, pose under a cross in Berg near Munich

Quelle: REUTERS

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Es war nicht Selbstmord, sondern Mord - um den Tod des bayerischen "Kini", Ludwig II., ranken sich viele Mythen. Niemand weiß genau, wie der Märchenkönig vor 125 Jahren ums Leben gekommen ist. Wirklich niemand? Treue Anhänger des Königs haben eine eigene Vision: die Guglmänner. Die schwarz-vermummten Mitglieder des Geheimbundes lassen sich regelmäßig spektakuläre Aktionen einfallen, um die Ehre ihres Königs wieder herzustellen und bringen die Gerüchteküche um dessen Tod damit immer wieder kräftig zum brodeln. Auch für den Pfingstmontag ist eine solche Aktion geplant.

Members of the 'Guglmen', a secret society who believes that king Ludwig II of Bavaria was murdered, pose in Berg near Munich

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Am 13. Juni 1886 geschah das Unglück: Der Märchenkönig ertrank zuammen mit seinem Arzt und Psychiater Dr. von Gudden bei Berg im Starnberger See. Dort hat sich die Bruderschaft der Guglmänner eine Woche vor dem 125-jährigen Todestag getroffen. Die Königstreuen glauben nicht an die Erzählung vom Selbstmord, ihre These: Ludwig II. wurde bei einem Fluchtversuch im Wasser erschossen.

Members of the 'Guglmen', a secret society who believes that king Ludwig II of Bavaria was murdered, pose in Berg near Munich

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Die Geschichte des Geheimbunds der Guglmänner geht auf die Kreuzfahrer zurück. Bis zum Tod Ludwigs II. war die Bruderschaft dem Geschlecht der Wittelsbacher treu ergeben. Zu den Beisetzungsfeierlichkeiten der bayerischen Könige tauchte stets eine Abordnung vor dem Wagen mit dem Sarg auf. Schon damals waren die Männer in schwarze Kutten mit dem Wappenschild der Bayernherrscher gehüllt, hatten eine Kapuze - daher kommt der Begriff "Gugl" - mit zwei Sehschlitzen über dem Kopf und zwei gekreuzte Fackeln in der Hand. Das Motto der Guglmänner: "Media in vita in morte sumus", ­ mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben.

Die Beziehungen zu den Wittelsbachern sind heute angespannt. Denn die Nachfahren des Königs wollen keine weitere Aufarbeitung des Todesfalls: "Der Familie und dem Herzog von Bayern geht es darum, die Totenruhe zu respektieren", heißt es von deren Seite.

Members of the 'Guglmen', a secret society who believes that king Ludwig II of Bavaria was murdered, climb stairs in Berg near Munich

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Die Hierachien innerhalb der Bruderschaft sind nach strengen Regeln aufgebaut und orientieren sich an ritterlichen Tugenden. Das oberste Gebot lautet dabei Diskretion - keine Namen, keine konkreten Angaben, keine Einzelheiten und Fotos gibt es nur vermummt in der schwarzen Kutte. Laut eigenen Angaben haben die Guglmänner etwa 300 Mitglieder. Alles Auserwählte versteht sich, denn bewerben kann man sich nicht. Das Durchschnittsalter der Kini-treuen liegt bei 50 plus, die meisten wohnen im Raum München, aber sogar in den USA soll es Guglmänner geben.

Members of the 'Guglmen', a secret society who believes that king Ludwig II of Bavaria was murdered, stand near the Starnberg lake in Berg

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Mit spektakulären Aktionen machen die Guglmänner immer wieder auf sich und ihre Botschaft aufmerksam. Vergangenes Jahr tauchten die schwarzen Männer plötzlich in einem Boot auf dem Starnberger See auf und schnürten zwei weiße Gasballons am Kreuz fest. Auf den Ballons die selbe Botschaft wie auf den Schilden: "Es war Mord". Um das zu beweisen, fordern die Guglmänner schon seit langem, den Sarg des Königs in der Gruft der Münchner Sankt Michaels Kirche zu öffnen. Falls sich der Leichnam von Ludwig II. noch im Sarg befindet, müsste man nach Meinung der Guglmänner Schussverletzungen am Rücken des Toten nachweisen können. Einer anderen Theorie der Bruderschaft zufolge befindet sich der Leichnam aber sowieso schon längst nicht mehr in München, sondern wurde heimlich in das Kloster Andechs verfrachtet.

Members of the 'Guglmen', a secret society who believes that king Ludwig II of Bavaria was murdered, pose in Berg near Munich

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Die nächste Aktion der Guglmänner steht mit dem 125. Todestag ihres Kinis sicherlich unmittelbar bevor. Am 13. Juni, dem Pfingstmontag, findet der große Gedenkgottesdienst bei Berg am Ufer des Starnberger Sees statt. Nur wenige Meter von dem Kreuz entfernt, das die Stelle im See markiert, an der der Ludiwg II. tot aufgefunden wurde. Ob die Bruderschaft der Guglmänner dann wohl endlich die Schmach ihres Königs beenden kann? Über die neuesten Aktionen und Ereignisse informiert der Geheimbund auf modernem Weg, Hintergrundinformationen und Bilder gibt es unter http://www.guglmann.de

© sueddeutsche.de/dpa/dapd/bica

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