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Gauting:Unverkrampfter Gesang

Leidenschaftlicher Pädagoge: Matthias Drievko bei einer Probe mit seinem neuen Kinderchor.

(Foto: Arlet Ulfers)

Matthias Drievko hat in Gauting einen neuen Chor gegründet, der allen Kindern offen stehen soll

Ein Mädchen teilt die Noten aus, Chorleiter Matthias Drievko spielt am Klavier den ersten Ton, und schon stimmen 16 Kinder aus voller Kehle das Lied vom Känguru an. Es ist gar nicht so einfach, die aufgeweckten Kinder am Nachmittag zu bändigen und aus ihrer Energie Chorgesang zu formen. Doch genau das hat sich Matthias Drievko, der mit bürgerlichem Namen Holzapfel heißt, zur Aufgabe gemacht: Im Januar hat er einen neuen Kinderchor für Gauting und Starnberg ins Leben gerufen, der immer mittwochs im Institut für Jugendarbeit probt.

Neun Mädchen und sechs Buben sitzen im Halbkreis um den Chorleiter und machen die stimmbildnerischen Übungen mit. "Natürlich kann man bei Fünf- bis Zwölfjährigen nicht dieselbe Stimmbildung wie bei Erwachsenen machen, dazu fehlt es den Kindern vor allem an Disziplin", sagt Drievko. Aber mit seiner langjährigen Erfahrung kennt er altersgerechte Methoden, um mit dem jungen Chor die Technik zu üben: "Singt einmal so, wie ein sehr dicker Mann lacht", fordert er die Kinder etwa auf, die daraufhin mit fröhlichem "Ha, ha, ha" die Terz-Intervalle anstimmen. Nicht jedes Kind trifft die richtigen Töne, doch darum geht es dem Chorleiter auch nicht: "Besondere Talente kann ich hier schon erahnen, am Wichtigsten ist es mir jedoch, allen Kindern einen unverkrampften Weg zum Singen zu eröffnen." Er wolle aus ihnen keine verkünstelten Sängerknaben züchten, sondern die Besonderheiten der natürlichen Kinderstimme mit spielerischer Stimmbildung unterstützen.

Drievko selbst war schon von klein auf von Gesang begeistert. Er war zunächst Würzburger Domsingknabe, dann Wiener Sängerknabe: "Meine Mutter war Sängerin am Raimund-Theater in Wien, und so bin ich quasi auf die Bühne geboren", erzählt er. Doch seit er am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium Komposition und Klavier und nebenher Gesang studierte, entwickelte er eine Leidenschaft fürs Unterrichten: Schon damals leitete er etliche Chöre und komponierte für einen Kinderchor auch selbst die Arrangements. "Oft inspirieren mich die Kinder selbst zu einer Komposition", erzählt der Gesangslehrer. Nach zwölf Jahren an der Musikschule Innsbruck kehrte Drievko 2014 in die Region München zurück und gibt seitdem unter anderem Klavier- und Gesangsstunden im Gautinger Studio "Musik und Bewegung". Für ein Konzert im Bosco studierte er bereits im vergangenen Sommer mit mehreren Gesangsschülern gemeinsam Stücke ein, viele der Kinder sind nun auch in dem neugegründeten Vokalensemble.

Einen Namen hat der Chor noch nicht, in Anlehnung an den französischen Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu" und seinen eigenen Vornamen kam Matthias Drievko "Les choristes" in den Sinn. "Das lasse ich aber bis Ende Februar die Kinder selbst entscheiden", sagt der Chorleiter. Auch bei der Stückwahl dürfen die jungen Sänger mitwirken und Lieder vorschlagen - derzeit singen sie viele traditionellen Kinderlieder, aber auch modernere wie etwa "Halt das Känguru fest, boy!" Privat hört der klassisch ausgebildete Gesangslehrer zwar keinen Pop, doch er bilde sich auch darin weiter, sagt er: "Ich möchte die Kinder singen lassen, was sie selbst auch hören, das ist mittlerweile sogar bei den Wiener Sängerknaben so." Auch wenn Drievko nicht mehr selbst auf der Bühne steht, bildet er seine eigene Stimme bei der Gesangspädagogin Gudrun Ayasse stetig weiter - bei der auch die berühmte Edita Gruberová noch Stunden nimmt.

Für Dezember 2017 plant Drievko, mit seinem neuen Kinderchor und dem Orchester des Gymnasiums Oberhaching eine selbst komponierte Kinderoper aufzuführen. Wie er sagt, freut sich der Chorleiter auf jede Probe, die er derzeit ehrenamtlich gibt: "Ich tue das sehr gern, werde aber nicht zuletzt wegen der Raumgebühren bald einen geringen Beitrag einführen, der für jeden bezahlbar ist." Denn sein Anliegen bleibt es, dass der Chor allen Kindern offen steht.

© SZ vom 11.02.2017

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