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Gauting:Kinderbetreuung wird teurer

Gemeinde kürzt sukzessive Zuschüsse für Betreiber der Kitas

Viele Eltern aus Gauting müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig höhere Kindergartengebühren zu bezahlen haben. Der Grund dafür ist, dass die Gemeinde die Mietzuschüsse neu regelt. Die derzeit noch geltenden Verträge mit Betreibern laufen deshalb im August aus; vom September an gelten dann neue Vereinbarungen. Dafür hat sich am Dienstag nach einer kontroversen Debatte eine große Mehrheit im Gemeinderat ausgesprochen. Kritik kam vor allem aus den Reihen der Grünen. Fraktionssprecherin Anne Franke glaubt, das neue Finanzierungsmodell werde zur Folge haben, dass sich Elternbeiträge in einer Größenordnung von 40 bis 70 Euro pro Monat erhöhen können. Die Beiträge in Gauting lägen landkreisweit jetzt schon im oberen Bereich, sagte sie mit Berufung auf das Landratsamt.

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Landkreis Starnberg gibt es in Gauting keinen einzigen Kindergarten in kommunaler Hand. Die Aufgabe, Buben und Mädchen zu betreuen, bis sie in die Schule gehen, übernehmen vielmehr verschiedene Träger wie das Rote Kreuz, Kirchen, die Lebenshilfe oder das Eltern-Kind-Programm. Sie mieten dazu Räume und erhalten vom Rathaus Zuschüsse. Bisher sind diese Ausgaben und Einnahmen recht uneinheitlich und wenig transparent, wie Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) deutlich machte. CSU-Gemeinderat Michael Vilgertshofer sprach gar von einem "Zuschuss-Saustall", und das bei einem Posten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 600 000 Euro. Nach seinen Worten ist das der größte Betrag an freiwilligen Leistungen im Etat.

Bisher bezahlen viele Kindergartenbetreiber eine eher symbolische Miete von 1,50 Euro pro Quadratmeter an die Gemeinde. Die wird nun auf zwölf Euro erhöht. Im Gegenzug bezahlt die Kommune einen Mietkostenzuschuss, der in drei Etappen immer geringer wird; vom Herbst an sind es zunächst neun Euro, nach einem Jahr nur noch sieben Euro, schließlich nur noch fünf, so dass der jeweilige Träger dann noch sieben Euro übernehmen muss.

Das kann drastische Auswirkungen haben, wie das Beispiel der Starnberger Lebenshilfe zeigt. Sie betreibt in einem Containerkomplex auf der sogenannten Postwiese einen Kindergarten mit Hort und Krippe mit insgesamt 110 Plätzen. Nach Angaben der Geschäftsführerin Edith Dieterle steigt die Miete im Lauf von drei Jahren von derzeit 25 000 Euro auf 119 000 Euro. Die Mehrausgaben holt sich die Lebenshilfe von den Eltern wieder. Die Beiträge müssten um 70 Euro pro Monat erhöht werden, die Eltern seien bereits darüber informiert, teilte Dieterle mit.

Schon bei einer Klausurtagung zur Haushaltskonsolidierung im Herbst 2018 hatten sich die Gautinger Gemeinderäte darauf verständigt, die Zuschusspraxis zu überarbeiten. Ziele waren, einheitliche Regelungen zu schaffen und zu sparen. Als in einer Ausschusssitzung, in der auch schon die Zahlen vorlagen, dieser Kurs bekräftig wurde, stimmten auch die Grünen noch mit. Nun nicht mehr. "Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich zuerst zugestimmt habe", sagte Franke nun.

© SZ vom 30.01.2020