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Gauting:Gefragte Kinderbetreuung

153 Buben und Mädchen stehen in Gauting auf Wartelisten

Mehr als 1000 Betreuungsplätze in Kindergärten, Krippen und Horten gibt es in Gauting; die Gemeinde steuert Millionenbeträge zum laufenden Betrieb und zu Investitionen der verschiedenen Träger bei. Doch das Angebot reicht immer noch nicht aus. Derzeit stehen 153 Buben und Mädchen auf Wartelisten, berichtete Sozialamtsleiter Francesco Cataldo. Zwei geplante Neubauten können die Not zwar etwas lindern, aber wohl nur vorübergehend. "Immer wenn etwas fertig ist, dann ist schon der Bedarf für das nächste da", hatte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger festgestellt, als die CSU eine Zwischenbilanz ihrer ersten Amtszeit zog. Und die FDP-Gemeinderätin Britta Hundesrügge erklärte: "Die Kinderbetreuung wird eine der großen Herausforderungen sein, der wir uns stellen müssen".

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen noch weiter ansteigen wird. Um die Größenordnungen abschätzen zu können, hat Cataldo Statistiken und Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung ausgewertet, den zu erwartenden Zuzug und geplante Bauvorhaben berücksichtigt. Eine Rolle spielt auch die weitere Entwicklung der Asylpolitik. Schon jetzt sind einige Plätze von Flüchtlingskindern belegt. Insgesamt ergibt die Prognose so einen Bedarf von zusätzlichen 120 Plätzen in den nächsten Jahren.

Weitere Gruppen entstehen in absehbarer Zeit auf dem Gelände des BRK-Altenheims, das an der Starnberger Straße errichtet wird. Im Bereich des "Mehrgenerationencampus", wie das Projekt offiziell heißt, soll voraussichtlich bis zum kommenden Frühjahr ein Neubau mit knapp 50 Plätze in Kindergarten und Krippe sowie einer zusätzlichen Hortgruppe entstehen. Der Waldkindergarten am Rand der Villenkolonie soll ebenfalls neu gebaut werden; dort sollen insgesamt drei Gruppen untergebracht werden. Bis der Platz zur Verfügung steht, dauert es allerdings noch länger, denn die Arbeiten beginnen erst im kommenden Frühjahr. Bis zur Fertigstellung müsse eine Interimslösung gefunden werden, mahnt Cataldo.

Zwar fehlen in Gauting noch Plätze, aber die Bandbreite des Angebots ist groß. So gibt es die unterschiedlichsten Träger wie Rotes Kreuz oder Kirchen, Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt, Elterninitiativen oder eine Betriebskinderkrippe bei der Firma Webasto in Stockdorf, Eltern können sich für eine Betreuung im Stil der Waldorfpädagogik oder nach den Lehren von Maria Montessori entscheiden. Betreuungszeiten von vier bis zehn Stunden pro Tag werden angeboten. Im Gegensatz zur Nachbargemeinde Gilching betreibt die Gemeinde Gauting selbst keine Kindergärten. Dafür muss die Kommune die gesetzlich vorgeschriebenen Zuwendungen leisten, was allein schon mehr als drei Millionen Euro pro Jahr ausmacht. Dazu kommen einzelne Investitionskostenzuschüsse. Außerdem hat das Rathaus das Buchungssystem Little Bird installiert, bei dem Eltern Plätze recherchieren und reservieren können.

Angesichts des Personalmangels in dem Bereich Kinderbetreuung forderte die SPD-Gemeinderätin Stephanie Pahl noch mehr Engagement von der Kommune. Ihrer Ansicht nach sollten Anreize für Erzieherinnen geschaffen werden, in Gauting zu arbeiten. Sie denkt dabei zum Beispiel an günstige Mietwohnungen oder finanzielle Unterstützung bei der Ausbildung. Sie erinnerte an den Fall, als auch in Gauting Gruppen geschlossen oder zusammengelegt werden mussten, weil Personal fehlte. Derzeit seien in Gauting 34 Betreuungsplätze nicht belegt, obwohl die Räume zur Verfügung stünden. Die Gründe seien Personalmangel und ein erhöhter Förderbedarf.

© SZ vom 17.06.2017

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