Gauting Dichter und höher

Bei der Ausstellungseröffnung: Lucie Heinz (v.li), Katharina Reichelt, Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger und Architekt, Matthias Castorph.

(Foto: Arlet Ulfers)

Stadtplaner sagen, dass die Würmtalgemeinden nur durch Nachverdichtung bezahlbaren Wohnraum schaffen können

Von Blanche Mamer, Gauting

"Nachverdichtung" ist immer noch eine Schreckensvision für viele Bürger, befürchten sie doch wuchtige Betonbauten in unmittelbarer Nachbarschaft. Mit dieser Vorstellung räumt die Ausstellung "Potenziale nutzen, Wohnraum schaffen" auf, die am Mittwoch im Gautinger Rathaus eröffnet wurde. Konzipiert vom Regionalmanagement München Südwest zeigen die Ausstellungstafeln, wie die Würmtalgemeinden Gauting, Krailling, Planegg und Gräfelfing und die Städte Starnberg, Germering und München durch den Bau von qualitativ hochwertigen Gebäuden, die sich in die Umgebung einfügen, bezahlbaren Wohnraum schaffen und zudem noch Grün erhalten.

Für die Ausstellung, die bis zum Freitag, 24. November, in Gauting zu sehen ist und dann nach Krailling weiterzieht, haben die Regionalmanagerin Katharina Reichel und ihre Vertreterin Lucie Heinz gelungene Beispiele von Projekten in den verschiedenen Kommunen zusammengestellt. "Wir leben hier in der Metropolregion München, wo in den kommenden zehn Jahren 300 000 Menschen zuziehen werden. Da Grund und Boden immer teurer wird, müssen wir die zur Verfügung stehenden Grundstücke möglichst gut nutzen. Bezahlbarer Wohnraum schaffen heißt somit, in die Höhe bauen", sagte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger. Im Gautinger Vorzeigeprojekt, dem Mehrgenerationenhaus mit 21 Wohnungen in der Vitusstraße in Stockdorf, das 2013 fertiggestellt wurde, hätten die Planer und der Verband Wohnen gerne höher gebaut. Doch vor acht Jahren war das dem Gemeinderat nicht zu vermitteln.

Der Stadtplaner Matthias Castorph stellte in seiner thematischen Einführung eine Reihe von Thesen für eine qualitativ hochwertige Nachverdichtung auf. Ein Ort wie Gauting sei so geschätzt, weil er im Grünen liege und trotzdem nahe an der Stadt. Wer hier wohne, wünsche keine große Veränderungen. Dabei sei Veränderung etwas Normales. "Wir verändern uns alle, gründen Familien, finden neue Freunde, andere Aktivitäten." Man müsse sehen, wie man neuen Wohnraum schaffe, ohne weiter in die Landschaft vorzudringen, - und das als Chance nutzen. Schon jetzt sei es so, dass man sich von großen freistehenden Häusern auf großen Grundstücken verabschiede und Reihenhäuser oder Mehrspänner baue. Grundsätzlich habe das Normale seine Qualität. Bei der Planung solle darauf geachtet werden, dass sich das Neue nach dem Alten richte, sich konkret auf die Umgebung beziehe. Das Neue müsse aber qualitativ hochwertig sein. "Wenn es dann so aussieht, als wäre es immer schon so gewesen, dann ist es gut", sagte er. Ein wichtiger Rat war, auf dem schlechtesten Teil des Grundstücks zu bauen und die Besonderheiten und den schönen Bestand zu erhalten. Denn es dauere Jahre, bis eine Blumenwiese ihren alten Charme erreiche und 30 bis 50 Jahre, bis ein Baum groß sei.

Wolfgang Robl vom Verband Wohnen erläuterte, dass höher zu bauen gleichbedeutend sei mit wirtschaftlicher zu bauen und günstigeren Mieten. Beispiele sind die familienfreundlichen Projekte an der Himbselstraße in Starnberg und in der Landsberger Straße in Germering. Was die Höhenentwicklung betreffe, habe ein Umdenken stattgefunden, sagte Bürgermeisterin Kössinger. Sie ist sich sicher, dass der Gemeinderat heute zustimmen würde, in der Vitusstraße eine Etage höher zu bauen. Beim neuen gemeinsamen Projekt vom Verband Wohnen, der Gemeinde Gauting, dem Katholischen Siedlungswerk und dem Eigentümer von AOA seien höhere Gebäude vorgesehen. Der Wettbewerb soll Ende November entschieden sein und umgehend in einen Bebauungsplan einfließen.