bedeckt München 15°
vgwortpixel

Fünfte Jahreszeit:Aufmarsch der Regenten

Der Pöckinger Faschingsclub feiert sein 40-jähriges Bestehen mit einer Art Klassentreffen, auf dem ehemalige Tollitäten wieder in ihre Kostüme schlüpfen. Vier der Prinzenpaare haben den Bund fürs Leben geschlossen

Es ist wie auf einem Klassentreffen: Man freut sich, Menschen zu begegnen, die man schon Jahre nicht mehr gesehen hat. Es gibt Küsschen, und jeder lobt den anderen, dass er sich eigentlich gar nicht verändert habe. Jedenfalls kaum. Tatsächlich sind auf der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen des Pöckinger Faschingsclubs (PFC ) im Kulturhaus Beccult viele der ehemaligen Regenten anhand von alten Fotos problemlos wiederzuerkennen. Manche der Prinzen haben zwar ein Bäuchlein angesetzt und graue Haare bekommen, aber zahlreiche Prinzessinnenkleider sitzen auch nach Jahrzehnten noch wie angegossen.

"Erstaunlich ist auch die Entwicklung der Prinzenpaare", sagt Albert Luppart, der 30 Jahre lang PFC-Präsident war. "Viele haben hier ihre Talente entdeckt für ihr späteres Berufsleben." Während einer Faschingssaison könne man beobachten, wie die Aktiven an Selbstbewusstsein gewinnen.

Luppart war 17 Jahre alt, als er den Verein mitgegründet hat und Präsident wurde. Weil er noch nicht volljährig war, musste ein erwachsenes Mitglied die Verträge für ihn unterschreiben. Und für die erste Saison 1980/81 hat Luppart dem PFC das Geld für die Ausstattung vorgestreckt. "Meine Mama hat ganz schön geschimpft", erzählt er. Doch er habe wieder alles zurückbekommen. "Es war ein winziger Dorffasching", erinnert sich Albert Luppart, der heute der Zweite Bürgermeister von Pöcking ist.

Vor der Vereinsgründung war der Fasching vom Sportverein und später von der Burschenschaft organisiert worden. Dann hoben vier Leute einen Club aus der Taufe, um den Fasching richtig auf Touren zu bringen. Darunter war auch das erste PFC-Prinzenpaar Evi und Thomas Faistbauer. Für ihr Prinzessinnenkleid hat sie das Brautkleid ihrer Tante eingefärbt und mit Pailletten verziert, erzählt Evi Faistbauer. Weil Luppart noch keinen Führerschein gehabt habe, sei man zu den Auftritten mit ihrem alten Ford Fiesta gefahren. "Ich habe immer drei Straßen weiter weg geparkt", sagt Evi Faistbauer, damit niemand sehe, dass der Verein nicht einmal ein Prinzenauto hatte.

Evi Faistbauer hat später ihren Prinzen geheiratet. Drei weitere Regenten-Paare aus den 1980er-Jahren traten ebenfalls vor den Traualtar. "Bei uns stand in der Zeitung: 'Prinzenpaar wird Brautpaar' ", sagt Karl-Heinz Glas, Prinz von 1983. Und sein Nachfolger von 1987, Benno Hagenbucher, betont, dass er der erste Prinz gewesen sei, der seine Prinzessin nicht geheiratet habe. Luppart ist stolz darauf, dass "Faschingsehen" durchaus halten können. Die Paare seien alle bis heute glücklich verheiratet. Und sie sorgten auch für den PFC-Nachwuchs. Der Sohn von Silvia und Heinz Repert, Prinzenpaar von 1985, ist der aktuelle PFC-Regent Markus Repert. Franziska Curth, die Tochter von Horst Curth, dem Faschingsprinzen von 1982, war 2016 Faschingsprinzessin und ist heute stellvertretende Präsidentin. Und die Tochter der ehemaligen Prinzessin und heutigen Präsidentin Stephanie Lörke tanzt bereits in der Kindergarde. Auch die Auftritte haben sich in 40 Jahren verändert. Die Faistbauers tanzten noch den klassischen Prinzenwalzer und Gardemarsch mit Funkenmariechen. Luppart trat mit der Burschengarde als "Kannibalen-Gruppe" auf. "Wir haben uns schwarz angemalt, das dürfte man heute gar nicht mehr machen", erinnert er sich.

Erst Thomas Hechenrieder, Prinz von 1995 und langjähriger Trainer, hat die klassischen Auftritte verwandelt in fulminante Shows.

Präsidentin Stephanie Lörke sagte einmal, sie engagiere sich für den Fasching, weil das ein Gefühl sei, das man leben müsse. Als sie in ihrem romantisch-rubinroten Prinzessinnenkleid von 2007 auf der Bühne steht und gefragt wird, warum es für so viele Frauen der große Traum ist, einmal Prinzessin zu sein, antwortet sie: "Eigentlich macht man es wegen des Glitzers und des Tanzens natürlich."

© SZ vom 28.01.2020
Zur SZ-Startseite