Flüchtlingsunterkünfte:Leserbriefe

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Zum Beitrag "Unruhe im Containerdorf" vom 10. Februar:

Asylbewerber auf Wohnungssuche

Die beiden Bürgermeister von Inning und Herrsching haben also beschlossen, die Verträge für die Containerdörfer nicht zu verlängern. Auch wenn sie sicher noch nie mit Asylbewerbern persönlich auf Wohnungssuche waren, müssen sie doch wissen, dass die Geflüchteten damit entweder in die Obdachlosigkeit geschickt werden oder gezwungen sind, sich in irgendeiner dünn besiedelten Gegend Deutschlands auf Wohnungssuche zu begeben.

Der Wegzug der Neubürger wäre ein großer Verlust für die Gemeinden. Es sind viele Bindungen entstanden, schreckliche Fluchtgeschichten konnten vielleicht dem Einen oder Anderen hier ein Gefühl von Dankbarkeit vermitteln, in Sicherheit und Frieden leben zu dürfen, weil sie hier geboren sind. Statt die Geflüchteten nach fünf Jahren einfach als Bürger der Gemeinden zu sehen, für die man Verantwortung hat, weist man ihnen die Tür. Das ist auch ein Schlag für die Helferkreise, die sich um Ausbildungs- und Arbeitsplätze vor Ort bemüht haben und dafür gesorgt haben, dass sich viele Asylbewerber inzwischen ein bisschen als Herrschinger oder Inninger fühlen. Integration im besten Sinne also.

Können sich die Bürgermeister eigentlich vorstellen, welche Retraumatisierung es für die Geflüchteten bedeutet, ins Ungewisse geschickt zu werden? Oder haben sie gar einen geheimen Plan, wie sie im hochpreisigen Landkreis Starnberg Wohnraum für sie generieren werden? Wie wohltuend realistisch ist da Landrat Frey, der zwar auch sieht, dass Container keine Dauerlösung sein können, aber eben immer noch besser als nichts. Man kann nur hoffen, dass sich die Gemeinderäte der hartherzigen Haltung ihrer Bürgermeister nicht anschließen.

Albert Riederer, Inning

"Wo sollen diese Menschen hin?"

Der Landkreis und sein Landrat sind dafür zu loben, dass sie mehr Flüchtlinge aufgenommen haben als sie hätten aufnehmen müssen und offensichtlich bereit sind, im Rahmen der Initiative "Sichere Häfen" weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Wer Flüchtlinge aufnimmt, muss aber auch Wohnraum bereitstellen. Im Landkreis herrscht jedoch nicht erst seit der Flüchtlingskrise erheblicher Wohnungsmangel, wie rund 1000 Wohnberechtigungsscheine belegen.

Dem Mangel an Wohnungen für Flüchtlinge kann nicht mit Containeranlagen abgeholfen werden. Landrat Frey stellt zutreffen fest, dass es für die Menschen in den derzeitigen Unterkünften keine anderen Wohnungen gibt. Er stellt ebenso zutreffend fest, dass sie irgendwo leben müssen, und stellt dann die fast verzweifelte Frage: "Wo sollen diese Menschen hin?" Darauf gibt es eigentlich nur eine Antwort: Für diese Menschen müssen in gezielten Programmen schnellstmöglich bezahlbare Wohnungen gebaut werden.

Man kann nur an alle Verantwortlichen, unseren geschätzten Landrat, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und die im Landkreis tätigen Wohnungsgenossenschaften und Siedlungswerke appellieren, in einer gemeinsamen Anstrengung solche Programme auf den Weg zu bringen, von welchen auch die von Wohnungsnot geplagte einheimische Bevölkerung profitieren sollte.

Werner Deiglmayr, Gilching

© SZ vom 15.02.2021
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