Eröffnungsfilm:Viel Liebe, wenig DDR

Regisseur Norbert Lechner hebt in seinem Drama "Zwischen uns die Mauer" stark auf die anrührende Romanze ab

Von Blanche Mamer, Starnberg

Liebesgeschichten zwischen Ost und West gehen immer. Das gilt auch für "Zwischen uns die Mauer" von Norbert Lechner, der als Eröffnungsfilm und Weltpremiere beim 13. Fünfseen-Filmfestival in der Starnberger Schlossberghalle gezeigt wurde. Mit nicht enden wollendem Applaus feierte das Publikum den Regisseur, sein Team, die Hauptdarsteller Lea Freund und Tim Bülow sowie Katja Hildebrand, Autorin des autobiografischen Romans, auf dem die Story basiert.

"Ohne sie gäbe es den Film nicht", sagte Lechner und erklärte, er habe das Buch verfilmen wollen, seit er es 2006 gelesen habe. Das Ganze dauerte dann noch 13 Jahre, und es war nicht mehr möglich, in Berlin noch das graue, bröckelnde, trostlose Umfeld zu finden. "Ich war total frustriert. Die meisten Häuser sind so schön renoviert." Gedreht wurde in Breslau, das wie einige ehemalige schlesische Städte von demselben Architekten gebaut worden war wie Berlin. Hildebrand sagt, sie sei zutiefst berührt von den beiden jungen Schauspielern. "Die Gefühle sind richtig, auch wenn einiges ganz anders war."

FSFF

Ein Herz und eine Seele: die Hauptdarsteller Lea Freund und Tim Bülow in dem Drama "Zwischen uns die Mauer".

(Foto: Verleih)

Ja, es ist eine ans Herz gehende Liebesgeschichte zwischen Anna aus der westdeutschen Provinz und Philipp, dem Pfarrerssohn aus Ostberlin. Sie ist eine kluge, doch naive 16-Jährige, die bei der Austauschfahrt der kirchlichen Gruppe mehr auf die Großstadt Berlin - also Westberlin - scharf ist als auf den Besuch im Osten. Doch es kommt anders, sie verliebt sich in Philipp und er in sie. Abends muss sie zurück in den Westen, Anna lernt dabei gleich, warum der Kontrollübergang bei den Ostberlinern nur "Tränenpalast" hieß. Sie wird noch öfters nach Ostberlin fahren, ihre Eltern überreden oder belügen, sie wird anfangs pünktlich zurückkehren. Doch irgendwann verschlafen die beiden, und Anna macht unliebsame Bekanntschaft mit Grenzpolizei und Staatssicherheit. Sie kommt im Gegensatz zu ihrem Freund glimpflich davon. Er ist nun als Republikfeind registriert und unter scharfer Beobachtung. Das passiert alles in den Jahren 1986 und 1987. Heute, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, wirkt das wie Fiktion. Doch das war es nicht, die Realität war um einiges schlimmer, kaum jemandem gelang in den letzten Jahren der DDR die Flucht über den verminten Todesstreifen, vorbei an den abgerichteten Hunden und über die durch Wachtürme gesicherte Mauer. Das Risiko, getötet zu werden, war bekannt, trotzdem meinte Philipp, Sohn eines regimekritischen Pfarrers, die Grenzsoldaten überlisten zu können.

Die Realität der DDR kommt bei Lechner viel zu kurz, Blicke auf einen Wachturm oder knappe Stasi-Verhöre reichen nicht aus. Die älteren Zuschauer mögen sich erinnern, doch für die Jüngeren wäre mehr politischer Hintergrund nötig, sie könnten leicht glauben, dass man es nur richtig anstellen musste, um in den Westen zu gelangen. "Zwischen uns die Mauer" ist vor allem ein anrührender Liebesfilm mit ganz süßen Schauspielen. Doch er ist viel zu lang, der Plot plätschert so vor sich hin, das System DDR kommt zu harmlos daher.

Der Film läuft am Samstag, 17.30 Uhr, noch einmal in Starnberg und am Sonntag, 15 Uhr, in Seefeld.

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