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Energie:Halbe Million Euro für die Nahwärme

Seefeld beteiligt sich an Netz von Firma und Energiegenossenschaft

Von Christine Setzwein, Seefeld

Das jahrelange Ringen um das "Leuchtturmprojekt" ist beendet. In seiner Sitzung am Dienstag hat der Gemeinderat Seefeld beschlossen, sich am Nahwärmenetz der Firma Schlecht und der Energiegenossenschaft Fünfseenland zu beteiligen. Angeschlossen werden in Seefeld das TSV Sportheim, das Jugendhaus, der Bauhof zusammen mit der Feuerwehr und die Schule. Für den Anschluss müsse die Gemeinde einmalig etwa 100 000 Euro zahlen, für Pufferspeicher, Regelungstechnik, Ventile und Hydraulik zwischen 263 000 und 425 000 Euro, je nach Effizienz, erläuterte Bürgermeister Klaus Kögel (CSU) in der Sitzung. Insgesamt also bis zu 526 000 Euro. Viel Geld für eine Kommune, die klamm ist und der wegen der Corona-Krise noch 1,7 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen entgehen dürften.

Arnulf Daxer (CSU) wollte da nicht mehr mitmachen. "Es geht um eine halbe Million Euro", sagte er. Und das seien nur die Einmalkosten. Dazu kämen die jährlichen Kosten für die Nahwärme, die etwa bei 85 000 Euro lägen - mehr als das Doppelte als für die Versorgung mit Gas.

Alle anderen Gemeinderäte waren andere Meinung. Zum einen, weil die Heizungsanlagen in den fünf kommunalen Liegenschaften in den kommenden Jahren ohnehin saniert werden müssten. Zum anderen, weil es Vorverträge mit der Energiegenossenschaft gibt, die bereits die Rohrleitungen im ersten Ast des Nahwärmenetzes verlegt hat. Und überhaupt, weil Nahwärme "weitsichtig" (Nikolas Rathert, Grüne), eine "sinnvolle Sache" (Johanna Senft, BVS), eine "Investition in die Zukunft" (Thomas Zimmermann, Grüne) und ein "Leuchtturmprojekt" (Oswald Gasser, FDP) sei und weil "ein Rückzieher jetzt nicht mehr geht" (Petra Gum, FWG).

Die Umstellung auf Nahwärme soll im Sportheim und im Jugendhaus begonnen werden. Am Nahwärmenetz Seefeld-Oberalting wollen auch die Wohnbaugenossenschaft Maro, das Seniorenstift Pilsensee und mehrer Privathaushalte andocken. Das Heizwerk errichtet die Firma Schlecht auf ihrem Betriebsgelände. Die Energiegenossenschaft baut das Netz und verkauft die Wärme.

Das Geld dafür ist da. Nur wenige Tage nach dem Aufruf an die 500 Mitglieder der Genossenschaft waren laut Vorstand Gerd Mulert 800 000 Euro auf dem Konto, die als Kredite auf Basis von Nachrangdarlehen verzinst werden.

© SZ vom 30.07.2020

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