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Digitales Klassenzimmer:Auf dem Tablet durch Atlanta

Starnberg: Gymnasium neue Digitalausstattung

Digitales Klassenzimmer im Gymnasium Starnberg: Die Schülersprecher Iona Klepser, Maximilian Eder und Erik Linnemann (von links) testen die neuen Laptops.

(Foto: Nila Thiel)

Das Gymnasium Starnberg stockt digital auf: Nun stehen Schülern und Lehrern 200 handliche Computer und schnelles Wlan zur Verfügung

Von Lisa Bullerdiek, Starnberg

Ein kleiner grauer Kasten an der Wand des Klassenzimmers soll das Gymnasium Starnberg in die digitale Zukunft führen. Die blinkenden Kabel und Kästen im Inneren bewirken, dass es in jedem Raum gutes Wlan gibt und die Lehrer in Zukunft mit ihren Schülern über Tablets arbeiten können.

Seit zwei Jahren arbeitet die Schule mit zwei IT-Experten zusammen, am Dienstag konnten sie die Ergebnisse präsentieren. "Wir haben 2018 gemerkt, dass wir mit unserem Medienkonzept so nicht weiterkommen", erklärt Schulleiter Josef Parsch. Damals habe es keine einheitlichen Geräte oder Software gegeben, und die Wlan-Geschwindigkeit reichte nicht. Das müsse in einer Schule aber zuverlässig funktionieren. Einer der IT-Experten ist Jörg Genius von Genius-Techno Consult. Er sagt, dass sich mit dem Lockdown im Frühjahr die Ziele des neuen Medienkonzepts noch einmal geändert hätten; standen am Anfang vor allem die Endgeräte wie Tablets im Vordergrund, wollten sie nun auch Voraussetzungen für Fernunterricht schaffen. Bei der Größe der Schule sei die Digitalisierung mit einem "großen, mittelständischen Unternehmen" zu vergleichen gewesen, so Genius.

Nun hat das Gymnasium digital aufgestockt. Konkret wurden insgesamt etwa 200 Tablets für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer angeschafft, außerdem gibt es drei neue Computerräume mit insgesamt 72 Arbeitsplätzen und Beamer. Die Tablets sind auf fünf Koffer aufgeteilt, die die Lehrer ausleihen können. Dann teilen sich immer zwei Jugendliche ein Gerät. Nicht nur bei der Hardware hat die Schule mit rund 800 Schülern zugelegt: Das Wlan ist schneller, es gibt eine Cloud, und die Pädagogen können verschiedene Programme für Digital- und Präsenzunterricht nutzen.

Wie das aussehen kann, demonstriert Bertram Wegner, der unter anderem Geografie unterrichtet. Vor ihm sitzen die drei Schülersprecher der Schule, jeweils mit einem eigenen Tablet. Auf den Beamer projiziert Bertram Wegner eine Weltkarte, dann zoomt er auf die amerikanische Stadt Atlanta. Auf der Karte hat er einen Weg zwischen den niedrigen Holzhäusern vorgezeichnet, den die Schüler nun abschreiten können, um dieses spezielle Viertel zu erkunden. Das bedeutet aber nicht, dass die Schülerinnen und Schüler jetzt die Unterrichtszeit auf Instagram verbringen können: Über eine spezielle Plattform kann der Lehrer nur ganz bestimmte Programme freischalten und die Bildschirme auf den Tablets auch verdunkeln. Damit keine Lehrkraft von den neuen Möglichkeiten ausgeschlossen wird, bilden die jüngeren die älteren fort.

Insgesamt belaufen sich die Kosten für die neue Medienausstattung des Gymnasiums Starnberg auf 890 000 Euro. Sie werden zu 90 Prozent aus Fördermitteln von Bund und Land gedeckt. Dahinter steckt der Digitalpakt, der 2018 von der Bundesregierung beschlossen wurde. In der gesamten Bundesrepublik stehen fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung zur Verfügung. Bisher, weiß Schulleiter Josef Parsch, sei die Förderung noch von wenigen Schulen genutzt worden. Jörg Genius geht davon aus, dass das neue Medienkonzept mindestens zehn Jahre erhalten bleibt. Es sei sehr flexibel und könne weiter ausgebaut werden und so auch höheren Anforderungen in Zukunft gerecht werden.

Bis jetzt kommt das Konzept an der Schule gut an. Schülersprecherin Iona Klepser berichtet, dass sowohl Lehrer als auch Schüler sich sehr gefreut hätten. Im Kunstunterricht hätten sie schon selbst entworfene Häuser in Landschaften gesetzt. Auch der Schulleiter ist zufrieden, weil damit auch ganz alltägliche Dinge erleichtert würden, wie gemeinsames Textübersetzen im Lateinunterricht oder das Überprüfen, welche Schülerinnen und Schüler anwesend sind und ob sie entschuldigt wurden. Josef Parsch zieht ein erstes Resümee: "Das ist schon nach wenigen Tagen im Unterricht angekommen."

© SZ vom 22.10.2020
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