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Dießen:Mehr Spaß im Fun-Park

Gemeinde und MTV Dießen planen die Sanierung und Erweiterung der veralteten Anlage am Sportplatz. Die Region am Ammersee-Westufer soll damit im Rahmen des Leader-Projekts deutlich attraktiver werden

Von Peter Bierl, Dießen

Am Sportplatz von Dießen planen Gemeinde und der Sportverein MTV Dießen einen Fun-Park für Jugendliche. Das alte Basketballfeld und die angejahrte Skateranlage sollen saniert und eine neue Soccerbox angelegt werden, ein kleines Spielfeld mit Kunstrasen und Bande. Dazu käme vielleicht noch ein Beachvolleyball-Feld. Die neue Anlage würde zwischen 70 000 und 150 000 Euro kosten. Sie soll von Jugendlichen selbst - mit Unterstützung des Jugendzentrums und des SOS-Kinderdorfes - verwaltet werden.

Das Projekt stellte Frank Fastl, Gemeinderat (FW) und stellvertretender Vereinsvorsitzender am Freitag beim ersten Workshop für das Projekt "Vernetzte Jugendplätze" der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Ammersee im SOS-Kinderdorf vor. Dem Anspruch, Jugendliche zu beteiligen, wurde dieses erste Treffen nur bedingt gerecht: Zwar kamen knapp 30 Menschen, aber überwiegend erwachsene Mandatsträger und Funktionäre aus Vereinen und Verbänden, kaum Jugendliche. Die Veranstaltung sollte dem Austausch von Ideen und der Vernetzung dienen.

Zum Auftakt erklärte Manager Detlef Däke das Leader-Projekt: Es handelt sich um ein EU-Förderprogramm, dass der regionalen Entwicklung dienen soll. Momentan machen 16 Kommunen rings um den Ammersee mit. Nur eine Minderheit war allerdings bei diesem Treffen vertreten, vor allem aus Dießen, Utting sowie Seefeld.

In den Arbeitsgruppen stellte sich heraus, dass sowohl Basketball-Felder, Grillplätze und Kletterwände als auch trendige Neuheiten wie Dirtpark und Soccer-Box gewünscht werden. Dazu kamen neue Ideen, wie ein Kulturtreffpunkt, etwa eine Kulturwerkstatt in Utting. Die Vorhaben sollen nach dem Willen von Veranstaltern und Teilnehmern über Gemeindegrenzen hinaus wirken und zur stärkeren Vernetzung in der Ammersee-Region beitragen.

Auf die Frage nach den Vorteilen einer solchen Kooperation für Jugendliche, sagte Däke der SZ, es sei ein Angebot, sich "aktiv gestaltend einzubringen". Für ihn sei das durchaus ein "Selbstzweck". Durch die Vernetzung wäre es möglich, nicht nur auf den Ort fixiert zu agieren. "Man kann Menschen kennenlernen, die nicht zur eigenen Clique gehören", sagte er. Bereits auf dem Workshop hatte Däke allerdings angesprochen, dass die Mobilität für Jugendliche ein Problem sei. Die Verbindungen zwischen den 16 Kommunen mit Bahn oder Bus sind teilweise schlecht.

Das Leader-Programm ist keine Sportstättenförderung, wie Däke betonte, allerdings können solche Projekte gefördert werden, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehört, dass die Anlage öffentlich zugänglich ist, nicht nur für Vereinsmitglieder. Pädagogische Begleitung und die Beteiligung von Jugendlichen sind weitere Kriterien. Wichtig ist, dass die Integration und Begegnung von Generationen und Kulturen gefördert wird, etwa das junge Flüchtlinge mitmachen. Fastl berichtete, dass im MTV bereits mehr als zwei Dutzend Asylbewerber aktiv sind.

Der Leiter des Dießener Jugendzentrums, Ralf Kleeblatt, warb für eine Beteiligung von Jugendlichen. Er schlug vor, in allen Leader-Kommunen Jugendbeiräte zu installieren, was kaum auf Resonanz stieß. Über das Thema Jugendcafé wurde nicht gesprochen, obwohl in Dießen über eine solche Einrichtung für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren debattiert wird. Der Verfechter, Jugendreferent Michael Fuchs-Gamböck, nahm allerdings an dem Leader-Treffen nicht teil, dafür seine Ratskollegin Petra Sander (Grüne) als zweite Leader-Vorsitzende. Sie hatte Fuchs-Gamböck wegen des Projekts im Gemeinderat angegriffen und vorgehalten, ohne Beschluss des Gremiums zu agieren. Der wiederum hatte sich mit dem Hinweis verteidigt, er wolle zuerst offene Fragen klären und Informationen sammeln und dann einen qualifizierten Vorschlag einbringen.

Die Delegation aus Seefeld nimmt den Workshop erst einmal als Anregung. "Wir werden ein Treffen im Ort organisieren und Vorschläge sammeln", sagte Johanna Senft (Bürgerverein), die Jugendreferentin des Gemeinderates. Ein Jugendbeirat existiert in Seefeld nicht, es gebe kein Interesse. Die Jugendlichen hätten wegen der Schule wohl keine Zeit, vermutet sie. Was Leader angeht, meinte Senft, man müsse es ausprobieren. "Es hat aber keinen Wert, wenn wir das als Erwachsene anpacken", betonte sie.

© SZ vom 22.04.2016
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