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Bürgermeisterwahl in Tutzing:Marlene Greinwald und Florian Schotter in Stichwahl

Marlene Greinwald (Freie Wähler) hat ihr Ziel einer absoluten Mehrheit verfehlt, geht aber als Favoritin in die Stichwahl gegen Florian Schotter (CSU).

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Kandidatin der Freien Wähler bekommt in der ersten Runde 45,3 Prozent der Stimmen, der CSU-Neuling überrascht mit 36,7 Prozent. Bernd Pfitzner von den Grünen ist aus dem Rennen.

Die Tutzinger haben am Sonntag gewählt, aber wer künftig in der Seegemeinde als Bürgermeister amtieren wird, ist weiter offen. Marlene Greinwald (Freie Wähler) und Florian Schotter (CSU) müssen am 28. Januar in die Stichwahl. Greinwald schaffte zwar mit 45,3 Prozent (2064 Stimmen) das beste Ergebnis, aber nicht die nötige absolute Mehrheit. Schotter schnitt mit 36,7 Prozent (1673 Stimmen) als Zweitbester ab. Aus dem Rennen ist der Bürgermeisterkandidat der Grünen, Bernd Pfitzner. Er erhielt 18,0 Prozent (818 Stimmen). Dieses vorläufige Endergebnis gab die amtierende Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg (CSU) am Sonntag um 18.57 Uhr vor knapp 100 Anhängern der Kandidaten und Interessierten im Foyer des Tutzinger Rathauses bekannt. Die Wahlbeteiligung lag laut Wahlleiter Marcus Grätz bei 57,9 Prozent.

Die Neuwahl des Rathauschefs mitten in der Legislaturperiode war notwendig geworden, weil Amtsinhaber Rudolf Krug im August verstorben war. Der ÖDP-Kandidat hatte 2014 in der Stichwahl gegen Stefanie von Winning (CSU) mit 67,9 Prozent klar gewonnen. Damals hatte die Wahlbeteiligung bei 54,3 Prozent gelegen.

Marlene Greinwald hatte als amtierende Dritte Bürgermeisterin auf einen Durchmarsch auf Anhieb gehofft. Die 56-jährige Wirtschafterin für Landbau äußerte sich dennoch kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses erleichtert und zuversichtlich. "In zwei Wochen gilt's", gab sie als Motto aus.

Für Florian Schotter, der als politischer Neuling und erst kürzlich eingetragenes CSU-Mitglied in den Ring gestiegen war, ist das Erreichen der Stichwahl ein großer Erfolg. Im Stimmbezirk Traubing hatte der Polizeioberkommissar sich sogar ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Greinwald geliefert. In dem Ortsteil lag der Tutzinger dem Vernehmen nach nur sieben Stimmen hinter seiner Konkurrentin, die seit über 27 Jahren im Gemeinderat aktiv ist. Schotter hat damit sein vorher angekündigtes Ziel erreicht. "Das fühlt sich gut an", sagte der 42-Jährige strahlend neben seiner hochschwangeren Frau Sandra auf die Frage, wie er das Ergebnis finde. Jetzt gelte es, bis zur Stichwahl "nochmal die Arschbacken zusammenzukneifen". Der Stichwahl-Termin könnte mit der Geburt seines ersten Kindes zusammenfallen.

Tutzings CSU-Vorstand Thomas Parstorfer war sichtlich erleichtert: "Die erste Hürde ist genommen." Den Erfolg musste er umgehend an CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer melden. Es sei das erste Mal, dass er dazu angehalten worden sei, so der Tutzinger CSU-Chef. Ob man daraus ein Stimmungsbarometer ableiten will, ist nicht bekannt. Dass Schotter in der Kommunalpolitik unerfahren sei, habe sich jedenfalls nicht als Nachteil erwiesen, so Parstorfer. Die CSU-Kreisvorsitzende und Tutzinger Gemeinderätin Stefanie von Winning neben ihm sieht darin sogar einen Vorteil: "So jemand ist nicht betriebsblind, der kann gegen eingefahrenen Schlendrian angehen. Ein Bürgermeister muss führen können, das ist wichtig."

Hat sein Ziel verfehlt, kann aber noch lachen: Bernd Pfitzner von den Grünen (Mitte) ist aus dem Rennen und gratuliert Florian Schotter.

(Foto: Arlet Ulfers)

Bernd Pfitzner hatte sich ein besseres Abschneiden erhofft. "Ja klar, ich bin schon enttäuscht", sagte er freimütig. Dörrenberg hatte den Grünen ausdrücklich in einer kleinen Ansprache hervorgehoben: "Ich hoffe, dass Sie weiter so engagiert für die Gemeinde mitarbeiten." Die Zweite Bürgermeisterin dankte allen Dreien für einen Wahlkampf, "der sich durch besondere Fairness ausgezeichnet hat". Dass man nicht nur respektvoll, sondern sogar freundschaftlich miteinander umgeht, demonstrierten sie beim Warten im Rathaus. Gemeinsam köpften sie eine Flasche St.-Josephs-Sekt. Die hatten sie am Vormittag beim Neujahrsempfang der katholischen Pfarrei überreicht bekommen.