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Bühne im Starnberger See:Zukunftsmusik auf dem Wasser

Zwei Starnberger wollen die Seebühne mit einem großen Festival für Klassik und Clubkultur wieder aufleben lassen

Von Michael Berzl, Starnberg

Eine Operngala mit den Nürnberger Symphonikern und Solisten der Theaterakademie August Everding unter freiem Himmel auf einer Bühne im Starnberger See, während das Publikum von der Promenade aus der Musik lauscht. Oder ein Nachtkonzert mit Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen: Zwei Starnberger planen gerade ein Revival der Seebühne. Eine Reihe von fünf Veranstaltungen wollen die Opernregisseurin Martina Veh und der Cellist Sebastian Hess im nächsten Jahr vorbereiten. Mit ihrem hohen Qualitätsanspruch sehen sie sich selbst auf Augenhöhe mit etablierten Festivals wie in Salzburg oder Bregenz. Stadt und Landkreis konnten sie schon von ihrem Konzept für den "Kultur-See" überzeugen und bekommen finanzielle Unterstützung von insgesamt 19 000 Euro.

Starnberg Seebühne,  Quadro Nuevo

Zuletzt gab es eine Bühne im Starnberger See 2012 zur 100-Jahr-Feier der Stadt - hier mit einem Konzert von "Quadro Nuevo".

(Foto: Georgine Treybal)

Die beiden Festival-Organisatoren kenne sich schon seit der Kindheit und sind in der Stadt verwurzelt. Sie sind in Starnberg ins Gymnasium gegangen, sind jetzt beide 49 Jahre alt und kennen sich gut aus in der Kulturszene. Die Corona-Krise zwang sie beruflich zu einer Vollbremsung. Veh etwa war gerade mit der Inszenierung von Mozarts "Le nozze di Figaro" in Erfurt beschäftig, als der erste Lockdown kam. Cellist Hess, der selbst schon bei zahlreichen Festivals aufgetreten ist, sind nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr fast 50 Konzerte abgesagt worden. Nun treten beide selbst als Veranstalter auf. Sie sind dabei, eine gemeinnützige GmbH zu gründen und sind mit möglichen Geldgebern im Gespräch. "Wir müssen Sponsoren finden, denen das Projekt gut passt, die aber auch zu Starnberg gut passen", erklärt Veh, die in den Kulturausschüssen von Stadt und Kreis selbst die Gelegenheit bekam, für ihr Projekt zu werben. Das benötigte Gesamtbudget für das nächste Jahr liege nach jetziger Planung bei 600 000 Euro.

Weitere Zuschüsse

Insgesamt 117000 Euro stellt der Landkreis Starnberg in diesem Jahr für die Kulturförderung bereit. Die größten Beträge aus diesem Budget gehen erneut an das Theaterforum in Gauting, das für sein Programm eine Unterstützung in Höhe von 23 000 Euro erhält und an das Fünfseen-Filmfestival des Gilchinger Kinobetreibers Matthias Helwig, dem der Kulturausschuss einmütig 25 000 Euro bewilligt hat.

Weitere Zuschüsse aus der Kasse des Kreises gehen an das Museum Starnberger See (9000 Euro), die Musikfreunde in Tutzing (4000 Euro) und an den Komponisten Rainer Bartesch aus Pöcking, der ein virtuelles Konzertprojekt plant, an dem Sänger und Musiker aus 70 Ländern - darunter auch Schüler des Starnberger Gymnasiums und des Landschulheims Kempfenhausen - teilnehmen sollen (4000 Euro).

Für die Auftaktveranstaltung von Martina Veh und Sebastian Hess, die Konzerte auf einer Seebühne veranstalten wollen, wurden ebenfalls 4000 Euro bewilligt; der Kulturausschuss der Stadt Starnberg hatte zuvor bereits 15 000 Euro zugesagt. Abgelehnt wurde ein Antrag von Christian Bruer, der 8000 Euro für ein Internet-Dokumentationsprojekt wollte. Über die Zuschüsse entscheidet nach der Empfehlung des Kulturausschusses aber erst der Kreisausschuss in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag.

Über die meisten Zuschussanträge an den Kreis konnte Landrat Stefan Frey (CSU) selbst entscheiden, da es um Beträge unter 5000 Euro ging. Insgesamt 48 000 Euro habe er so vergeben, ohne die Kreisräte damit zu befassen. Acht Anträge habe er abgelehnt, weil sie nichts mit dem Landkreis zu tun hatten, sagte er im Kulturausschuss. rzl

Um Unterstützer zu gewinnen, wollen Veh und Hess zusammen mit dem Violinisten Benjamin Schmid und drei weiteren Musikern Ende Juli auf dem Gelände des Bayerischen Yacht-Clubs in Starnberg ein Konzert exklusiv für geladene Gäste geben. Dieses Konzert soll ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Thomas Morgott aufzeichnen, um es am Tag darauf auf einer Großbildleinwand auf der Seepromenade der Öffentlichkeit zu zeigen. "Kultur für alle", nennen sie das. Dieses Public Viewing ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack davon, was dann im Jahr darauf geplant ist.

Martina Veh

Opernregisseurin Martina Veh, 49, ist in Starnberg verwurzelt. Zusammen mit dem Cellisten Sebastian Hess, mit dem sie schon das Gymnasium besuchte, plant sie den "Kultur-See".

(Foto: Lutz Edelhoff)

Vorgesehen sind nach aktuellem Stand ein Violinenkonzert mit dem Solisten Schmid, Barockmusik mit Vivica Genaux und Dorothee Oberlinger, ein Abend mit Christoph Hammer, der Werke von Komponisten wie Franz Graf von Pocci, Richard Wagner oder Johannes Brahms vorstellt, die eine Verbindung zum Starnberger See haben, sowie Schuberts Winterreise mit dem Sänger Christian Gerhaher. Aber auch aktuelle Clubkultur, progressive Musik der Gegenwart, soll vorkommen. "Programme für ganz junge Ohren sind in Arbeit", versprechen die Organisatoren.

Die Konzerte sollen auf einer Bühne im Wasser stattfinden, wie es sie zuletzt im Sommer 2012 bei der 100-Jahr-Feier der Stadt Starnberg gab. Beim Landkreis-Jubiläum zehn Jahre davor war eine in Tutzing geplante Seebühne noch an Anliegerprotesten und ungelösten Parkplatzproblemen gescheitert.

Die "Kultur-See"-Intendanten sind zunächst dabei, nach einer Lösung zu suchen, wie sich eine mobile Bühne im Wasser am besten realisieren lässt und führen deshalb Gespräche mit einer einschlägig erfahrenen Firma, berichtet Veh. Es solle eine "ganz filigrane" Konstruktion werden, nachhaltig und leicht auf- und abbaubar. Langfristiges Ziel sei "eine flexible Seebühne für Starnberg, die als Basis eines Kulturfestivals mit überregionaler Strahlkraft dient". Die Konzertreihe könne dann auf zwei Wochen erweitert werden. Auf einem Infoblatt der Initiatoren steht dieses Ziel unter dem Stichpunkt "Zukunftsmusik".

© SZ vom 01.02.2021
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