Perger kehrt zurück:Saftige Sache

Nach der Insolvenz der Perger-Genossenschaft kehren die Obstsäfte in den Handel zurück. Allerdings wollen die Anteilseigner nicht gleich ein großes Rad drehen. "Wir fangen von Null an", sagen sie - auch mit null Angestellten

Von Otto Fritscher, Breitbrunn

Der eine ist gelernter Zimmermann, der andere Gärtner und Werkzeugmacher. Nun haben sich Michael Smolka, der Wirt vom Maisinger Seehof, und der Breitbrunner Getränkespezialist Johannes von Perger zusammengetan - und machen, wenn man das so salopp sagen darf, in Saft. Denn von nächster Woche an sollen in ausgewählten Getränkemärkten der Region wieder Obstsäfte der Marke Perger in den Regalen stehen. Diese waren nach der Insolvenz der Perger-Genossenschaft vom Markt verschwunden. Nun kehren die Obstsäfte in den Handel zurück, weil Smolka die Markenrechte vom Insolvenzverwalter gekauft hat; und mit Jakob von Perger, einem Sohn des damaligen Firmengründers, ein neues Unternehmen etablieren will: die "Freiherr von Perger UG (haftungsbeschränkt)", wobei UG für Unternehmergesellschaft steht, eine Art kleine GmbH mit weniger Stammkapital. Die Mehrheitsverhältnisse sind klar: Smolka hält 70 Prozent der Gesellschaftsanteile, Perger junior 30 Prozent. Geschäftsführer der neuen Firma ist Vater Johannes von Perger, der sich als erstes um den Aufbau eines Vertriebsnetzes kümmern wird.

Doch von Geld ist an diesem sonnigen Montagmittag im Pergerschen Hofladen in Breitbrunn weniger die Rede. So bleibt der Preis für die Markenrechte ebenso ungenannt wie die Höhe der bisherigen Investitionen. Smolka, der Wirt vom Maisinger Seehof, und Perger, der Obstsaft-Experte, verbreiten vielmehr Aufbruchstimmung: "Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre will die Familie Perger wieder neu anfangen", sagt Johannes von Perger. So haben sie im vergangenen Juni die neue Firma gegründet, und intensiv über Geschäftskonzepte nachgedacht. "Die Marke Perger ist nach wie vor bekannt, die Nachfrage nach hochwertigen Säften ungebrochen", ist Smolka überzeugt.

Allerdings wollen Perger und Smolka nicht gleich ein großes Rad drehen. "Wir fangen von Null an", sagt Smolka. So zieren neue Etiketten die Flaschen, deren Motiv im Familienkreis von Hand gemalt wurde, ebenso wie das neugestaltete Familienwappen des Freiherrn, das in Golddruck auf dem Flaschenhals prangt. "Wir haben die Etiketten selbst gedruckt, das hätte extern 14 000 Euro gekostet", sagt Perger. Ein schmales Budget also, das zur Sparsamkeit zwingt. So hat die neue Firma vorerst auch keine Angestellten. "Ich mach' alles selbst", sagt Perger, der sichtlich froh ist, die Saftproduktion an der hauseigenen Anlage wieder anlaufen lassen zu können, wenn auch vorerst nur an ein oder zwei Tagen im Monat. Das reicht für die angepeilten 20 000 Flaschen, die pro Monat verkauft werden sollen.

Schmal ist auch das Anfangssortiment mit gerade mal zwei Sorten: "Apfelsaft Streuobst" und "Birnensaft Streuobst" - also Saft aus Obst, das irgendwo vom Baum fällt und sonst verfaulen würde. "Die Obstverarbeitung im Landkreis ist uns sehr wichtig", sagt von Perger. Aber es werden keine Äpfel mehr aus den Plantagen rund um Breitbrunn verwendet. Diese gehören jetzt sozusagen der Konkurrenz. Deren Säfte heißen "Natürlich Ammersee", eine neue Marke, die auch aus dem ehemaligen Perger-Umkreis hervorgegangen ist. Sie setzt laut Johannes von Perger aber mehr auf Regionalität und Bio-Säfte, die zwar auch in Getränkemärkten, aber vor allem in Naturkostläden zu finden seien ",Natürlich Ammersee' verkauft zirka 40 000 Flachen pro Monat, also etwa das Doppelte von dem, was wir anfangs planen", sagt Johannes von Perger.

Er muss es wissen, schließlich hat er doch bis vor einem Jahr bei der "Ammersee Getränke GmbH" gearbeitet, der Herrschinger Firma, die hinter der Marke "Natürlich Ammersee" steht und jetzt zum direkten Konkurrenten geworden ist. "Sicherlich wird in einigen Regalen Perger neben ,Natürlich Ammersee' stehen, aber das macht nichts. Wir sind eine bekannte Marke". Perger ist vom Erfolg der Neugründung überzeugt. Außerdem sei das Pergersche Vertriebskonzept mehr auf Gastronomie und Getränkemärkte als auf Naturkostläden ausgerichtet. Wenn alles gut läuft, rechnet Smolka mit einem Umsatz von rund 350 000 Euro in den ersten zwölf Monaten. Das Schlusswort spricht Perger: "Die Vergangenheit ist Geschichte, daran kann man nichts mehr ändern. Es hat viele Menschen hart getroffen, auch die Familie Perger. Jetzt aber richten wir den Blick nach vorn." Auch auf den Weihnachtsmarkt, der am ersten Adventswochenende beim Hofladen stattfindet. Dann werden auch der Glühwein und der Kinderpunsch wieder zu haben sein.

© SZ vom 27.10.2015
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