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Berg:Von Menschen und Masken

Elisabeth und Fritz Güllich haben sich einen Traum erfüllt und im einstigen Pferdestall des Heimrathhofs in Aufhausen ihr Kunstkammerl eröffnet

Von Katja Sebald, Berg

Den ganzen Tag zu Hause jede Menge kreative Energie: Elisabeth und Fritz Güllich, beide akademisch ausgebildete Künstler und beide Kunsterzieher am Starnberger Gymnasium, haben die Zeit der Schulschließung und der Kontaktsperre genutzt, um sich mit einem eigenen Ausstellungsraum einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Und weil auch die Baumärkte geschlossen waren, renovierten sie ausschließlich mit Fundstücken. Jetzt haben sie im Heimrathhof im Berger Ortsteil Aufhausen ihr charmant improvisiertes "Kunstkammerl" eröffnet.

Das Kunstkammerl in Aufhausen

Neue Galerie: das Ehepaar Elisabeth und Fritz Güllich in seinem rustikalen Kunstkammerl.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Name dieser Produzentengalerie en miniature leitet sich vom "Melkkammerl" ab, einem kleinen, aber doch wichtigen Raum in einem Bauernhof. Das Ehepaar Güllich hat vor Jahren den Stallteil des alten Heimrathhofs übernommen und ausgebaut. Es ist ein geschichtsträchtiges Gebäude, die Mutter des Schriftstellers Oskar Maria Graf wurde dort geboren. Der "Haimrath" war einst der größte Bauer im weiten Umkreis. Auf einem alten verblichenen Foto ist das ursprüngliche, Aufkirchen zugewandte Wohnhaus zu sehen, an das sich ein beachtlich langer Stall anschloss. König Ludwig II. soll hier regelmäßig Halt gemacht haben, um sich einen Becher Wasser aus der Quelle vor dem Haus reichen zu lassen. Man betritt also historischen Boden, wenn man nun im ehemaligen Pferdestall Kunst betrachtet.

Das Kunstkammerl in Aufhausen

Die Masken an den Wänden stammen von Fritz Güllich.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Elisabeth Güllich widmet sich vor allem der Malerei und der Zeichnung. Sie interessiert sich zum einen für die Darstellung von Oberflächen und Strukturen, wie sie etwa auf Baumrinden zu finden sind, zum anderen hat sie eine höchst interessante Technik entwickelt, mit Leinöl auf Papier zu malen: Auf mehreren Bögen Papier tränkt sie unterschiedliche Partien eines Gesichts oder einer Figur mit unterschiedlichen Mengen von Öl. Dann legt sie bis zu sechs Papierschichten übereinander, spannt sie in einen Rahmen und beleuchtet sie von hinten. So entstehen sehr plastische, aber zugleich zurückhaltende Bilder in warmen Goldtönen.

Ihr Mann Fritz Güllich arbeitet als Bildhauer und hat sich ganz dem menschlichen Gesicht verschrieben. Er fertigt zum einen maskenartige Keramiken, die in jüngster Zeit eingeschnitten und durchlöchert oder mit Fundstücken aus den Tiefen des uralten Hauses ergänzt werden: Durch Ketten und andere rostige Eisenteile entsteht eine geradezu martialische Wirkung. Am liebsten aber fertigt der Künstler Porträtbüsten nach lebenden Modellen. Er sagt: "Ich mag die Menschen sehr gerne, und an Gesichtern interessiert mich die Mischung aus Wildgewachsenem und Schönheit."

Das "Kunstkammerl" in der Oberlandstraße 23 in Aufhausen ist jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 0160/ 95427435 zu besichtigen.

© SZ vom 13.06.2020

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