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Bei den Grünen in Wörthsee:Grünes Heimatgefühl

Die Grünen-Kreisvorsitzende Kerstin Täubner-Benicke (links), die Landtagsabgeordnete Anne Franke und Kreisrat Anton Maier applaudieren dem Redner aus München.

(Foto: Arlet Ulfers)

"Baut's euch selber einen Badesee." Das empfiehlt die Landtagsabgeordnete Anne Franke bei ihrem Auftritt den Ausflüglern aus Freiham. Und Beppo Brem aus München ist froh, dass er dabei sein darf

Die Grünen sind zum Scherzen aufgelegt. Verständlich, nach den Erfolgen bei den vergangenen Wahlen. Anne Franke, die oft so ernst wirkende Landtagsabgeordnete, hat für den politischen Aschermittwoch der Wörthseer und Kreis-Grünen eine Bußpredigt vorbereitet. Ihr Thema passend zur Fastenzeit: den Gürtel enger schnallen. Damit sind natürlich nicht die 60 Parteifreunde gemeint, die zum Augustiner gekommen sind. Vielmehr die Freihamer, ein paar Herrschinger, viele Starnberger und der Bayerische Bauernverband. Im schönsten Bairisch mokiert sich Franke über die Freihamer, die in Scharen an den Wörthsee kommen, weil sie zwar alles haben, aber keinen Badesee. "Baut's euch selber einen oder steigt's in den Badebus ein", rät Franke den Münchnern. "Oder schnallt's den Gürtel enger." Viel zu spät aufgewacht seien die "Bürgerbegehrlicher" in Herrsching, "diese Schnarchzapfen". Seit Jahren werde das Gymnasium geplant und jetzt, wo die Bauarbeiten beginnen, soll alles auf Null gestellt werden. "Herr Welte", meint die Grüne, "schnallen Sie ihren Gürtel enger."

Das sollten auch die Starnberger tun, "aber nicht um den Bauch sondern um den Hals", predigt die Landtagsabgeordnete. Längst gebe es eine Technik, mit der die Abgase in Tunneln gefiltert werden können. Und wo sitzt die Firma, die das kann? In Starnberg. Was das Straßenbauamt aber nicht interessiere. "Müssen die Starnberger halt auf E-SUV's, E-Cabriolets und E-Porsches umsteigen", meint Franke. Sich warm anziehen und den Gürtel enger schnallen müssen die Landwirte, vermutet Franke. Rede ihnen der Bayerische Bauernverband doch ein, dass der Klimaschutz die kleinen Bauern kaputt mache, dabei sei es die EU-Flächenförderung, die die Großen fördere und die Kleinen zugrunde richte.

Beppo Brem, der Gastredner aus München, nimmt den Faden auf. Er sei ja froh, sagt der Münchner Grüne, dass er eingeladen worden sei nach Wörthsee, denn sonst "kommen die Münchner ja ungebeten und in Scharen". Brem hat sich vorbereitet auf das Fünfseenland und dabei festgestellt, dass hier "Spiel, Spaß und Spannung" geboten werden. Der Starnberger Stadtrat zum Beispiel könne durchaus als bittere Realsatire durchgehen. Oder als Western mit dem Titel "Leichen pflastern ihren Weg". Was die Länge der Sitzungen angeht, könnte der Film aber auch "Zwölf Uhr mitternachts" heißen.

Als Sprecher der Münchner Bürgerinitiative "sauba sog i" geht es in seiner Rede selbstverständlich um saubere Luft - "ein sehr ernstes Thema" -, um einen OB, der vor der Wahl sein grünes Herz entdeckt, um die "Symbolpolitik" von CSU und SPD, um Lobbyisten und ein Verkehrsministerium, das seit zehn Jahren von der CSU verantwortet wird und nur aus "Bleifuß, Bremsklotz, BER und Bahn" besteht. Zum Lachen findet Brem den Spruch von Verkehrsminister Andreas Scheuer, ein Tempolimit sei ein Angriff auf den gesunden Menschenverstand. "Ein Tempolimit schadet der Gesundheit weniger als ein Herr Scheuer", kontert er zur Freude seiner Parteifreunde. Auch Söder bekommt sein Fett weg. "Ein grünes Mäntelchen macht noch keinen Umweltzauberer", sagt Brem, mit einer gehäkelten Biene der Wörthseer Ortsvorsitzenden Roswitha Gahn am Revers. Er streift die Europawahl - "wir müssen weiter gestalten"-, die "unglaublich starken Kommunen", die Demokratie, um die immer wieder gekämpft werden muss, die Bildungspolitik, die auch bei den Grünen einen höheren Stellenwert bekommen sollte und ruft schließlich zum 40-tägigen Plastikfasten auf. Von Gahn bekommt Brem schließlich als Geschenk im Augustiner Bier aus Wörthsee. Und dann öffnet sich die Tür und das Essen wird aufgetragen.