Bedenken Strahlende Wasserzähler

Dießener sorgen sich um Funkbelastung und Datenschutz

Von Armin Greune, Dießen

Immer mehr Bürger der Marktgemeinde Dießen sind mit dem Betrieb der neuen funkgesteuerten Wasserzähler in ihren Häusern nicht einverstanden. Sie haben Bedenken wegen der Strahlung, die von den Geräten ausgeht, und fürchten Lücken im Datenschutz. Im Juni 2014 hatte der Gemeinderat beschlossen, auf die neue Technologie umzustellen, inzwischen wurden fast 2400 Funkzähler installiert. Nachdem Bayerns Datenschutzbeauftragter Thomas Petri kürzlich darauf hingewiesen hatte, dass Verbrauchern ein Widerspruchsrecht eingeräumt werden muss, passte der Gemeinderat im Februar die Wasserabgabesatzung entsprechend an. Seitdem werden die Kunden beim turnusmäßigen Austausch alter Zähler über ihr Widerspruchsrecht informiert. Das hatte zur Folge, dass in den vergangenen vier Wochen 22 Anträge eingingen. In den drei Jahren zuvor hatten nur 18 Haushalte gefordert, die Sender abzuschalten.

Die Technik-Skepsis kam auch bei der jüngsten Ortsteilversammlung in Riederau zur Sprache: Eine Bürgerin kritisierte die Informationspolitik der Gemeinde. Bürgermeister Herbert Kirsch verwies darauf, dass jeder Wasserkunde das Abstellen der Sender schriftlich beantragen könne. Dann müsse der Verbraucher den Zählerstand wie bisher selbst ablesen und dem Wasserwerk mitteilen. Kirsch machte jedoch deutlich, dass er die Argumente gegen Funkzähler nicht nachvollziehen könne. Weil die Geräte alle 15 Sekunden ein Signal von zwei Tausendstel Sekunden senden, summiere sich die Strahlungsbelastung in zwölf Jahren auf den gleichen Wert, den man bei einem zehnminütigen Handytelefonat ausgesetzt sei - allerdings direkt am Kopf und nicht im Hauskeller. An Daten würden lediglich Zählernummer und -stand übermittelt. Der Nutzen dieser Infos für Dritte sei gering, meinte Kirsch. Zudem werden die Sender mit einer Verschlüsselung von 128 Bit versehen, die kaum zu knacken sei, ergänzte Dießens Wassermeister Michael Deininger.

Fürs Wasserwerk bietet die neue Technologie viele Vorteile, Bearbeitungszeiten werden erheblich verkürzt. Die Mitarbeiter können, während sie durch die Straßen fahren, mit einem Empfänger alle Zählerstände in der Gemeinde innerhalb eines Arbeitstages ablesen. Zudem entfallen Versand und Kontrolle von etwa 2700 Ablesekarten sowie Hausbesuche bei Kunden, die ihren Wasserverbrauch nicht gemeldet haben. Die Zählerstände werden elektronisch ins Abrechnungsprogramm eingelesen. Wenn im Wassernetz Unregelmäßigkeiten auftauchen, können Funkwasserzähler bei Bedarf auch kurzfristig abgelesen werden, Lecks in den Leitungen lassen sich rascher aufspüren.