Bayerischer Pop Hauptsache Party

Die Band "Pam Pam Ida" im Bosco Gauting

Von Reinhard Palmer, Gauting

Das kann schnell mal passieren, wenn man sich auf die S-Bahn verlässt: Man schafft es entnervt erst in der Pause zum Konzert, wegen Oberleitungsschadens. Und dann das: eine vom Rundfunk gepuschte Partyband. Ungewöhnlich im Bosco. Das Kulturzentrum in Gauting ist dennoch bestens besucht, viele neue Gesichter sind im Publikum zu sehen. Und die Leute sind bereits in Hochstimmung, in freudiger Erwartung der zweiten Konzerthälfte. Schon ist es so weit, Nebelschwaden machen Scheinwerferlicht sichtbar und das breite Instrumentarium, zu dem sich allmählich die sechs Mannen zuordnen.

Pam Pam Ida formierte sich 2015 und hat schon erstaunliche Erfolge vorzuweisen, vor allem offensichtlich auch eine treue Fangemeinde, die jeden Song mitzusingen vermag und jedem Kommando von der Bühne bereitwillig Folge leistet. Den Off-Beat muss man hier zum Mitklatschen allerdings nicht beherrschen.

Für den Erfolg beim Publikum ist wohl vor allem Frontmann Andreas Eckert verantwortlich, der nicht nur mit bayerischem Gesang, sondern mit Entertainer-Qualitäten punktet, wenn er mit seinen humorigen Erzählungen Übergänge zwischen den Titeln erdichtet.

Was außerdem beeindruckt, ist die Vielseitigkeit der meisten Bandmitglieder, die da immer wieder die Instrumente wechseln. Vor allem Christian Winkler steht Eckert nah, um am Saxophon, an der Posaune und vor allem am Keyboard für den dialogisierenden Part zu sorgen. Oder er spielt im Hornduo mit, dem viel Hall die alpenländische Atmosphäre gibt.

Auch wenn er sich im Hintergrund hält, ist Thomas Thumann (Synthesizer, Flöte, Drumpad, Gitarre) der Mann fürs Besondere. Seine kleinen, scheinbar nur ergänzenden Elemente haben - etwa mit exotischem Schlagwerk gewürzt - die grundlegenden Charakteristika in der Hand, die jedem Titel sein eigenes Gepräge geben.

Die Band selbst ordnet sich stilistisch dem Pop zu, ganz so eindeutig ist die Sache allerdings nicht. Schon der voluminöse und ordentlich donnernde Bass von Jürgen Neumeier signalisierte andere Absichten und lieferte zusammen mit dem Schlagzeug von Julian Menz, der auch im Background mitsang, reichlich Anfeuerung zum Tanzen. Klarheit schafft Daniel Randlkofer an der Gitarre, der mit wunderbaren Soli die gute alte Hardrock-Ära wiederbelebte. Mit der Blockflöte schaffte es Eckert dann aber auch, eine Spur Irish Folk aufzurufen.

Bayerisch blieben in dem vielfältigen Stilmix von Pam Pam Ida nicht nur die Texte. Mit Blechbläsern oder schon auch mal mit dem Akkordeon kam immer wieder auch echter Alpensound zustande, inklusive Jodlern. Dann passte auch das etwas hemdsärmeliges Polemisieren auf der Bühne über die Missstände unserer Zeit, die aber auch schnell wieder abgehakt waren: "Lasst die Schultern tanzen!" in der zweiten Zugabe nach frenetischem Jubel - die Ist-doch-egal-Geste? Na ja, Hauptsache, alle haben ihren Spaß und der Saal tobt.