Bahnhof Hechendorf:Zitterpartie um Zwangsversteigerung vorerst beendet

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Hechendorf Bahnhof, Gasthof Eatery

Die Zukunft des Hechendorfer Bahnhofs mit Lokal und Mietwohnungen im gemeinsamen Familieneigentum scheint gesichert zu sein.

(Foto: Georgine Treybal)

Miteigentümerin des Bahnhofs Hechendorf kann die Auktion abwenden. Doch noch steht eine Klage aus.

Von Christian Deussing, Seefeld

Caroline Mühlfenzl bleibt Miteigentümerin des Hechendorfer Bahnhofs, inklusive des Lokals, der Mietwohnungen und der fünf Flurstücke an der Bahnhofsstraße. Die notwendige Sicherheitsleistung von 215 000 Euro sei fristgerecht bei der Landesjustizkasse hinterlegt worden, um die Zwangsversteigerung noch abzuwenden. Das verkündete am Mittwoch Helene Willberger vom Amtsgericht Weilheim, die am 9. November die Versteigerung in der Penzberger Stadthalle geleitet hatte. Dabei erhielt zwar ein Feldafinger Makler mit dem Höchstgebot von 517 000 Euro unter Vorbehalt den Zuschlag, aber nun wurde er doch noch ausgebremst. In dem Bieterwettbewerb hatte er 1000 Euro mehr geboten als ein Makler-Konkurrent aus Oberhaching, bis zuletzt hatte auch ein weiterer Vertreter der Branche mitgehalten, um ein Schnäppchen zu machen.

Denn der Verkehrswert des aufwendig sanierten Gebäudes, das Carolines Mutter Isabel vor sechs Jahren von der Gemeinde Seefeld erworben hat, wird mit 705 000 Euro taxiert. Doch nun kam kein Bewerber zum Zuge. Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel ist sehr erleichtert, dass sich die Eigentumsverhältnisse auf dem Areal jetzt nicht ändern. "Der Kelch ist noch mal an uns vorbeigegangen und der Wunsch nach Kontinuität erfüllt worden", sagte er der SZ. Es sei zudem schwer vorstellbar, wie das alles bei einem 50-prozentigen Anteil eines fremden Eigentümers hätte funktionieren können, so der Rathauschef.

Trotzdem: Die Kuh ist nicht ganz vom Eis, denn auf Caroline Mühlfenzls Eigentum lastet offenbar noch eine Zwangssicherungshypothek. Ein Immobilien-Geschäftsmann aus der New Yorker Region hatte gegen die Mühlfenzl-Tochter vor knapp fünf Jahren an deren Wohnort in Luxemburg ein Zivilurteil erwirkt. Es geht laut Amtsgericht um Forderungen von insgesamt fast 336 000 Euro, die inzwischen aber gut zur Hälfte beglichen seien. Die Schuldnerin klagt zudem vor der 14. Zivilkammer des Landgerichts München II, weil sie Einwendungen gegen die Zwangsvollstreckung geltend mache, wie eine Sprecherin des Landgerichts mitteilt. Demnach wolle die Klägerin prüfen lassen, ob der erwirkte Titel gegen sie aus Luxemburg überhaupt noch wirksam sei. Das Gericht werde aber darüber erst im nächsten Jahr entscheiden, so die Sprecherin. Für eine Stellungnahme waren die Eigentümerinnen und deren Anwalt am Mittwoch nicht erreichbar.

Das 110 Jahr alte Bahnhofsgebäude in dem Seefelder Ortsteil hatte Isabel Mühlfenzl mit viel Herzblut zusammen mit ihrer Tochter zu neuem Leben erweckt - zur Freude der Bevölkerung und der Kommunalpolitiker. Mit Erwerb und Sanierung sollen etwa zwei Millionen Euro in das marode Objekt investiert worden sein, dem der Abriss gedroht hatte. Das wollte die Familie verhindern und verwandelte das lang gezogene Gebäude in ein Schmuckstück. Sie hatte mit ihrer heute 55 Jahre alten Tochter ein Nutzungskonzept vorgelegt, das die Gemeinderäte überzeugte.

Umbau und die Renovierung verliefen allerdings nicht glatt: Es gab gut versteckte Stromleitungen, Bauschutt aus Vorkriegsjahren und unvermutete Altrechte der Bahn sowie Probleme mit Handwerkern. So konnte das neue Gebäude erst mit etwa zwei Jahren Verspätung im neuen Glanz erstrahlen. Im Januar 2018 öffnete dann das Lokal "Feinkochwerk Eatery" seine Pforten, wobei das Wirtsehepaar den historischen Wartesaal des Bahnhofs zu einem offenkundig beliebten Treffpunkt mit Events gemacht hat - soweit es die Corona-Krise zuließ.

Die Zitterpartie um die Zukunft des Hechendorfer Bahnhofs scheint vorbei zu sein - wenn nicht doch noch der Gläubiger siegen sollte.

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