Auftritt am Kirchplatz:FDP-Chef will Finanzminister werden

Starnberg: Kirchplatz FDP-  Christian Lindner

Startete leicht erkältet seine "Sommertour" in Bayern: FDP-Chef Christian Lindner hofft bei der Bundestagswahl auf einen Erfolg der CDU.

(Foto: Nila Thiel)

Beim Wahlkampfauftakt der Liberalen bekräftigt Christian Lindner seine Ambitionen in einer Koalition

Von Peter Haacke, Starnberg

Dunkle Wolken am Himmel, doch ein Regenguss blieb ihm diesmal erspart: Mit einem Auftritt von Christian Lindner auf dem Starnberger Kirchplatz sind die Liberalen am Sonntag in den Bundestagswahlkampf gestartet. Etwa 250 Zuhörer fand der Auftritt des FDP-Bundesvorsitzenden, der sich in einer 45-minütigen Rede an Themen wie Corona, der aktuellen Bundespolitik oder der jüngsten Hochwasserkatastrophen entlang hangelte. Anders als noch vor vier Jahren ("Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren") wäre Lindner diesmal bereit, in einer schwarz-gelb geführten Bundesregierung als Finanzminister Verantwortung zu übernehmen: "Ich bin bereit, Karriere zu machen", rief er den Anwesenden zu.

Lindner, der zuvor noch an Nord- und Ostseeküste im Einsatz war und während seiner Reden in Cuxhaven und Neuharlingersiel am Samstag zweimal im Regen stand, wirkte gesundheitlich angeschlagen. Vielleicht kam dem 42-Jährigen mit leicht ergrautem Fünf-Tage-Bart auch deshalb nicht das Wort "Starnberg" über die Lippen; stattdessen stellte er fest, dass es schön sei "hier in Bayern, an einem Urlaubsort". Zuletzt habe er 2019 seinen Urlaub in "Bayern an den Seen" genossen.

Mit rund halbstündiger Verspätung war der Spitzenpolitiker der Liberalen in Starnberg eingetroffen. Lindner, leger gekleidet mit dunkelblauem Anzug, hellblauem Polo-Shirt und weißen Sportschuhen, war standesgemäß in einer schwarzen Verbrenner-Limousine der Oberklasse mit den Initialen CL auf dem Kennzeichen angereist. Sein Fahrer wartete notgedrungen im Halteverbot vor der Kreissparkasse. Die Zeit überbrückten Generalsekretär Lukas Köhler und die Starnberger FDP-Direktkandidatin Britta Hundesrügge: Sie war bei den Bundestagswahlen 2017 zwar relativ weit vorn gelandet, errang aber dennoch kein Mandat. Ziel für 2021 ist eine Wiederholung ihres Ergebnisses im Wahlkreis 224.

Die Organisatoren des Wahlkampfauftakts hatten nichts dem Zufall überlassen. Neben den üblichen Werbegeschenken - Feuerzeuge, Kugelschreiber Luftballons und Einkaufschips - gab es FFP2-Masken mit FDP-Logo und Regenponchos. Neben allerlei lokaler FDP-Prominenz - darunter die ehemalige Bundesministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bayerns Ex-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux sowie Kreis- und Stadträte - waren auffallend viele junge Zuhörer anwesend. Einige nutzten die Gelegenheit für ein Foto mit ihrem Idol. Die Themen bei Lindners "Sommertour", die ihn kreuz und quer durch die Republik führt, dürften bis zur Wahl die Gleichen bleiben. Aus Sicht der Liberalen gibt es viele Gründe, die FDP zu wählen. Das Thema Steuerentlastung ließ Lindner allerdings aus. Ansonsten aber gilt das durchaus zutreffende FDP-Motto: Nie gab es mehr zu tun.

© SZ vom 02.08.2021
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