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Andechs:Mönche investieren Millionen

Andechs Brauerei Anbau Baustellenbesichtigung

Betriebsleiter Alexander Reiss, Abt Johannes Eckert, Architekt Helmuth Schuster und kaufmännischer Leiter Christian Rieger (von links) mit dem Plan für den Erweiterungsbau der Klosterbrauerei Andechs.

(Foto: Nila Thiel)

Auf dem Heiligen Berg wird die Klosterbrauerei um eine neue Flaschenabfüll- und Leerguthalle erweitert.

Es ist die größte Einzelausgabe seit fast 35 Jahren: Zwölf Millionen Euro investiert die Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz in die Klosterbrauerei Andechs. Mit dem Geld wird eine Halle gebaut, in der eine neue Flaschen-Füllerei und das Leergut-Lager untergebracht werden. Gleichzeitig muss die Abtei eine weitere Ausgabe stemmen. Die Sanierung von Sankt Bonifaz kostet sie 20 Millionen Euro. "Das führt uns an die Grenze des Machbaren", sagte Abt Johannes Eckert am Donnerstag auf dem Heiligen Berg anlässlich einer Baustellenbesichtigung. Erwirtschaften muss diese Summen das Kloster Andechs als Wirtschaftsgut des Münchner Mutterhauses. Klöster bekommen keine Kirchensteuer.

Seit langem fehlt es der Brauerei an Lagerflächen für Leergut. Die Flaschen müssen immer wieder im Freien gestapelt werden. Im Winter kommen sie dann eiskalt in die Waschlauge, die dann mit viel Energieaufwand wieder aufgeheizt werden muss. Die neue Halle, kann bis zu 1500 Paletten mit jeweils 40 Bierträgern aufnehmen. Das sind 1,2 Millionen 0,5-Liter-Flaschen. Die neue Flaschen-Füllerei schafft 24 000 Flaschen pro Stunde. Das sei nicht wesentlich mehr als jetzt, sagte Alexander Reiss, Betriebsleiter der Klosterbrauerei. Der Vorteil der neuen Anlage liege in der besseren Umweltverträglichkeit. Der Energie- wie auch der Wasserverbrauch sinke damit fast um die Hälfte. Die weiterentwickelte Inspektionstechnik, bessere Bedienbarkeit und effiziente Reinigungsmechanismen sollen laut Reiss zu einer noch höheren Produktsicherheit beitragen. "Damit können wir dem harten Konkurrenzdruck standhalten."

100 000 Hektoliter Bier werden auf dem Heiligen Berg pro Jahr gebraut, sagte Christian Rieger, der kaufmännische Leiter der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe - nach althergebrachter Methode, die mehr Zeit und Energie benötige. Mit der Erweiterung der Brauerei, die 40 Mitarbeiter beschäftigt, "wollen wir unseren hohen Qualitätsanspruch unterstreichen", sagte Rieger. Die neue Halle wird 60 mal 42 Meter groß und schließt sich direkt an den alten Flachbau aus dem Jahr 1973 an. Architekt Helmuth Schuster hat den modernen Industriebau geplant.

2500 Kubikmeter Beton und 160 Tonnen Stahl werden verbaut. Neben dem Lager und der Füllanlage ist auch ein Besuchertrakt vorgesehen. "Wir wollen Transparenz zeigen", sagte Reiss. Durch Glasscheiben können Gäste alles sehen, was in der Halle vor sich geht. Mitte 2019 soll der Neubau fertig sein.

Ob es zur Eröffnung ein spezielles Bier geben wird? "Wir denken darüber nach", sagte Abt Eckert. Zunächst sei es wichtig, mit der Erweiterung der Klosterbrauerei langfristig die ökonomische Grundlage des Klosters zu sichern. Nur so könne die Obdachlosen- und Bildungsarbeit in Sankt Bonifaz weiter finanziert werden. Zudem wolle man das Zeichen setzen, "dass wir den Weg mit einer eigenen konzernunabhängigen Brauerei weitergehen und langfristig Arbeitsplätze erhalten".

Für die Mönche in Sankt Bonifaz und Andechs sind Investitionen von 32 Millionen Euro kein Pappenstiel. Das ist dem Abt sehr bewusst. "Hoffentlich haut das alles hin", sinniert er.