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Städtische Kliniken:Durchwursteln auf der Münchner Großbaustelle

Notaufnahme im Krankenhaus Harlaching in München, 2012

Notaufnahme im Krankenhaus Harlaching. Dort gibt es jetzt einen möglichen Medizinskandal.

(Foto: Robert Haas)

Hygieneskandal, finanzielle Schieflage, Zukunftsangst: Probleme haben die städtischen Kliniken genug. Jetzt könnte ein Medizinskandal an der Kinderklinik Harlaching dazukommen. Das erschüttert das Vertrauen. Die Politik ist gefordert, betreibt aber nur Flickschusterei.

Ein Kommentar von Peter Fahrenholz

Bei Siemens ging alles ganz schnell. Da wurde der Vorstandsvorsitzende binnen weniger Tage in die Wüste geschickt, weil ihm die Lösung der Probleme nicht mehr zugetraut wurde. Die Politik tut sich weit schwerer, aus Fehlern rasche Konsequenzen zu ziehen. Denn dort geht es nie nur darum, Dinge, die schieflaufen, zu korrigieren oder zu reparieren. Es geht immer auch um die Schuldfrage.

Bei politischen Großbaustellen werden stets enorme Anstrengungen darauf verwandt, die Schuld entweder jemandem zuzuschieben oder von sich selber wegzuschieben. Das Desaster um den Berliner Flughafen und das Drohnen-Debakel sind dafür Beispiele.

Auch die Stadt München hat eine solche Großbaustelle: die Lage der städtischen Kliniken. Und auch hier wirken sich die politischen Mechanismen immer wieder lähmend aus, wie die Streitereien im Aufsichtsrat des Klinikums gezeigt haben. Dort hat lange Zeit eine Art Guerillakrieg getobt, statt dass gemeinsam an der Lösung der Probleme gearbeitet wurde.

Inzwischen ist eine undurchschaubare Gemengelage entstanden. Der Hygieneskandal von 2011, die finanzielle Schieflage, die Zukunftsangst an den einzelnen Standorten, der politische Streit um alte Schuld und den richtigen Weg zu einer Sanierung. Jetzt ist in Harlaching auch noch ein möglicher Medizinskandal dazugekommen, der aufgeklärt werden muss. Alles zusammen erschüttert das Vertrauen. Ein Krankenhaus, das funktionieren soll, braucht aber das Vertrauen der Patienten.

Die Politik macht bisher nicht den Eindruck, sich mit allem Nachdruck darum zu kümmern, es sieht eher nach Durchwursteln aus. Um den Sanierungsprozess sollen sich künftig zwei städtische Referate statt einem kümmern. Die Frage, ob nicht die Fusion in einem Neubau günstiger ist, statt überall Flickschusterei zu betreiben, wurde für unbestimmte Zeit vertagt.

Vor der Kommunalwahl wird sich daran nichts mehr ändern. Aber danach sollte die Zukunft des Stadtklinikums Chefsache werden. Der Oberbürgermeister selbst muss sich darum kümmern, egal, wer es dann sein wird.

© SZ vom 05.08.2013
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