München Pläne zur Sanierung des städtischen Klinikums müssen abgespeckt werden

Die Vorarbeiten für eine neue Kinderklinik in Schwabing haben bereits begonnen.

(Foto: Catherina Hess)
  • Nach Jahren mit Millionendefiziten hat Axel Fischer, Chef der städtischen Kliniken, für 2016 erstmals eine schwarze Null verkündet.
  • Trotzdem wurden nur etwa drei Viertel der im vergangenen Jahr erhofften Einsparziele erreicht.
  • Um die Kostenobergrenzen des Stadtrats bei der Sanierung und dem Umbau der Krankenhäuser einzuhalten, wird derzeit an allen Ecken und Enden an den Baustandards geschraubt.
Von Dominik Hutter

Offenbar haben einige Leute das Sanierungskonzept fürs städtische Klinikum ein wenig missverstanden. Schwabing? Gibt es das überhaupt noch? So lautet eine Frage, die immer wieder in der Chefetage des Kommunalunternehmens ankommt - und dort nicht besonders gerne gehört wird. "Schwabing lebt", versichert Klinik-Chef Axel Fischer, "und es wird noch weiter leben."

Bis zum Jahr 2022, so seine Botschaft, ändert sich am Angebot des traditionsreichen Hauses erst einmal nichts mehr. Erst dann sollen diverse Abteilungen nach Bogenhausen umziehen. Derweil wird an der Parzivalstraße kräftig gebuddelt: Für die neue Kinderklinik werden bereits Baustraßen errichtet und eine Grube ausgehoben. Die abschließende Genehmigung für den Neubau, der 2020 und 2022 in zwei Etappen eröffnet werden soll, steht an diesem Dienstag auf der Tagesordnung des Stadtrats.

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Mit knapp 137 Millionen Euro für Neubauten und Sanierung kann in Schwabing der vom Stadtrat vorgegebene Kostenrahmen wohl eingehalten werden. Über den Berg ist das Klinikum damit allerdings noch nicht. Zwar hat Fischer für 2016 erstmals stolz die schwarze Null verkündet - was nach Jahren mit Millionendefiziten durchaus eine gute Nachricht ist.

Dennoch wurden nur etwa drei Viertel der im vergangenen Jahr erhofften Einsparziele erreicht. Das liegt unter anderem daran, dass auf den Baustellen diverse Verzögerungen drohen und dass der eigentlich fest eingeplante Sanierungs-Tarifvertrag mit abgesenkten Löhnen nicht zustande kam. Welche Tarife in den stattdessen geplanten Servicetöchtern gelten sollen, die unter anderem für die Küchen zuständig sind, ist laut Fischer noch unklar.

Um die vom Stadtrat im Dezember 2016 beschlossenen "harten Kostenobergrenzen" einzuhalten, die lediglich nach dem allgemeinen Baupreisindex steigen dürfen, wird derzeit an allen Ecken und Enden an den Baustandards geschraubt. 8,65 Millionen Euro wurden allein durch die Auswahl günstigerer Baumaterialien eingespart, manchmal auch unter Missachtung der städtischen Umweltschutz-Vorgaben. So soll nun doch in größerem Maßstab Aluminium verwendet werden, für Sonnenrollos etwa, aber auch für den Hubschrauberlandeplatz. Zudem kommt entgegen früheren Plänen auch PVC zum Einsatz.

Stadtkämmerer will die Kosten erneut prüfen

In Bogenhausen war die Kostenprognose für die Modernisierung und die Erweiterung zwischenzeitlich auf mehr als 500 Millionen Euro gestiegen, eine angemessene Risikoreserve inklusive. Um den Deckel des Stadtrats einzuhalten, der bei 395 Millionen liegt, muss nun kräftig gespart werden. Die Größe des Anbaus wurde bereits abgespeckt, der Ausbaustandard gesenkt.

Im Oktober, so Stadtkämmerer Ernst Wolowicz, sollen die Kosten erneut überprüft werden. Zudem müsse unbedingt versucht werden, die Bauarbeiten zu beschleunigen. Nach den derzeitigen Prognosen wird der Umbau in Schwabing ganze acht Monate früher fertig als der in Bogenhausen (das dem ursprünglichen Plan gut drei Jahre hinterherhinkt). Das hält Wolowicz für verbesserungsbedürftig - schließlich können in Schwabing erst dann Abteilungen umziehen, wenn Bogenhausen fertig ist.

In Harlaching soll komplett neu geplant werden

Auch in Harlaching liegen die Kosten immer noch weit über den 255 Millionen Euro, die der Stadtrat für akzeptabel hält. Dort soll nun grundlegend neu geplant werden, nach Auskunft Fischers befinde man sich "mitten in der Ausschreibung für neue Planer". Die Folge: 16 Monate Verzögerung bis zur kompletten Fertigstellung, angepeilt ist nun Februar 2024.

Vergleichsweise harmlos ist für Fischer dagegen der Knatsch mit dem Generalplaner in Neuperlach, wo ein neues Zentrallabor entstehen soll. Der sei, so Wolowicz in seiner Beschlussvorlage für den Finanzausschuss, wohl seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen. Monatelang habe es keinerlei Fortschritte gegeben, der Vertrag wurde im Mai gekündigt. Nun, nach Beauftragung neuer Planer, gehe es zügig voran. Trotzdem bleibt eine Verzögerung von einem Jahr. Das 19 Millionen Euro teure Labor soll erst im August 2019 in Betrieb gehen.

Fischer will dem Klinikum auch eine neue Organisationsstruktur verpassen. Die aus dem Sanierungskonzept stammende Unterteilung in ein Nord- (Schwabing, Bogenhausen, Thalkirchner Straße) und ein Süd-Klinikum (Harlaching, Neuperlach) soll sich auch in den internen Chefstrukturen widerspiegeln.

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