Stadtrat beschließt Umbenennung:Ein neuer Name für die Meiserstraße

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Wegen der antisemitischen Äußerungen des ehemaligen Landesbischofs Hans Meiser wird die Meiserstraße jetzt umbenannt.

Monika Maier-Albang und Jan Bielicki

Die Meiserstraße in München wird künftig nicht mehr Meiserstraße heißen. Dies hat der Stadtrat am Mittwoch nach dreistündiger Debatte beschlossen.

Der Grund für die "Entnennung" sind vor allem antisemitische Äußerungen des ehemaligen evangelischen Landesbischofs Hans Meiser. Für die Umbenennung sprachen sich SPD und Grüne aus, CSU, FDP, ÖDP und Freie Wähler stimmten dagegen.

Ein Antrag der CSU, vor der Entscheidung ein wissenschaftliches Symposium zur Rolle der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern während der NS-Zeit abzuwarten, wurde von der rot-grünen Ratsmehrheit abgelehnt.

Für eine Verschiebung der Entscheidung hatte sich auch das Stadtarchiv ausgesprochen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bezeichnete Meisers Verhalten während der NS-Zeit als "klassisches Beispiel für das Versagen der Eliten".

Meiser, der während der NS-Zeit Landesbischof in Bayern war, habe schon während der Weimarer Republik "in menschenverachtender Weise einen religiös begründeten Antisemitismus vertreten", er habe später zu den Verbrechen der Nationalsozialisten geschwiegen und auch nach 1945 eine kritische Auseinandersetzung damit verweigert.

Schlag gegen die evangelische Kirche

Der Stadtrat müsse sich dieser Diskussion stellen: "Wir sind ohnehin unverzeihlich spät dran." München als ehemalige "Hauptstadt der Bewegung" dürfe nicht hinter Nürnberg zurückstehen.

Heftige Kritik übte Ude an der Landeskirche. Es sei ihm unverständlich, warum die "Amtskirche" die Straßenumbenennung in Nürnberg und die Umbenennung des kirchlichen "Meiserhauses" in Neuendettelsau billigend in Kauf genommen habe, nun aber aufbegehre.

Das lange Schweigen und den Vorwurf von Landesbischof Johannes Friedrich, der Stadt gehe es nur um "political correctness", empfinde er "als Zumutung". Ude räumte ein, dass die Entscheidung auch ihm schwer falle, weil der frühere SPD-Oberbürgermeister Thomas Wimmer der Familie Meisers versichert hatte, die Stadt werde "sein Gedenken in Ehren halten". "Das ist eine Zusage, die man als Nachfolger gerne einlösen würde." Meisers "aggressiver Antisemitismus" mache dies aber unmöglich.

Für die CSU warb Fraktionschef Hans Podiuk für eine Beibehaltung des Straßennamens vor allem deshalb, weil Meiser sich auch für Verfolgte des NS-Regimes eingesetzt hatte.

Die Aberkennung des Namens bezeichnete Podiuk als "Schlag gegen die evangelische Kirche". Ähnlich wie Meiser hätten sich auch Richard Wagner oder Ludwig Thoma antisemitisch geäußert, nach denen Straßen in München benannt sind. "Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden."

Von den CSU-Stadträten stimmte allein Marian Offman für die Umbenennung. Offman, der auch Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde ist, sagte, er sei gegen die Umbenennung, stimme aber aus "Respekt vor den Mitgliedern meiner Gemeinde" dafür. Er fürchte aber, dass die Umbenennung alte Ressentiments wecke und den Antisemitismus in der Bevölkerung verstärke.

Offen ist, wie die Straße künftig heißen soll. Die Stadt prüft mehrere Namen - darunter den der 1993 verstorbenen evangelischen Theologin Dorothee Sölle. Man wolle aber, so Ude, der Kirche die Gelegenheit geben, sich "aktiv an der Namensfindung zu beteiligen". Der Landeskirchenrat nahm die Ent-scheidung "mit Enttäuschung zur Kenntnis". Ob die Kirche klagen wird, steht noch nicht fest.

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