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Stadtentwicklung:Bewegung im Kreativquartier

Das Schwere Reiter wird abgerissen und neu gebaut, Ateliers und Büros kommen

"Wir sind wahnsinnig weit gekommen, und den Rest stemmen wir auch noch gemeinsam." Dieser Satz von Georg Küppers war am Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung über aktuelle Entwicklungen auf dem Kreativquartier zu hören, an der in der Halle 6 auch die Stadtbaurätin Elisabeth Merk und andere Akteure teilnahmen. Der Optimismus des Kulturreferenten mag überraschen, vor allem wenn man weiß, dass über die Zukunft des 20 Hektar großen Areals an der Dachauer Straße und den dort geplanten urbanen Mix aus Wohnen, Kunst, Kultur und Wissen bereits seit zehn Jahren diskutiert wird. Aber es gab bei der sehr gut besuchen Veranstaltung nicht nur aufmunternde Worte, sondern auch konkrete Fakten, von denen einige zumindest im Detail so noch nicht bekannt waren.

Klar, über die Gesamtplanung wurde schon viel geredet, auch über verschiedenste Details. Dass nun aber etwa das Schwere-Reiter-Gebäude definitiv abgerissen wird, das war für viele wohl doch eine Überraschung. Und zwar eine, die Georg Küppers mit einem "blutenden Herzen" verkündete. War das Projekt Schwere Reiter doch eines der ersten, die er als Kulturreferent in München anging. Die gute Nachricht: Das Gebäude wird direkt gegenüber für 3,5 Millionen Euro wieder neu aufgebaut. Und es wird besser werden, so das Versprechen von Küppers.

Das neue Schwere-Reiter-Gebäude soll eine Fassade aus Stahlpanelen bekommen.

(Foto: Mahlknecht Herrle Architekten)

So soll es im neuen Gebäude endlich getrennte Toiletten geben, einen vernünftigen Backstagebereich inklusive Nasszellen sowie Lagerräume und Büros. Beauftragt mit dem Bau, der bereits 2019 komplett über die Bühne gehen soll, ist das Architekturbüro Mahlknecht Herrle. Dieses hat dafür eine Fassade aus Stahlpanelen vorgesehen, die das Gebäude an die Umgebung anpassen soll. Zudem soll das neue Haus barrierefrei sein und endlich auch den heutigen Brandschutz- und anderen Auflagen entsprechen.

Zur Sanierung der Jutier- und Tonnenhalle gab es ebenfalls konkrete Daten. Diese soll nach einer letzten Bauherrenbesprechung im Dezember und der erhofften Genehmigung im Mai im Jahr 2020 beginnen und 2023 soll dann alles fertig sein. Für die Jutierhalle sind dabei 60 flexibel gestaltbare Arbeitsräume à 20 Quadratmeter geplant und in der Mitte soll eine Art Versammlungsplatz entstehen. Was das Atelierhaus auf dem Kunstlabor betrifft, da gab es von Küppers die Zusicherung: "das bleibt", das stehe außer Frage.

Bei den geplanten "temporären Ateliers" auf der großen Freifläche, wo früher die Lamentohalle war, kam dann der Geschäftsführer der Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrumsgesellschaft Rudolf Boneberger zu Wort. Seine Gesellschaft sei damit beauftragt, dort eine Anlage aus Bürocontainern aufzustellen. Nach fünf oder sechs Jahren sollen diese dann einem Neubau weichen. Für die Vergabe dieser Container wird das Kompetenzteam für Kultur- und Kreativwirtschaft zuständig sein und dabei, so dessen Leiter Jürgen Enninger, nach den üblichen Vergabekriterien verfahren.

Welcher Künstler in einen solchen Container passt, kann man sich fragen, auch wer sich die angedachten zehn bis zwölf Euro Miete leisten kann. Laut Enninger sollen jedenfalls alle Sparten vertreten sein. Von Küppers hieß es, dass man an eine Förderung für junge Künstler denke und auch laut Boneberger sollen die rund 200 aktuellen Künstler auf dem Gelände die Chance bekommen, dort zu bleiben.

Ansonsten war auch noch kurz das ebenfalls auf dem Quartier geplante "Munich Urban Colab", das neue Gründerzentrum der TU, Thema. Und über den Grundschul-Bau in der Infanteriestraße hieß es, dieser solle bereits im Schuljahr 2020/21 einzugsfertig sein. Der Wohnungsbau soll 2022 auf dem Gelände starten. Und was speziell die geplanten 120 Wohnungen für Genossenschaften und 40 für Baugemeinschaften angeht, da prophezeite ein Vertreter der Mitbauzentrale München "ein Hauen und ein Stechen". Der lange Kampf um das Kreativquartier, er ist also noch nicht vorbei.