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Volleyball:Gute Basis

Volleyball Pokalspiel

Will wieder ins Rampenlicht: Der ASV Dachau mit Kapitän Vincent Graven, hier 2017 beim Einlauf vor dem DVV-Pokal-Achtelfinale gegen Erstligist Lüneburg.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Dachaus Volleyballer stiegen 2016 in die dritte Liga ab. Inzwischen herrscht wieder Aufbruchstimmung im Klub, der mit neuen Jugend-Konzepten und Cheftrainer Patrick Steuerwald zurück in die Bundesliga strebt.

Von Sebastian Winter, Dachau

Diese Bilanz kann sich sehen lassen: Die Volleyballer des ASV Dachau haben all ihre Spiele gewonnen in der dritten Liga und sind bereit zum Aufstieg, wie es scheint. Das Problem ist nur: Es waren nur drei Spiele und es werden in dieser Saison auch nicht mehr werden. Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat bereits Ende Februar den Betrieb in der dritthöchsten Liga beendet. Seine letzte Partie hat der ASV am 24. Oktober gespielt, vor mehr als einem halben Jahr. Danach durfte nur noch der Profisport im Volleyball weitermachen, also die so eingestufte erste und zweite Liga.

Im Hintergrund hat sich aber sehr viel getan bei Dachaus Volleyballern, die nach 15 Jahren in der zweiten Liga 2016 abgestiegen sind. Ihr letztes Spiel damals am 2. April gegen Fellbach, das 2:3 endete, erinnerte noch einmal an die großen Zeiten beider Klubs: Fellbach war 1998 DM-Zweiter, Dachau hat noch weit größere Erfolge erreicht: 1995 und 1996 wurde der ASV deutscher Meister, 1997 gewann er den DVV-Pokal. Außerdem erreichte das Team des damaligen Trainers Stelian Moculescu 1996 das Champions-League-Finale.

Das alles ist lange her, inzwischen hat sich der ASV vor allem dem Nachwuchs verschrieben. Jugendkoordinator Niko Schneider zufolge hat sich die Zahl der Jugendlichen in der Volleyball-Abteilung seit 2019 von 100 auf 200 verdoppelt - trotz der Corona-Pandemie. Mit seinen Talenten hat der Klub in den vergangenen Jahren mehrere deutsche Meisterschaften gefeiert, manchen Schlüsselspieler - wie die Brüder Lukas und Simon Pfretzschner - aber an andere Klubs oder Bundesstützpunkte verloren. Das Ziel ist es künftig, solche Spieler bei Dachaus Männern zu integrieren. "Wir wollen dafür die zweite Bundesliga angehen", sagt Schneider, und für dieses Vorhaben hat der Klub erst vor wenigen Tagen eine prominente Galionsfigur verpflichtet: Patrick Steuerwald.

Der hochdekorierte 35-Jährige soll den Drittligisten binnen eines Jahres zum Aufstieg führen; oder noch früher, sollte in diesem Sommer durch eine mögliche Aufstockung noch ein Zweitligaplatz frei werden. Steuerwald war als Zuspieler 125 Mal für die Nationalmannschaft aktiv, vergangene Saison war er Trainer des Erstligisten TSV Unterhaching, im Jahr davor Co-Trainer des Spitzenklubs VfB Friedrichshafen.

"Die Sponsoren kommen gerade auf uns zu und nicht nur umgekehrt. Das ist ja selten der Fall", sagt Jugendkoordinator Schneider

Der Schwarzwälder bringt also eine große Expertise mit nach Dachau, wo sich ohnehin viele A-Trainer tummeln, wie die früheren Nationalspieler Leif Andersson (für Beachvolleyball zuständig) und Wolfgang Besenböck (Sportlicher Leiter). Sepp Wolf, der die ASV-Jugend in der Vergangenheit zu vielen nationalen Titeln geführt hat, ist Dachaus Wunschkandidat als Sportdirektor. Allerdings hängt Wolfs Rückkehr auch davon ab, ob er künftig Cheftrainer des Zweitligisten TSV Mühldorf wird, bei dem er vergangene Saison Co-Trainer war. Sein Sohn Vincent Graven, der Kapitän der Dachauer Drittliga-Volleyballer, die so große Ambitionen haben, würde sich sicher über Wolfs Rückkehr freuen. Weitere Führungsfiguren im Team sind der viermalige deutsche Jugendmeister Samuel Sadorf und Jugend-Nationalspieler Patrick Rupprecht.

Die alte Georg-Scherer-Halle, in der Moculescu die ASV-Volleyballer in den Neunzigern zu ihren Erfolgen führte, ist noch eines der Hindernisse auf dem Weg nach oben: Sie taugt für die erste Liga definitiv nicht - und ist auch nicht unbedingt ein attraktiver Zweitliga-Standort. Das Beachvolleyball-Gelände kann sich aber sehen lassen - wie auch die Erfolge im Sand: Lukas Pfretzschner war U18-Europameister und Zweiter der U-19-WM, sein Bruder Simon deutscher U17- und U18-Meister.

Das neue Gesamtkonzept sieht nun Wachstum auf allen Ebenen vor, von der Jugend bis zur ersten Mannschaft. Social-Media-Aktionen, Volleyball-Camps und mehrere Schulkooperationen sollen Nachwuchs zum ASV spülen, die Kinder sollen von der Grundschule an gefördert werden und möglichst irgendwann im Bundesliga-Team anklopfen. Dort wollen die Dachauer mit dem eigenen Nachwuchs, aber auch mit auswärtigen Spielern mittelfristig zur erweiterten Zweitligaspitze gehören.

Große Pläne sind das, und sie stoßen offenbar auf offene Ohren. "Die Sponsoren kommen gerade auf uns zu und nicht nur umgekehrt. Das ist ja selten der Fall", sagt Jugendkoordinator Schneider. Das Ziel der Volleyballer ist es, ihren Etat in spätestens vier Jahren von derzeit etwa 125000 Euro auf mehr als 300000 Euro zu hieven. Das wäre mehr, als die Hachinger Erstliga-Volleyballer in der gerade beendeten Saison zur Verfügung hatten. Schneider macht aber auch eines klar: "Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, es so zu machen wie Unterhaching." Der TSV hatte sich - nach dem Rückzug der Alpenvolleys vor einem Jahr - mit einer sportlich nicht konkurrenzfähigen Mannschaft und dem geringsten Etat der Liga einen Platz im Oberhaus gesichert. Haching wurde Letzter, profitiert aber davon, dass die Liga in dieser Corona-Saison den Abstieg ausgesetzt hat. Trotzdem ist wegen fehlender Großsponsoren, die auch die Konkurrenzfähigkeit des Teams bedingen, unklar, ob der Klub weiter in der ersten Liga spielt. Im Juni will man sich entscheiden.

Der ASV Dachau möchte nun erst einmal auf allen Ebenen bestmögliche Strukturen schaffen, bevor er wieder nach Höchstem strebt. Man ist vorsichtig geworden in der Großen Kreisstadt, wo nach den Erfolgen der Neunziger auch wegen der fehlenden Basis der Absturz in die Insolvenz folgte.

© SZ/toe
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