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VfR Garching:Orientierungslos im Keller

Dicht dran: Hier ist Garchings Verteidiger Matthias Strohmaier (weiß) auf seinem Posten, vor dem 0:2 ließ er sich dagegen austanzen.

(Foto: Catherina Hess)

Garching unterliegt der Reserve des FC Augsburg im heimischen Stadion mit 0:2 Toren und muss nun aufpassen, nicht vorzeitig den Anschluss in der Tabelle zu verlieren.

"War mal wieder nix. Nächste Woche ist ein neuer Tag. Weiterkämpfen, das wird schon noch." Was der Garchinger Stadionsprecher nach dem Spiel gegen den FC Augsburg II verkündete, klang einerseits nach Durchhalteparolen, garniert mit einem Hauch von Resignation. Hilft ja nichts, es muss weitergehen in dieser Situation, in der sich der VfR Garching am Ende der Hinrunde im Tabellenkeller wiederfindet. Das 0:2 zu Hause im Kellerduell gegen die Augsburger Reserve war der nächste unangenehme Spieltag für die Garchinger, die zurzeit tabellarisch Wasser treten und irgendwie schauen müssen, dass sie bis zum Jahresende nicht untergehen.

"Ich würde eher sagen, dass Sand im Getriebe ist", meine Garchings Sportdirektor Ludwig Trifellner nach dem Spiel. Egal welche Substanz es nun ist, die hemmt, sie stört und zwickt und zwackt seit Monaten eine Garchinger Mannschaft, die keine schlechte Kaderqualität hat, aber sich selbst immer wieder Löcher schaufelt. "Es ist eigentlich schon seit Monaten so: Wir schlagen uns immer wieder selber. Wir machen immer wieder persönliche Fehler, immer wieder irgendwelche Sachen. Und dann: Deckel drauf, Affe tot", sagte Trifellner. Gegen die Augsburger krachte der Deckel das erste Mal nach 13 Minuten nieder und zwar mit einem Eigentor. Garchings Trainer Philipp Bönig hatte extra eine defensive Ausrichtung gewählt, um den schnellen Augsburger Spitzen "nicht die Tiefe zu geben, die Räume, wo sie gefährlich sind". Beim Gegentor hatte Garching dann zwar genügend Spieler hinter dem Ball, Georg Ball hielt aber bei einer Flanke im Fünfer den Fuß in die Flugbahn und die Kugel sprang gegen die Laufrichtung von Torwart Joey Brenner ins Netz (13.). So ein Eigentor könne schon mal passieren, sagte Bönig, aber genau in einem solchen wichtigen Spiel?

Für Garching war es nach dem Rückstand schwierig, den Wechsel von Defensive zu Offensive zu finden. Der VfR nahm kaum Rhythmus auf, hatte auch deutlich zu wenig Präsenz im Angriff, wo zum Beispiel der schnelle Kevin Feucht beruflich verhindert war und Spielmacher Dennis Niebauer die Sturmspitze geben musste. "Wir konnten uns insgesamt zu wenig durchsetzen, haben keine Zweikämpfe gewonnen", sagte Bönig zu den Offensivaktionen seiner Mannschaft, die nur sehr punktuell zu Torabschlüssen führten. Dabei waren die Augsburger keine übermächtigen Kontrolleure, sobald Garching mal zwei, drei schnelle Pässe am Stück gelangen, gewährten die Fuggerstädter ebenfalls Platz zum Spielen. "Es waren immer Ansätze da, ein Hauch von Gefährlichkeit. Aber ein Hauch reicht eben nicht in der Regionalliga", sagte Bönig.

In der zweiten Hälfte stellte der VfR-Coach um und brachte nach zehn Minuten Emre Tunc als zweite Spitze. Stattdessen machte der FCA das zweite einfache Tor, das Bönig noch mehr ärgerte als das erste. Ein Befreiungsschlag in Richtung Garchinger Kasten brachte die Verteidigung in Bedrängnis, die auch sonst bei langen Bällen immer wieder die Orientierung suchte. Der schnelle Hendrik Hofgärtner sprintete einfach durch, stoppte den Ball, ließ Matthias Strohmaier im Strafraum mit einem Haken auf den Hosenboden fallen und zimmerte die Kugel in den Winkel (56.).

Es fehle vielleicht an Bewusstsein, "in welcher Situation wir stecken", sagt Trainer Philipp Bönig

Die Garchinger bemühten sich, mehr anzuschieben, schafften es aber letztlich nicht, Augsburg zu irgendeiner Zeit konstant unter Stress zu setzen. Die beste Chance zum Anschluss hatte Philipp Walter, der nach einer schnellen Kombination von Niebauer freigespielt wurde: Augsburgs Keeper Daniel Witetschek fuhr aber den Fuß rasch genug aus (60.). Beispielhaft für die Garchinger Leerstellen in der Offensive war die letzte Aktion in der Nachspielzeit: Niebauer und Tunc konnten die Augsburger Kette mit drei Pässen überwinden, bei der Ablage von Tunc an den Elferpunkt stand aber kein VfR-Spieler weit und breit, so dass Witetschek den Ball nur aufnehmen musste.

Trainer und Sportdirektor in Garching sind derweil sichtlich bemüht, mehr Engagement von der Mannschaft einzufordern. "Die Mannschaft steht auf dem Platz, nicht Philipp Bönig", sagte Trifellner zum Beispiel. Und Bönig meinte, es fehle vielleicht bei den Spielern an Bewusstsein, "in welcher Situation wir stecken". Nicht die Qualität, sondern eher die Intensität sei das Problem, so Bönig. Wie es weitergeht, nachdem Garching auf dem vorletzten Tabellenplatz festhängt? "Das ist relativ schnell erklärt: Punkten", sagte Bönig. Durchhalteparolen darf sich eben nicht nur der Stadionsprecher leisten.