VfR Garching Die Flaschen fliegen tief

Garchings Trainer Daniel Weber fühlt sich zu Unrecht bestraft. Aber das war am Samstag nicht der einzige Grund für ihn, sich zu ärgern.

(Foto: Claus Schunk)

Das Team von Trainer Daniel Weber verliert trotz couragierten Beginns gegen Rosenheim.

Von Fabian Swidrak, Garching

Daniel Weber war bereits hinunter an den Zaun gelaufen. Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, sprang er sofort auf die Laufbahn und ging zurück auf den Rasen. Weber wollte nicht eine Sekunde länger auf der Tribüne verbringen, als er musste. Er fand ohnehin, dass es übertrieben gewesen war, ihn zehn Minuten vor dem Schlusspfiff aus dem Innenraum zu verbannen. Nur weil er eine Wasserflasche zu Boden geschmettert hatte.

Weber, der Trainer des Fußball-Regionalligisten VfR Garching, nutzte die Flasche als Ventil für seinen Frust. Mittelfeldspieler Daniel Suck war nach einem Kopfballduell bei der Landung umgeknickt und schreiend auf dem Boden liegen geblieben (85.). In Webers Augen hatte der Schiedsrichter übersehen, dass Sucks Gegenspieler in der Luft unerlaubt den Ellenbogen eingesetzt hatte. Suck spielte nach längerer Behandlungspause zwar weiter, Weber konnte eine Verletzung nach dem Spiel aber nicht ausschließen.

Die Spieler hätten absichtlich schlecht gespielt, scherzt Hölzl. Wegen der vielen Scouts

"Ich musste nur wegen der Flasche auf die Tribüne", sagte Weber. Schon zu Beginn der zweiten Halbzeit war er in eine Diskussion mit dem Unparteiischen verwickelt gewesen. An den Auslöser konnte Weber sich nach dem Spiel nicht mehr erinnern. Zu seinem Platzverweis sagte er: "Als Trainer darf man kein aggressives Verhalten zeigen, das weiß ich schon. Aber die Maßnahme ist lächerlich."

Aus seiner Sicht hatte Weber nichts weiter getan, als sich angemessen zu ärgern. Über das nicht geahndete Foul und die mögliche Verletzung eines Stammspielers. Darüber, dass seine Mannschaft zumindest in der Offensive guten Fußball gespielt, früh geführt, und dennoch 2:4 (1:2) gegen den TSV 1860 Rosenheim verloren hatte. Nur weil dem Gegner zwei herausragende Tore gelungen waren. "Es ärgert mich, dass sie da mit zwei so krassen Dingern zurückkommen", sagte Weber.

Beide Mannschaften starteten mit offensiver Ausrichtung in die Partie. Mario Staudigl traf am Ende eines schönen Spielzugs aus kurzer Distanz zur frühen Garchinger Führung (6.). Schon davor war der VfR mehrmals im Strafraum zum Abschluss gekommen. "Wir haben unheimlich couragiert angefangen, hatten sechs, sieben Hochkaräter in den ersten Minuten. Da müssen wir viel mehr draus machen", sagte Weber. Stattdessen erzielte Rosenheims Michael Denz den Ausgleich (10.). Er nahm den Ball aus 25 Metern Distanz direkt. Der Schuss ging vom Innenpfosten aus ins Tor.

Korbinian Linner brachte Rosenheim später sogar in Führung (43.). Nach dem Seitenwechsel fiel erneut der Ausgleich. Staudigl zog von der linken Seite in den Strafraum und erzielte mit einem Schuss in die kurze Ecke sein zweites Tor (48.). Garching drängte danach auf den Führungstreffer, bis Pius Krätschmer auf der Gegenseite einen Freistoß aus 35 Metern Torentfernung verwandelte, genau in den Winkel (65.). Danijel Majdancevic erzielte den vierten Rosenheimer Treffer (72.). "Wenn du einem Rückstand hinterherläufst, wird es schwer bei der Hitze", sagte Weber.

Trotz des guten Saisonstarts: Die Garchinger haben keines ihrer bislang vier Heimspiele gewonnen. In zwei Wochen trifft der VfR im eigenen Stadion auf den TSV 1860 München. Abteilungsleiter Franz Hölzl scherzte nach dem Spiel gegen Rosenheim: "Unsere guten Spieler haben heute absichtlich schlecht gespielt wegen der vielen Scouts, die da waren." Einzig Doppeltorschütze Mario Staudigl schien von dieser Anordnung nichts mitbekommen zu haben. Er bestätigte seine gute Form. In sieben Einsätzen hat Staudigl nun fünf Tore erzielt, zwei mehr als in der gesamten Vorsaison. Vielleicht hatte er das Gefühl, seinen Stammplatz noch einmal gesondert rechtfertigen zu müssen.

In der vergangenen Woche hatte Trainer Weber angekündigt, noch einen offensiven Außenbahnspieler verpflichten zu wollen. Einen Konkurrenten also für Emre Tunc, aber eben auch für Staudigl. Am Samstag stellten die Garchinger ihren Zugang dann vor: Zvonimir Kovac. Der 23-Jährige hat bereits zwei Wochen in Garching mittrainiert. In der vergangenen Saison spielte der gebürtige Münchner mit dem FSV Wacker Nordhausen in der Regionalliga Nordost und für dessen zweite Mannschaft in der sechstklassigen Thüringenliga. Kovac war Jugendspieler beim FC Ingolstadt und spielte später für die Reserveteams der SpVgg Unterhaching und des SV Heimstetten.