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U17 des FC Bayern:Auf sie mit Gebrüll

„Wir wussten, dass wir heute gegen viele Widerstände ankämpfen müssen“: Nach früher Führung durch David Halbich (re.) lag die Münchner U17 plötzlich hinten, doch kämpfte sich leidenschaftlich zurück.

(Foto: Claus Schunk)

Trainer-Neuling Miroslav Klose hat mit seiner Elf das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft fast sicher.

Von Christoph Leischwitz

Es gab enormes Geschrei an der Seitenlinie, mehr als sonst bei einem Junioren-Bundesligaspiel. Das lag zum einen am Trainer des FSV Mainz 05, Sören Hartung, der jeden Befehl an seine U17-Mannschaft übermäßig laut kommunizierte; außerdem kann er sehr laut und schnell in seine Hände klatschen. Es lag aber vor allem daran, dass viel auf dem Spiel stand. Selbst der Trainer des FC Bayern war lauter als sonst, dabei ist Miroslav Klose ja für seine Gelassenheit bekannt. Eine Viertelstunde vor Schluss - ein Gegenspieler war gerade mit Geschrei liegen geblieben - wies er seine Spieler an: "Dann müssen wir eben auch schreien."

Klose hatte damit zwar keinen Torjubel gemeint, doch in den folgenden fünf Minuten erzielte seine Mannschaft drei Treffer, gewann gegen den Verfolger Mainz 4:2 (1:1) und steht nun, bei noch drei ausstehenden Spielen, schon so gut wie sicher im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Sechs Punkte Vorsprung hat die Mannschaft auf Hoffenheim in der Süd-Südwest-Staffel. Wenn sie ihre restlichen Aufgaben ernst nimmt, könnte sie auch noch der U17 der SpVgg Unterhaching zum Ligaverbleib verhelfen: Die jungen Bayern spielen unter anderem noch gegen den FC Ingolstadt, der aktuell zwei Punkte vor den Hachingern auf einem Nichtabstiegsplatz steht.

"Das war harte Arbeit bis hierhin, jetzt können wir die Ernte einfahren", freute sich Klose über die eigene Situation. Niemand habe damit gerechnet, dass es in seinem ersten Trainerjahr gleich so gut laufe, aber es handele sich eben auch um einen sehr starken Kader. Weil sie am Campus des FC Bayern seit der laufenden Saison noch stärker darauf achten, junge Talente schneller als früher vor größere Aufgaben zu stellen, hatte Klose in Malik Tillman zur Winterpause seinen mit Abstand auffälligsten Spieler an die U19 abgegeben. Das Spiel gegen Mainz war ein Indiz dafür, dass die Mannschaft auch mit einer flachen Hierarchie funktioniert. "Bei uns sind's alle, die mitziehen, ich möchte da keinen rauspicken, jeder ist wichtig und soll seinen Konkurrenten pushen", sagte Klose. "Herz und Leidenschaft" seien ihm das Wichtigste, und was er seiner Mannschaft unbedingt beibringen wolle, das sei, in jeder Sekunde an sich zu glauben.

Gegen Mainz geriet die junge Truppe nach einer frühen Führung durch den verwandelten Foulelfmeter von David Halbich (12.) mit 1:2 in Rückstand (23., 42.). "Wir wussten, dass wir heute gegen viele Widerstände ankämpfen müssen, im Hinspiel waren wir sehr lethargisch", sagte der Weltmeister. Fast hört es sich an, als habe sich seine Mannschaft damals beim 0:3 von der Lautstärke an der Seitenlinie beeinflussen lassen.

Wie sein Team diesmal aber die Partie drehte, das muss dem auf Leidenschaft pochenden Klose gefallen haben. In der 65. Minute ließen Yusuf Kabadayi und Lasse Günther binnen weniger Sekunden zwei Großchancen liegen, der eingewechselte Nemanja Motika behielt bei seinem Schuss zum 2:2 trotzdem die Nerven; Thorben Rhein erzielte dann die weiteren Tore, das 4:2 war ein besonders schönes, das in Vorbereitung und Ausführung sehr an Arjen Robben erinnerte (70.). Rhein hat schon elf Mal getroffen, trotzdem sind auch in der Offensive die Hierarchien flach, was schon allein dadurch belegt wurde, dass die drei in der 55. Minute eingewechselten Spieler enorm viel neuen Schwung brachten. Und dass in der Startelf gleich sieben Spieler aus dem Jahrgang 2003 standen, und nur vier aus 2002. "Das war ein fantastisches Spiel", freute sich Klose. Für die verbleibenden Aufgaben sei er guter Dinge, "weil ich sehe, dass die Mannschaft lebt". Für diesen Samstag war aber erst einmal Feierabend, Klose freute sich auf das Bundesligaspiel seiner beiden ehemaligen Klubs, Bayern gegen Bremen. "Das werde ich genießen", sagte er.

© SZ vom 23.04.2019

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