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Türkgücü München:Auf der Suche nach Knipsern

24.06.2020, xtgx, Fussball 3. Liga, Hallescher FC - FC Carl Zeiss Jena emspor, v.l. Vasilios Desidis (Jena), Daniele Ga

Daniele Gabriele (re.) traf vergangene Saison neun Mal für Jena, das trotzdem abstieg. Bei Türkgücü soll der 25-Jährige weiter Tore schießen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Drittliga-Neuling Türkgücü München macht überhaupt kein Geheimnis daraus, möglichst bald in die zweite Liga aufsteigen zu wollen. Der jüngste Zugang Daniele Gabriele soll nach dem Abschied von Torjäger Patrick Hasenhüttl die noch etwas unterbesetzte Offensive stärken.

Von Andreas Liebmann

Links, rechts, rot oder weiß - auf diese wenigen Varianten konnte man vor gut einem Jahr lustige Wetten abschließen. Würde der morgige Türkgücü-Zugang ein rotes oder ein weißes Trikot in die Kamera halten? Würde er links oder rechts im Bild stehen, und, quasi als Zusatzpunkt: Würde der große Mann neben ihm ein Trachtensakko, ein Holzfällerhemd oder eine Lederjacke tragen? Klar war nur, dass ein täglicher Zugang gemeldet werden würde, denn Türkgücü München, das damals plötzlich nicht mehr SV Türkgücü-Ataspor hieß, war in die Regionalliga aufgestiegen und verschreckte die neue Konkurrenz dort über Wochen durch Verpflichtungen von insgesamt fast zwei Dutzend neuen Spielern, die meisten mit Profierfahrung.

Folgerichtig ist Türkgücü in die dritte Liga durchmarschiert, auf tägliche Zugänge ist nun aber kein Verlass mehr. Das liegt nicht etwa daran, dass die Ambitionen von Präsident Hasan Kivran gesunken wären, bestimmt nicht. Der Verein darf künftig im Grünwalder und/oder im Olympiastadion spielen und kalkuliert im Schnitt mit 5000 bis 6000 Zuschauern - bislang waren es 461. Die meisten der Zugänge aus dem vergangenen Sommer aber hatten eine Qualität, die nun keine Runderneuerung erfordert. Und das Transferfenster bleibt bis Oktober offen, es ist also auch keine Eile geboten. Zuletzt hat Türkgücü am Donnerstag eine Personalie verkündet, die Verpflichtung von Daniele Gabriele, 25, ein Offensiv-Allrounder vom Drittliga-Absteiger Carl-Zeiss Jena. Der große Mann mit dem Dreitagebart war natürlich nicht mehr mit auf dem Foto: Robert Hettich, der den Kader noch vor einem Jahr zusammenbastelte, hat den Verein Ende Februar verlassen. Inzwischen teilen sich Max Kothny als Geschäftsführer und Roman Plesche als Kaderplaner Hettichs Aufgaben. Rein optisch hat sie das flexibler gemacht: Sieben Zugänge waren bisher zu präsentieren, mal stand der ebenfalls recht große Kothny mit im Bild (ohne Dreitagebart), mal der etwas kleinere Plesche (mit Dreitagebart), mal beide. Daniele Gabriele hielt nun ein weißes Trikot in die Kamera, gemeinsam mit Roman Plesche, der wie er aus dem Allgäu stammt. Neun Treffer hat der Deutsch-Italiener zuletzt für Absteiger Jena erzielt. "Ich glaube, dass er in einer funktionierenden Mannschaft noch mehr Tore schießen kann", sagt Plesche. Technisch stark sei der Neue, ein Zehner oder eine hängende Spitze, einer mit guten Läufen in die Tiefe. Überall, wo er war, habe er Tore gemacht, hebt Plesche hervor, etwa beim FC Wacker Innsbruck, bevor und nachdem er mit ihm 2018 in die erste Liga aufgestiegen war.

Zurzeit ist das ein besonders wichtiges Kriterium. Denn in Patrick Hasenhüttl ist der Toptorjäger der Vorsaison (14 Ligatreffer) nach Unterhaching gewechselt. "Wir hätten ihn schon behalten wollen", gibt Plesche zu, nun sei klar, dass personell im Angriffszentrum noch einiges passieren müsse. Bislang hat eher die Abwehr Zuwachs bekommen: St.-Pauli-Leihgabe Yi-young Park, 26, ist Rechts-, der Österreicher Stefan Stangl, 28, Links-, Marco Raimondo-Metzger, 28, vom SV Heimstetten und Erol Alkan sind Innenverteidiger; dazu kommen Nachwuchstorwart Jordaine Jaeger, 18, vom FC Ingolstadt und Alexander Laukart, 21, Mittelfeldspieler vom holländischen Zweitligisten FC Den Bosch. Laukart war zuvor Profi bei Twente Enschede, Alkan kommt aus der Ajax-Schule, hat in der Türkei und in Bulgarien erstklassig gespielt, Stangl war mit Slovan Bratislava slowakischer und mit RB Salzburg zweimal österreichischer Meister. "Wir wollen ankommen, uns etablieren und eine gute Rolle spielen", sagt Plesche. Irgendwann solle es in die zweite Liga gehen. "Natürlich", ergänzt er: "Auf Dauer muss das das Ziel sein!"

Bis voraussichtlich am 3. August die Vorbereitung beginnt, sollten wohl auch die vorderen Mannschaftsteile noch etwas aufgemöbelt werden. Topstürmer suche nun mal jeder, erklärt Plesche das Problem. Die besten aus der dritten Liga wechselten in die zweite, die nächstfolgenden zu den Spitzenklubs der dritten Liga - da müsse man als Aufsteiger womöglich kreativer sein. Alexander Schmidt, der neue Trainer, sei einer, der Spieler entwickeln könne, "das hat er bewiesen"; vielleicht finde sich jemand, in dem Schmidt schon mehr sieht, als die Statistiken zeigen. Wobei der Kaderplaner kein Dutzend Zugänge mehr erwartet, sondern eher nur noch drei, denn der Großteil des stattlichen Kaders bleibt.

"Wir haben hier kurze Entscheidungswege, das macht die Arbeit angenehm", erzählt Plesche. Aus seiner Zeit beim FC Pipinsried kennt er sich mit kürzesten Entscheidungswegen aus. Auch die Jugendarbeit will Türkgücü nun forcieren, weshalb aus Deisenhofen Kerem Kavuk und vom TuS Geretsried Fabijan Podunavac, beide 18, als Perspektivspieler geholt wurden. Sie können bei den Profis oder in der Jugend auf Kreisebene spielen. Auch ein Nachwuchsleistungszentrum sei ein Ziel für die Zukunft, so Plesche, was er eher nicht aus Pipinsried kennt, und eine zweite Mannschaft wollen sie ebenfalls melden.

Seit Samstag steht fest, dass auch die Co-Trainer Andreas Pummer, Alper Kayabunar und Torwarttrainer Michael Hofmann bleiben, ihre Verträge sind verlängert. Gegangen sind Julian Kirr, Marian Knecht (beide Pipinsried) - und Yasin Yilmaz. Schmidt werde viel Wert auf Pressing legen, sagt Plesche, offenbar ist der Spielstil ein Teil der Erklärung für den Abschied des Kapitäns, der die Aufstiege seit der Landesliga begleitet hat. Mit dem früheren Erstligaprofi Sercan Sararer liefen Gespräche, wegen der Corona-Pause hatte der Winterzugang nur einen Einsatz. Auch mit Kasim Rabihic sei man sich noch nicht einig. Er war mit elf Treffern zweitbester Schütze nach Hasenhüttl. Gemeinsam mit Yilmaz erzielten sie 29 der 51 Tore. Egal ob mit links, rechts, in rot oder weiß: Ein paar Spieler werden sie brauchen, auf deren Tore man setzen kann.

© SZ vom 13.07.2020

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