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TS Jahn München:Plötzlich in der Hauptrolle

„Sie ist unsere Nummer eins und trägt die Mannschaft“: Mit 26 ist Anna Heise inzwischen die Älteste im Münchner Team. An ihre Führungsrolle, sagt sie, muss sie sich noch immer gewöhnen.

(Foto: Claus Schunk)

Anna Heise ist für die TS Jahn München unverzichtbar geworden. Ob die Centerin beim Basketball-Zweitligisten bleibt, ist allerdings offen.

Sechs Minuten vor dem Ende machte Anna Heise den Münchner Anhängern mit einem Dreier noch einmal Hoffnung. Die Centerin der TS Jahn verkürzte im Basketball-Zweitligaheimspiel gegen die Baskets Schwabach auf 58:59. Doch es reichte nicht mehr, weil die Münchnerinnen auch fortan Schwabachs Deeshyra Thomas nicht zu stoppen vermochten, die das Spiel am Ende mehr oder weniger im Alleingang mit 75:69 für Schwabach entschied. Jahn München rutscht in der Tabelle auf Rang sechs ab und wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr von Emily Bessoir.

Bessoir ist seit November immer wieder erkältet gewesen. "Zuletzt hat es mich dreieinhalb Wochen am Stück erwischt", erzählte Münchens 18-jährige Topscorerin am Samstag. Sie saß in der Halle mit dem Team auf der Bank und betreute zwischendurch Johanna Häckel, als die sich am Rücken verletzte. "Emmy sollte sich auskurieren. Da wollten wir kein Risiko eingehen", erklärte Jahn-Assistenztrainerin Petra Fackler. Kommenden Samstag rechnet sie wieder mit Bessoirs Einsatz, wenn es gegen den Tabellendritten Würzburg und um die noch vorhandene, allerdings geringe Chance auf die Playoff-Teilnahme geht.

Auf das große Nachwuchstalent Praise Egharevba, 16, muss der Verein ab sofort dagegen ganz verzichten, sie ist mit ihrer Familie nach London gezogen. Umso mehr muss nun Anna Heise eine Führungsrolle übernehmen. Das tat die 1,88 Meter große Spielerin auch nach dem Misserfolg gegen Schwabach, als sie motivierend auf ihre Kolleginnen einredete.

"Ich muss mich noch immer in dieser Rolle zurechtfinden", sagte sie. "Da lerne ich noch." Heise spielt jetzt die zweite Saison in München und ist von den arrivierten Akteurinnen nach dem personellen Umbruch im vergangenen Sommer übrig geblieben. Sie ist mit 26 Jahren jetzt die Älteste im Team. Sie reagiert noch ziemlich erschrocken, wenn sie das hört. Vom Trainerteam wird sie in ihrer Führungsrolle unterstützt. "Sie ist unsere Nummer eins und trägt die Mannschaft", bekräftigt Petra Fackler. "Sie ist unsere Leistungsträgerin", sagt auch Headcoach Markus Klusemann. Im letzten Auswärtsspiel habe sie mit 22 Punkten wesentlich zum Sieg beigetragen. Gegen Schwabach erzielte Heise 21 Zähler und fischte acht Rebounds herunter. Lea Pfeifer stand ihr mit 20 Punkten und elf Rebounds nicht nach. Trotzdem ging das Spiel verloren. "Wir haben das erste Viertel total verschlafen", stellte Heise fest. Der 13:25-Rückstand nach zehn Minuten war eine schwere Bürde. Die Aufholjagd wäre beinahe geglückt - wenn sich die Münchnerinnen nicht 25 Ballverluste geleistet hätten. Dieser Negativrekord entschied das Duell. Auch weil die 25-jährige US-Amerikanerin Thomas als Aufbauspielerin gleich in Serie Bälle stibitzte und in insgesamt 30 Punkte ummünzte. Thomas, 1,68 Meter klein, stand 40 Minuten - also Vollzeit - auf dem Parkett und war mit ihrer Athletik, Dynamik und Sprungkraft von den Jahn-Spielerinnen nie aufzuhalten. Warum sie nicht in Liga eins spielt, erschloss sich den Beobachtern nicht.

Halle, Maine, Wasserburg, München. Wie es weitergeht, will Heise "spontan entscheiden"

Ob Anna Heise eine weitere Saison in München dranhängt, steht noch nicht fest. "Das werde ich im Frühjahr spontan entscheiden", sagte sie. Es klang eher nach Abschied. Möglicherweise wird Heise ganz mit dem Basketball aufhören. Mit der Sportart hatte sie einst in Halle begonnen. Dann bekam sie ein Basketball-Stipendium an der University of Maine und studierte Kommunikationswissenschaften. Vier Jahre verbrachte sie in den USA, dann zwei Jahre in Wasserburg und jetzt in München.

Heise wohnt und arbeitet in Rosenheim. Sie ist nach ihrem Volontariat beim Oberbayerischen Volksblatt dort Redakteurin geworden und kümmert sich um das Lokalgeschehen. "Klimaschutznotstand im Stadtrat und eine Reportage über die Telefonseelsorge zu Weihnachten waren meinen letzten Themen", erzählte sie. Ob da wohl noch genug Platz sein wird für Basketball?