TS Jahn München In jeder Hinsicht Außenseiter

Nummer acht fehlt: Verena Seligmann (re.) konnte wegen eines Muskelfaserrisses nicht voll trainieren und fällt für das erste Halbfinale in Bamberg wohl aus.

(Foto: Claus Schunk)

Die Basketballerinnen starten gegen Bamberg ins Halbfinale der zweiten Liga. Die Aussicht auf den Aufstieg ist gering.

Von Karl-Wilhelm Götte

Die Teilnahme an den Aufstiegs-Playoffs bedeutet in der Regel, dass der Verein, wenn er sich sportlich qualifiziert, auch aufsteigen sollte. Das ist in der zweiten Bundesliga im Frauenbasketball nicht immer der Fall, weil mit dem Aufstieg ins Oberhaus immer ein finanzielles Risiko verbunden ist. So ist es auch bei der TS Jahn München. Dort ist man eher froh, dass sich im USC Heidelberg ein klarer Favorit für den Aufstieg in die Eliteliga bereithält. Die Badenerinnen sind in der vergangenen Saison abgestiegen und jetzt ohne Niederlage durch die Hauptrunde gestürmt. Pro forma wird Jahn München die Option erste Liga nicht ausschließen. "Wenn demnächst von der Liga abgefragt wird, ob wir aufsteigen wollen, werden wir erst einmal Ja sagen", bestätigt Trainer Rüdiger Wichote, auch wenn er diese Perspektive in sportlicher Hinsicht eher ausschließt und der finanzielle Kraftakt kaum zu schaffen wäre: "Wir müssten dann ein Minimum von 100 000 Euro Saisonetat zusammenkratzen, um erstligareif zu sein."

Einen 100 000-Euro-Etat aufzutreiben, scheint illusorisch zu sein, das lässt Wichote durchblicken. Schon die Teilnahme Jahn Münchens an der zweiten Liga mit etwa der Hälfte der Summe ist finanziell auf Kante genäht, sodass schon jetzt gespart werden muss. Fachleute sagen, dass Frauenbasketball - gerade in der obersten Liga - in München untergehe und finanziell nicht darstellbar sei. Versuche gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten, ob es der MTSV Schwabing oder München Basket gewesen ist, immer wieder. Alle scheiterten früher oder später. Dass in München irgendwann einmal doch ein Sponsor gefunden wird, der das nötige Geld bereitstellt, ist unwahrscheinlich. "Abgesehen davon, dass die Abhängigkeit von einem Geldgeber erfahrungsgemäß nicht gut ist", meint Wichote, und man spürt seine Skepsis bezüglich dieser Variante.

Jahn München geht es vor allem darum, wie im vergangenen Jahr sportlich das Optimum herauszuholen. Da scheiterten die Münchnerinnen nach drei bemerkenswerten Auftritten gegen den USC Freiburg erst im Finale. Jetzt steht erst einmal am Sonntag (17.30 Uhr) in Bamberg gegen die DJK Don Bosco das erste von maximal drei Halbfinalspielen an.

Dort kann Coach Wichote wie zuletzt wieder nur sieben Spielerinnen einsetzen. Verena Seligmann, die potenzielle achte Akteurin, die an einem Muskelfaserriss laboriert, konnte "kein Training unter voller Belastung absolvieren", so die Hiobsbotschaft von Wichote. Die "glorreichen Sieben" um Führungsspielerin Anne Delafosse und Jungstar Emily Bessoir müssen es also wie zuletzt gegen Speyer-Schifferstadt wieder alleine richten. Bamberg wählt dagegen unter zwölf Spielerinnen aus. Zudem hat der Gegner aus Oberfranken vier Profispielerinnen - zwei aus den USA und zwei aus Serbien - im Kader. Besonders die US-Amerikanerin Da Jonee Hale, 24, gehört zu den Topscorerinnen der Liga und ist vor allem auch eine gefährliche Distanzwerferin. "Wir werden es trotzdem frohen Mutes angehen", kündigt Wichote an. Auch den Ehrgeiz von Anne Delafosse stacheln Playoff-Spiele immer wieder an. "Ich liebe es, der Underdog zu sein", wird sie auf der Internetseite der Turnerschaft zitiert.