SZ-Rubrik "Formsache" Attestierte Sportallergie

Schauspieler-WG: Nicole Belstler-Boettcher, 56, lebt gemeinsam mit ihrer Mutter Grit und ihrem Bruder Tristan in einem Haus in Ismaning. Bekannt wurde sie als Sandra Behrens, die sie zwischen 1995 und 2009 in der Serie „Marienhof“ verkörperte.

(Foto: imago)

Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher wäre beinahe mal Surferin geworden.

SZ: Sport ist...

Nicole Belstler-Boettcher: ...mein eher vernachlässigtes Freizeitvergnügen. Yoga, Skifahren, Spazierengehen. Mein Vater war ein ganz großartiger Sportjournalist und Sportler, Chef der Abendschau beim BR, Dr. Wolfgang Belstler, Harry Valérien war zum Beispiel sein Zögling, Tony Sailer, Willy Bogner und Hannes Marker seine Sport- und Skispezis - ich hoffe, so viel Sportsgeist reicht auch für den fauleren Teil der Familie.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Ich habe Sportallergie - Juhu schreien würde ich also nicht, aber nach drei Monaten Theater und intensiver Katzensuche, täglich mit dem Radl mindestens zehn Kilometer im Wald, recht fit (jaaa, es ist ein E-Bike, sonst wären es auch keine zehn Kilometer...).

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Selbstverständlich aktiver Fahrer, wobei ich keine Ahnung habe, was ein Felgaufschwung ist.

Sportunterricht war für Sie?

Da ich so dünn war, wurde ich viel gehänselt, ich hab mich dann mit einem Dauerattest dem Unterricht entzogen - der Start meiner legendären Sportallergie. Ich bin erst in der Kollegstufe mit Grundkurs Tischtennis und Basketball beherzt wieder eingestiegen.

Ihr persönlicher Rekord?

Der 15-Meter-Sprung bei der Expo in Lissabon mit meiner großen Tochter, und letztes Jahr der Zehn-Meter-Sprung im PromiBig-Brother. Ich hab entsetzliche Höhenangst, aber meine Kinder sollen stolz auf mich sein! Die Euphorie danach ist der Wahnsinnn - tonnenweise körpereigene Endorphine. Könnte einen zum Sportfan machen - theoretisch...

Stadion oder Fernsehsportler?

Eher Fernsehsportler. Früher bin ich glühender Tennisfan gewesen.

Bayern oder Sechzig?

Obwohl mein Vater glühender 60er-Fan war: Bayern. (Seit seinem Tod hat sich ja auch vieles geändert...)

Ihr ewiges Sport-Idol?

Muhammad Ali. Und irgendwie dann doch auch Boris Becker, Steffi Graf, John McEnroe.

Ein prägendes Erlebnis?

Meiner Mama und meinem Vater beim Tennisspielen zugesehen. Das war Weihnachten und Geburtstag zusammen.

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Windsurfen. In den 80ern lebte ich mal ein Jahr auf Sardinien/Porto Pollo und wurde sogar gesponsert, damals von F2, man nannte mich die deutsche Jenna de Rosnay. Gerade als ich zum Wettkampffahrer hochtrainiert werden sollte, wurde ich schwanger mit meiner ersten Tochter. Das war's dann mit meiner Sportkarriere. Ausreden hatte ich immer...

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Definitiv mit Steffi Graf, Ausnahmesportlerin mit großem Herzen, mit keinerlei Allüren, die Ehe scheint vorbildlich, die Kinder happy... Irgendwie ist sie zu gut, um wahr zu sein. Sie wirkt verdammt glücklich und scheint angekommen. Und selbst ich Sportallergiker würde nur noch auf dem Platz stehen, wenn ich so spielen könnte.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.