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Sportlerehrung:Von Rosen und Veilchen

Sportlerehrung München 2019 im Alten Rathaus.

Sind so viele Hände: Hier spenden die anderen Preisträger im Publikum den Vertretern der „Gehörlose Bergfreunde München“ Applaus.

(Foto: Florian Peljak)

Wie daten sich eigentlich Eistänzer? Wie geht stummer Applaus? Diese und andere Fragen beantwortet die Münchner Sportlerehrung - an einem Abend, der ganz im Zeichen der Wertschätzung steht.

Irgendetwas musste falsch gelaufen sein. Für einen Fußballschiedsrichter gilt es ja als eines der größten Komplimente, wenn man ihn kaum wahrnimmt, zumindest sofern das der Spielverlauf zulässt. Felix Brych weiß das natürlich, der 44-jährige Münchner zählt zu den Besten seiner Zunft, er hat mehr als 400 Bundesligapartien gepfiffen, war bei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz, bei Olympischen Spielen. Er hat sogar ein Champions-League-Finale geleitet. Am Donnerstagabend aber stand er im Mittelpunkt.

Brych hatte diesmal gar nichts dagegen, etwas aufzufallen. Die Stadt München ehrte im Saal des Alten Rathauses mal wieder ausgewählte Sportlerinnen und Sportler für ihre Leistungen im vergangenen Jahr, und auch Brych erhielt eine der goldenen Ehrenmedaillen. "Ich freue mich wirklich sehr, hier zu sein, als Schiri unter Sportlern. Weil bei uns ja die sportlichen Leistungen nicht immer so sehr im Vordergrund stehen, sondern die Entscheidungen", sagte er. Es sei "schon eine große Wertschätzung, dass die Stadt erkannt hat, was ich in den letzten Jahren geleistet habe".

Um Wertschätzung, darum sollte es gehen an diesem Abend, den Stadträtin Verena Dietl, die Sprecherin des Sportausschusses, eröffnete. Sie vertrat Bürgermeisterin Christine Strobl (beide SPD), die sich kurzfristig hatte entschuldigen lassen. "Sie sind Vorbild für die Kinder und Jugendlichen in den Vereinen und alle Münchner und Münchnerinnen", sprach Dietl die 306 Sportler und Sportlerinnen im Saal direkt an. Darunter 109 Junioren, 24 Gehörlose und 15 weitere Sportler mit Handicap, geschmückt mit insgesamt 64 WM- und EM-Medaillen sowie 46 Meisterschaftstiteln. "Heute dürfen Sie sich einmal auf Ihren Lorbeeren ausruhen", sagte Dietl.

Das wollte Moderator Markus Othmer nicht ganz so stehen lassen. Er erwarte "90 Minuten Vollgas", kündigte er an und bezog sich dabei zuvorderst auf das Applausverhalten. Er sollte nicht enttäuscht werden, wenn es auch ein zunächst ungewohnter Applaus war. Kein Klatschen, dafür ganz viele winkende Hände an ausgestreckten Armen bekamen die Gehörlosen Bergfreunde München zu Gesicht. Applaus in Gebärdensprache, unter anderem für den Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft im Curling für Gehörlose.

Lauter wurde es bei Marie Lang. Erst am vergangenen Wochenende hat die Kickboxerin ihren 18. WM-Titel geholt. Moderator Othmer interessierte sich aber noch für etwas ganz anderes. Ob sie die nächste Bachelorette sein wolle, fragte er. Ihr Stallkollege Sebastian Preuss mache es in der RTL-Reality-Show ja seit Januar in männlicher Rolle vor. Lang schmunzelte kurz und sagte: "Ich glaube, wir verteilen alle lieber Veilchen statt Rosen." Othmer frotzelte zurück: "Dann habe ich lieber keine Fragen mehr." Eine Szene, die exemplarisch stand, für eine erfrischend launige Veranstaltung. Dazu trug auch Maximilian Pfisterer, deutscher Meister im Eistanz, bei, indem er von seiner Partnerinnensuche berichtete. Inzwischen tanze er mit einer US-Amerikanerin, aber davor "war es so schwierig, da musste ich einmal über Ice Partner Search gehen, sozusagen ein Onlinedating-Portal fürs Eistanzen."

Apropos Eis: Der EHC Red Bull München wurde für seine Finalteilnahme in der Champions Hockey League geehrt. Yasin Ehliz und Maximilian Kastner nahmen die Auszeichnung entgegen. Ebenso bedacht wurden die Fuß- und Basketballer des FC Bayern, beide 2019 deutscher Meister. Danilo Barthel bedankte sich stellvertretend für die Basketballer. Niklas Süle, der nach einem Kreuzbandriss im Aufbautraining ist und die Auszeichnung für die Fußballer entgegennahm, nutzte die Bühne für eine Kampfansage. "Ich glaube, dass mein Knie so gut ist, dass ich im Sommer für Deutschland spielen kann."

An der Europameisterschaft möchte auch Felix Brych noch einmal teilnehmen. In diesem Jahr wird er 45, erreicht damit die Fifa-Altersgrenze. "Es wäre mein letztes großes Turnier, das würde ich gerne noch mitnehmen", sagte er. Dann heißt es wieder: unauffällig sein.

© SZ vom 22.02.2020
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