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Poolbillard:Neues von den Billard-Bayern

Der BSV Dachau sichert sich vorzeitig die deutsche Pool-Meisterschaft und unterstreicht mit der Titelverteidigung seine Ausnahmestellung in der Bundesliga. Die schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Das Team bleibt zusammen.

Von Ralf Tögel, Dachau

Andreas Huber nimmt einen tiefen Zug. Er überlegt. "Ich weiß schon, ich rauche zu viel", für die Antwort auf die Frage, ob Langeweile in der Poolbillard-Bundesliga droht, lässt er sich noch einen Zug Zeit. Dann sagt er: "Uns wird es sicher nicht langweilig", er lacht. Ein typischer Huber. Der Präsident und Trainer des Billardsportvereins (BSV) Dachau ist nie um einen Spruch verlegen, und er hat in den vergangenen Jahren in dieser Sportnische eine Marke aufgebaut, die nicht nur die deutsche Szene beherrscht, sondern auch internationale Strahlkraft besitzt. Was natürlich mit den Spielern zusammenhängt: Ralf Souquet, 48, am besten als lebende deutsche Poolbillard-Legende beschrieben; Albin Ouschan, 26, derzeit Nummer acht der Weltrangliste und aktuell der wohl beste Europäer in diesem Sport; Mario He, 23, wie Ouschan Österreicher, Euro-Tour-Sieger und Europameister; David Alcaide, 38, Spaniens Nummer eins, Euro-Tour-Sieger, vier Mal Europameister; Manuel Ederer, 23, als Junior europäische Spitze, einer, der das Zeug hat, in die Fußstapfen von Souquet zu treten. Am vergangenen Wochenende hat dieses Team den deutschen Meistertitel verteidigt, vorzeitig und erwartet, die zwei abschließenden Spieltage Ende Mai sind nun redundant.

Ein deutscher Meister als Reserve: Dachau hat nicht nur den besten, sondern auch den tiefsten Kader

Dennoch will Mannschaftskapitän Souquet von einem Selbstläufer nichts wissen: "Das mag vielleicht überragend aussehen, aber einfach war es nicht. Es gab viele enge Spiele, die erst im letzten Satz entschieden wurden." Doch genau hier sieht Dachaus Vorsitzender Huber die größte Qualität seiner Protagonisten: "Sie haben eine große Konzentrationsausdauer, weil sie gewöhnt sind, lange Turniere auf hohem Niveau zu spielen." Daher hätte der BSV viele Begegnungen trotz Rückstand noch gedreht. In der Bundesliga sieht ein Spieltag acht Partien vor, vier werden in einer Hinrunde auf drei Gewinnsätze gespielt, dann mit wechselnden Gegnern dasselbe in der Rückrunde. Auch die Namen der Dachauer Akteure würden auf den Gegner Druck ausüben, sagt Huber, was sein Kollege Stefan Klein bestätigt: "Wenn die so bleiben, dann wird sich auch in Zukunft nichts ändern." Klein ist Vorsitzender des lokalen Konkurrenten und ersten Verfolgers BSV Playhouse Fürstenfeldbruck, die Frage nach der Langeweile hat er damit ohne zu überlegen beantwortet. Wenn Dachau in Bestbesetzung antreten könne, dann sei die Mannschaft kaum zu bezwingen - schon gar nicht auf eine ganze Saison gesehen. Die Brucker sind Tabellenzweiter, punktgleich mit dem früheren Serienmeister BC Oberhausen, dem die Dachauer nun aber den Rang abgelaufen haben. Im Team aus dem Ruhrpott sind in den Niederländern Nils Feijen und Marc Bijsterbosch, sowie dem deutschen Spitzenspieler Andreas Roschkowsky ebenfalls hochkarätige Profis engagiert, doch die Dachauer sind schlichtweg besser und vor allem tiefer besetzt. Denn die Professionalität der Topspieler kann für einen Klub schnell zum Dilemma werden. Ihren Lebensunterhalt verdienen selbige bei hoch dotierten Turnieren, die sie vornehmlich nach Asien und Übersee führen. Der Meister musste in dieser Saison zweimal auf seine Besten verzichten, was sich angesichts einer zweiten Mannschaft mit Spielern wie Johannes Halbinger, Jan-Hendrik Wolf oder Sebastian Ludwig nicht so sehr auswirkte wie bei der Konkurrenz. Alle drei sind gestandene Bundesligaspieler, Ludwig hat sogar einen deutschen Meistertitel in seiner Vita - und alle acht Partien, in denen er aushalf, gewonnen.

Ein deutscher Meister als Reserve: Dachau hat nicht nur den besten, sondern auch den tiefsten Kader

Fürstenfeldbruck teilt das Schicksal der Konkurrenten, sie haben in dem Schweizer Dimitri Jungo und dem tschechischen Internationalen Roman Hybler ebenfalls Spieler von europäischer Spitzenformat im Kader, mit Dachau aber können sie nicht mithalten. Auch weil weitere Zugänge finanziell nicht machbar seien, wie Klein erklärt. Auch in dieser Sparte sind die Dachauer das Maß der Dinge.

"Es ist wichtig, dass das Team als solches funktioniert", sagt Ralf Souquet. Der Kapitän des alten und neuen Meisters Dachau hat 13 seiner 16 Partien gewonnen. Nur Albin Ouschan war mit einer Quote von 13:1 besser.

(Foto: Toni Heigl)

Nicht umsonst hat der BSV den Ruf, der FC Bayern München des Billards zu sein. "Dafür muss man ganz schön rudern", sagt Huber. Der Dachauer Vorsitzende ist ein streitbarer Billard-Verrückter, Huber lebt für seinen Sport. In ausdauernder Kleinarbeit hat er diese meisterlichen Strukturen geschaffen, auch eine Begeisterung bei Oberbürgermeister und Landrat für seinen Verein geweckt. Die Bedingungen in Dachau sind daher gut wie nirgends in der Republik, freilich fällt der Saisonetat für die Billard-Bayern mit etwa 35 000 Euro geradezu mickrig aus. Der BSV ist zudem der einzige Klub, der sich über die Unterstützung eines eigenen Fanklubs freuen kann, ein weiteres Argument für diese Spitzenspieler, den Weg zum BSV zu finden. "Es passt alles hier", bestätigt Spielführer Souquet, dann fügt er an: "Ich gehe davon aus, dass das Team so zusammenbleibt." Keine gute Nachricht für die Konkurrenz.

© SZ vom 15.03.2017
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