"Linksaußen":Töpfchen sucht Deckelchen

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Wo knüpft man in Zeiten der Kontaktbeschränkung zwischenmenschliche Kontakte? Im Sportverein natürlich.

Kolumne von Ralf Tögel

Hat sich schon mal jemand die Frage gestellt, wie es in diesen Zeiten des großen Abstandhaltens den Dating-Portalen geht? Es ist nicht ganz so einfach, jemanden kennenzulernen, wenn man sich ihm (oder ihr) nicht nähern darf. Bei so einem ersten Treffen geht es um Esprit, Aura, Gerüche, flüchtige Berührungen - aber hinter einer Plexiglasscheibe? Und was kann man nicht alles hinter einem Mund-Nase-Schutz verstecken? Kein Wunder jedenfalls, dass die Pressesprecherin des Gesamtverbands der Ehe- und Partnervermittlungen Alarm geschlagen hat. Den Agenturen stehe das Wasser bis zum Hals.

Und jetzt auch noch das: Erste zarte Versuche von vereinsamten Herzen, sich am Ballermann oder an der bulgarischen Goldküste in einen erfolgversprechenden Kontaktzustand zu saufen und probeweise dieses vermaledeite Virus mal auszublenden, wurden sofort schnöde von den Ordnungsorganen unterbunden und nun sogar für zwei Monate verboten - mindestens! Da muss man sich doch ein neues Betätigungsfeld suchen: den guten alten Sportverein.

Andrea und Daniele, einst in Freak City vereint, finden sich wieder in der Weltstadt mit Herz

Es mehren sich die Zeichen, dass ein findiges Unternehmen diesen Geschäftszweig entdeckt hat, denn plötzlich findet immer öfter zusammen, was zusammen gehört. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass der Basketballtrainer Andrea Trinchieri jetzt den Weg nach München findet, in die Weltstadt mit Herz? Nun ist er wieder mit Daniele Baiesi vereint, wie damals in "Freak City" Bamberg, bis die Beziehung zerbrach. War wohl Eifersucht im Spiel, was man so hört, kein Wunder bei zwei heißblütigen Italienern. Großer Erfolg, großes Drama, großer Stoff eigentlich für ein Musical von Andrew Lloyd Webber. Und nun soll die Beziehung wieder aufflammen und ähnlich fruchtbar werden wie damals, rein sportlich natürlich, an Bamberg kam seinerzeit nämlich niemand vorbei.

Wer weiß, vielleicht taucht ja noch ein gebrochenes Herz in der nördlichsten Stadt Italiens auf: Svetislav Pesic hat ja kürzlich den Dienst in Barcelona quittiert, für einen verdienten ehemaligen Mitarbeiter sollte doch in romantischer Erinnerung ein Plätzchen frei sein: Berater, Schlichter, gute Seele. Das mit dem Vermitteln funktioniert offenbar so gut, dass die Idee ausgeweitet wurde - auf die Profis. Da gibt es gerade einige Erfolgsmeldungen von der Partnertausch-Börse. Bamberg und Göttingen haben zum Beispiel den Trainer getauscht, nun probieren es Roel Moers (jetzt mit Göttingen liiert) und Johan Roijakkers (in Bamberg glücklich) halt mal mit einem anderen Gspusi. Damit sich der niederländische Coach recht schnell einfinde, durfte er sogar seinen Hundt mitnehmen. Den Spieler natürlich, Bennet mit Vornamen, und dazu noch Dominic Lockhart, das könnte eine große Romanze werden. Es sind ja sowieso auffallend viele Spieler wieder zu haben. Der Münchner Maodo Lo flirtet gerade mit Berlin, wie man hört. Muss sich nur noch ein williger Hauptstädter zum Austausch von Körperkräften finden, und der Ringelreihen wäre perfekt. Sollte zu machen sein, zumal es vor Jahren, man erinnert sich zum Beispiel an Nihad Djedovic, schon mal zwischen den beiden Klubs heftig gefunkt hat.

Auffallend viele Bamberger Spieler sind derzeit erfolgreich bei der Suche nach einem neuen Partner. Louis Olinde wurde kürzlich nach Berlin vermittelt, und schon ist Kenneth Ogbe bei den Oberfranken begrüßt worden, er kommt: aus Berlin. Elias Harris ist dagegen noch zu haben. Böse Zungen behaupten, er sei wegen seines reiferen Alters (31) nicht ganz so leicht vermittelbar. Aber es scheint so, als hätten die Bamberger, denen ja das Geld knapp und knapper wird, eine neue Einnahmequelle gefunden. Und wie sagt der Volksmund? Am Ende wird jedes Töpfchen sein Deckelchen finden. Vielleicht ein kleiner Trost für die Partnerschaftsbranche.

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