Linksaußen Ärmster Hund der Welt

München liegt im Zamperl-Ranking nur auf Platz vier hinter Berlin, Essen und Bochum. Bochum! Dabei hätte die Kapitale so viel zu bieten: Dog-Frisbee, Dog-Dancing und noch viel mehr. Auch in Herrsching heißt es: Hunde müssen draußen bleiben.

Von Sebastian Winter

Aus aktuellem Anlass folgt nun ein kleiner Ausflug ins Reich des Canis lupus familiaris, von unsensiblen Naturen Köter genannt. Es dürfte trotz überschaubarer Quellenlage nicht ganz falsch sein, seine Zahl in Deutschland auf acht bis neun Millionen Exemplare zu schätzen. Wobei wir schon bei der gefühlten Hundehauptstadt München wären. Dort lief zwar 1972 ein Dackel - Waldi - als Olympiamaskottchen herum. Im Vier-Pfoten-Ranking des Kreditgebers Vexcash lag die Isar-Metropole in puncto Hundedichte pro Quadratkilometer kürzlich aber nur auf dem vierten Platz - hinter Spitzenreiter Berlin, Essen und Bochum. Bochum!

Diese beschämende Statistik hätte der Großraum gerade aufpolieren können mit einem vierbeinigen Neubürger. Schließlich wollte der US-Volleyballer Ryan Jay Owens samt seinem Boston Terrier "Buddy" zum Erstligisten Herrsching an den Ammersee ziehen. Doch der Deal platzte in letzter Sekunde, weil der TSV gerade keine Wohnung frei hat, in der Hunde erwünscht sind. Und in die hundefreundliche WG eines künftigen Mitspielers wollte Owens nicht ziehen mit seinem treuen Freund. So reiste er samt seinem "Boston Buddy" wieder ab.

Dog-Frisbee, Dog-Dancing: Es hätte so schön sein können

Hätten die Herrschinger bloß über den Tellerrand geschaut und einschlägige Fachliteratur überflogen, dann hätten sie vielleicht doch noch eine Lösung gefunden. Schließlich heißt es dort, dass der Boston Terrier freundlich, lebhaft, intelligent und deshalb ein einzigartiger Begleithund sei. Ach, wie hätte er die langen, drögen Auswärtsfahrten des TSV, beispielsweise am kommenden Samstag zum Pokal-Viertelfinale in die wahre Hundehauptstadt Berlin, versüßen können. Und so ein Gassi am See, 500 Meter von ihrer Nikolaushalle entfernt, hätte doch auch was gehabt. Allein schon als Joggingpartner und Quasi- Personal-Fitnesstrainer.

Überhaupt, diese Freizeitmöglichkeiten für Buddy in und um München: Hundefriseure, Hundepensionen, Hundemetzgereien (also für Hunde), dazu ein überbordendes Sportangebot: Flyball, Dog-Frisbee, Dog-Dancing und jede Menge mehr. Neue Freunde hätte er über die Hundeversion der Dating-Plattform Tinder, Tindog, bestimmt auch gefunden. Ganz nebenbei wäre Owens' Terrier für den TSV (#geilsterclubderwelt) dank seines Social-Media-erprobten Herrchens ein perfekter Markenbotschafter gewesen, als "geilster Hund der Welt". Womöglich hätte er bald Promikläffer wie Felix Neureuthers Buddy, Sven Ulreichs Nala, Mesut Özils Balboa oder die Vierbeiner von Superstars wie Lindsey Vonn, Serena Williams, Alexander Owetschkin und Tom Brady auf Instagram und Facebook überholt. Nur an der gewaltigen Bordeaux-Dogge von Lionel Messi hätte sich der Terrier noch lange die Zähne ausgebissen.

All das wird nicht passieren, und womöglich lag Owens mit seiner Entscheidung goldrichtig: Denn während der Saison gilt seit diesem Jahr im Landkreis Starnberg striktes Hundeverbot an Badestränden. Und, frisch aus Herrsching vermeldet: Ein Hund musste diese Woche in die Tierklinik, weil er an einem Giftköder geknabbert hat. Ausgang ungewiss. Gutes Bauchgefühl, Boston Buddy!