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Kickboxen:Verschnupfte Weltmeisterin

Steko s Fight Night - WKU Weltmeisterschaft - Kickboxen, bis 62,5 Kg, Titelverteidigerin Marie Lang (München, grau-schw; Stekos Fight Night Kickboxen

Marie Lang (re.) bearbeitete ihre Gegnerin mit harten Kicks. Letztlich rettete sie ihren Vorsprung über die Zeit.

(Foto: imago images/Stefan Bösl)

37. Sieg im 37. Profi-Auftritt: Die 33 Jahre alte Wahl-Münchnerin Marie Lang verteidigt in einem harten Kampf trotz hartnäckiger Erkältung ihren Titel. Auch die Steko-Schützlinge Pascal Schroth und David Dardan Morina sind erfolgreich.

Der Gong schepperte, der Kampf war vorbei, und Kickboxerin Marie Lang wirkte sichtlich erleichtert. Als sie ihrer Gegnerin Alja Lukac aus Serbien die Hand gab, huschte ihr ein Lächeln übers Gesicht. Sie wird froh gewesen sein, dass nicht weitergekämpft werden musste, denn Lang war sichtlich erschöpft - und hatte die beiden letzten Runden verloren. Vielleicht verriet ihr Lächeln ja, dass die 33 Jahre alte Wahl-Münchnerin schon ahnte, dass es trotzdem zur Titelverteidigung gereicht hatte. Und so war es auch: Die dreiköpfige Jury kürte Marie Lang zur einstimmigen Siegerin nach Punkten (50:47, 50:46, 49:47). Es war der 37. Sieg im 37. Profikampf - eine beeindruckende Serie. Lang verteidigte am Sonntagabend im Showpalast München ihren Titel im Halbschwergewicht (bis 62,5 Kilogramm) im Vollkontakt-Kickboxen. Damit ist sie weiterhin fünffache Weltmeisterin.

Doch diese Titelverteidigung war für die deutsche "Kickbox-Queen", wie sie genannt wird, anstrengender und knapper als gewohnt. "Ich hatte wirklich Angst und Bange, ob sie es schafft", gab Trainer Mladen Steko, selbst ehemaliger Kickbox-Weltmeister, ehrlich zu. Zum einen kämpfte Lang gegen eine herausragende Gegnerin. Die 25-jährige Lukac war vor dem Duell in 24 Profikämpfen ungeschlagen, ist selbst Weltmeisterin in der Gewichtsklasse bis 57,5 Kilogramm. Zum anderen war Lang nicht topfit, sie hatte mit den Folgen einer Erkältung zu kämpfen. "Marie lag eine Woche krank im Bett, trainierte erstmals am Mittwoch beim Pressetraining wieder. Dann aufzustehen und sich so zu präsentieren, das zeugt von einem großen Kämpferherz", sagte Steko. Bis zu ihrer Erkältung lief das Training der 33-Jährigen gut. Sie sprach selbst von der "besten Vorbereitung seit Jahren".

Lang probierte zudem etwas völlig Neues: Sie ernährt sich seit Jahresbeginn vegan. Auch Trainer Steko war von der Vorbereitung seiner Kämpferin beeindruckt. Er bestätigte, dass sie sich bis zu ihrer Erkältung in einer großartigen Verfassung präsentiert habe.

Öfter mal was Neues: Seit Jahresbeginn ernährt sich die Kämpferin vegan

Zu Beginn des Kampfes war Lang indes keine Erkrankung anzumerken. Sie war ihrer neun Zentimeter kleineren Herausforderin körperlich überlegen, ging direkt in die Offensive. In den ersten beiden Runden war Lang die bessere Kämpferin. Sie drängte die Serbin des Öfteren in die Ecken des Rings, setzte immer wieder wirkungsvolle Treffer. Dass Lukac mehrmals die Deckung herunternahm, um Lang zu provozieren, ließ die Deutsche kalt. "Unser Konzept war es, ihre Spielereien mit Kicks zu unterbinden und sich nicht darauf einzulassen", verriet Steko.

Vor allem in der dritten Runde fanden Langs Tritte ihr Ziel. Es war auch ihre stärkste Runde. Mladen Steko munterte sie währenddessen immer wieder auf: "Weiter so. Das spürt sie jetzt." Er mahnte aber im gleichen Moment: "Pass auf den Haken auf!" Den berüchtigten Haken demonstrierte die Herausforderin aus Serbien dann in der vierten Runde mehrmals. Lukac, die als starke Boxerin gilt, biss sich zurück in den Kampf und ging erstmals selbst in die Offensive. Die Herausforderin war in den letzten beiden Runden überlegen, Lang hingegen müde. Die Folgen der Erkältung machten sich bemerkbar: "In den ersten drei Runden habe ich mich vorne gesehen. Am Ende habe ich dann abgebaut, weil einfach die Luft gefehlt hat", analysierte sie und fügte hinzu: "Aber es war ein guter Kampf und ich freue mich, dass der Titel in München bleibt."

Zwei weitere Titel blieben am Sonntagabend ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt. Die Steko-Schützlinge Pascal Schroth (Mittelgewicht Kickboxen K1) und David Dardan Morina (Supermittelgewicht Kickboxen K1) beendeten ihre Kämpfe ebenfalls erfolgreich. Schroth, der nach einem Genickbruch seinen zweiten Profikampf bestritt, setzte sich souverän gegen den Griechen Giannis Boukis durch. Für seine Titelverteidigung benötigte Schroth nicht einmal zwei Runden, er gewann in beeindruckender Manier durch Knock-out.

Der in Ingolstadt lebende Morina musste gegen den erfahrenen Slowaken Vladimir Konsky dagegen über die vollen fünf Runden gehen, siegte aber einstimmig nach Punkten. Wie Steko-Teamkollegin Marie Lang hatte Morina vor dem Kampf mit einer Erkältung zu kämpfen. Außerdem erlitt der 29-Jährige während der Vorbereitung nach eigener Aussage einen Bandscheibenvorfall. "Es gibt Zeiten, da hasse ich, was ich mache. Aber dann gibt es Momente wie diesen, in denen ich wieder merke, dass Kickboxen einfach der geilste Sport ist." Der Gong hatte da schon längst gescheppert.

© SZ vom 18.02.2020
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