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HCD Gröbenzell:Weckruf des Rumpelstilzchens

Handball 3. Liga Frauen

„Ein ganz anderes Gefühl“: Auch die Rückkehr von Torhüterin Lydia Sölva gab ihrem Team Zuversicht.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Die Rückkehr von Trainer Hendrik Pleines und Torhüterin Lydia Sölva verhilft Gröbenzells Handballerinnen zu mentaler Stärke - und zu einem Sieg gegen Allensbach.

Es lief die letzte Minute der ersten Halbzeit, da bündelte sich in einer kleinen Szene am Spielfeldrand vieles von dem, was sich zuvor schon hatte erkennen lassen. Hendrik Pleines prügelte dort gerade heftig auf einen Sprungkasten ein. Das Duell mit dem SV Allensbach am Samstag war das erste für die Gröbenzeller Drittliga-Handballerinnen seit Pleines' Rückkehr auf die Trainerbank des HCD, und damit war nun einer zurück, der seine Spielerinnen von außen nimmermüde mit Energie versorgt. Manchmal brechen sich die Emotionen eben Bahn. Nadja Greinert hatte zuvor zum 14:12 für Allensbach getroffen, Pleines verzweifelte an seiner Abwehr. Kurz zuvor hatte die diesmal starke Lena Klingler, am Ende mit neun Treffern beste Werferin des HCD, das Anschlusstor erzielt, und nun, nach Pleines' Weckruf, traf Lisa Salvermoser im Gegenzug noch zum 13:14. So ging es in die Kabinen.

Was danach passierte, nahmen viele der 180 Zuschauer in der Sporthalle an der Wildmoosstraße vermutlich augenreibend zur Kenntnis, zumindest wenn sie die jüngsten drei Niederlagen zum Ende der Hinrunde noch im Kopf hatten. Mutig, entschlossen, ja unter Hochspannung kehrten die Gröbenzellerinnen auf das Spielfeld zurück und erkämpften sich gegen die als Tabellenvierte angereisten Gäste einen auch in dieser Höhe verdienten 30:23-Sieg.

Es war ein perfekter Einstand für den 35-jährigen Pleines, der sich nach der Geburt seines ersten Kindes und aus beruflichen Gründen eigentlich aus der Trainerarbeit zurückgezogen hatte. Nach der schwachen Hinrunde des HCD allerdings soll er nun, gemeinsam mit dem bisherigen Cheftrainer Konstantin Schlosser, den Abstiegskampf anleiten. Dass dies auf Anhieb so gut klappte, ließ Pleines dann selbst schmunzeln. "Es ging darum, dass wir die Abwehr, die Konsti mit der Mannschaft erarbeitet hat, auch auf die Platte bringen können. Wenn das, dass ich hier auf der Bank Rumpelstilzchen mache, dazu beiträgt, dann haben wir das erreicht."

Freilich ist sein Wert größer, allein schon wegen der "Erfahrung, die er mitbringt", wie es Christine Königsmann deutete. Die Rückraumspielerin wurde dank einer starken zweiten Halbzeit und fünf Toren zur besten Akteurin des Spiels gewählt. Entscheidend war der berühmte Hallo-Wach-Effekt, den Pleines zum Rückrundenauftakt in die Mannschaft trug, seine Präsenz als zusätzlicher Motivator und Antreiber. "Mental hilft der Input weiter, das Ganze hatte einen Charakter von Wachrütteln", fasste es Torhüterin Lydia Sölva zusammen, die nach einigen Wochen Verletzungspause in guter Form zurückgekehrt war und für ihr Team nicht nur durch ihre zahlreichen Paraden eine wichtige Unterstützung war. "Uns war klar: Wir gewinnen das Ding heute, wir sind mit einem ganz anderen Gefühl auf die Platte", sagte sie. Daran hatte sie selbst großen Anteil.

Es waren also zwei Rückkehrer, die den HCD Gröbenzell an diesem Abend einmal durch- und später im Spiel endgültig wachrüttelten. Aggressiv, aber fair in der Abwehr, zwangen die HC-Damen die Allensbacherinnen in Hälfte zwei zu leichten Fehlern und schwierigen Würfen. Offensiv wurden sie mit zunehmender Spieldauer konsequenter und geradliniger, das Tempospiel ließ sich immer besser an. Entsprechend erleichtert und zufrieden waren beide Trainer - auch mit sich selbst als Doppelspitze. "Ich war nervös, es war ein wichtiges Spiel", gab Pleines zu. "Wenn wir das Ding mit zehn Toren verlieren, kann das auch nach hinten losgehen."

Das tat es nicht, weil beide schon jetzt prima miteinander harmonieren. Pleines kümmert sich um die Abwehr, Schlosser um den Angriff. Sie kennen sich aus der vergangenen Spielzeit, als sie den HCD auch schon gemeinsam trainierten, nur eben nicht als gleichberechtigtes Duo. Das sei "eine zusätzliche Herausforderung, da wir auf der Bank mehr absprechen müssen", erklärte Schlosser. Alles in allem funktioniere es gut. "Wir haben eine ziemlich ähnliche Idee von dem, was wir machen wollen".

Gegen Allensbach ging diese Idee auf. Doch Pleines weiß: "Nun geht es darum, diesen Heimsieg zu vergolden." In knapp drei Wochen gegen den TSV Wolfschlugen. Für Notfälle gibt es sicher auch dort einen Sprungkasten.