bedeckt München 19°

Futsal:Tief überlegen

"Auf einmal stand er da", sagt FC Deisenhofens Trainer Peter Schmidt über Masaaki Takahara: Der probierte sich zuvor in Barcelona und kickt nun beim FC Unterföhring.

(Foto: Claus Schunk)

Im Spitzenspiel der Bayernliga fegt der FC Deisenhofen den TSV 1860 München mit 12:2 vom Parkett. Der Titel ist ihm damit nicht mehr zu nehmen

Von Philipp Jakob

Nein, schlecht sei der Auftritt des FC Deisenhofen sicherlich nicht gewesen, sagt Thomas Dötsch und muss angesichts dieser maßlosen Untertreibung lachen. Nur in einem Punkt war er am vergangenen Sonntag nicht hundertprozentig zufrieden: "Wir hätten bestimmt noch das ein oder andere Tor mehr schießen können", meint der Trainer der Deisenhofener Futsaler, "aber das ist Jammern auf hohem Niveau." Der Blick auf den Spielberichtsbogen bestätigt Letzteres: Mit 12:2 Toren hat der Tabellenführer der Futsal-Bayernliga den Lokalrivalen 1860 München aus der Halle geschossen.

Für Dötsch war der Erfolg in zweierlei Hinsicht etwas ganz Besonderes: "Erstens war es ein Derby, und zweitens war es das Duell des Ersten gegen den Zweiten." Dementsprechend motiviert gingen seine Spieler zu Werke. Und dementsprechend zufrieden sei er nun mit dem Ergebnis. In der 13. Spielminute eröffnete Deisenhofen den Torreigen, bis zu diesem Zeitpunkt sah Dötsch ein relativ ausgeglichenes und vor allem ein "richtig gutes Futsal-Spiel". Spätestens nach der Halbzeitpause war der FCD allerdings nicht mehr zu stoppen.

Kurz nach der Pause erhöhte Deisenhofen innerhalb von nur fünf Minuten mit vier Treffern auf 7:0. Vor allem Martin Bachhuber und Masaaki Takahara zeigten sich mit jeweils vier Toren gut aufgelegt. Für Dötsch war aber die Tiefe seiner Mannschaft entscheidend. Im Gegensatz zu den Löwen konnte er munter durchwechseln. Ähnlich war es eine Woche zuvor gegen den TSV Neuried gelaufen. Auch der Fünftplatzierte und damit Vorletzte der Bayernliga hielt eine knappe Viertelstunde gut mit, "dann ging ihnen die Puste aus". Am Ende gewann Deisenhofen 13:2.

Kantersiege sind in dieser Saison ohnehin eher die Regel als die Ausnahme. Mit acht Siegen aus acht Spielen steht der FC Deisenhofen in seiner ersten Saison in der Bayernliga unangefochten an der Tabellenspitze. Das Torverhältnis: 91:17. "Wir wussten, dass wir nicht schlecht sind", sagt Dötsch. "Wir haben aber nicht gedacht, dass wir so dominant sind." Nach dem Sieg gegen die Löwen, den ärgsten Verfolger, ist Deisenhofen der erste Platz eigentlich nicht mehr zu nehmen. Dabei musste das Team bisher auf seinen besten Spieler verzichten. Futsal-Nationalspieler Danijel Majdancevic hat in dieser Spielzeit noch gar keine Partie im Trikot des FCD absolviert. "Es hat sich einfach noch nicht ergeben", erklärt Dötsch lapidar. Entweder kam ein Urlaub dazwischen oder die Termine kollidierten mit Spielen des TSV 1860 Rosenheim, für den Majdancevic in der Fußball-Regionalliga aufläuft.

Viele von Dötschs Spielern sind bei anderen Vereinen aktiv, die meisten beschäftigen sich nur nebenher mit dem technisch anspruchsvolleren Futsal. Daher habe sein Team seit November nur fünf Mal trainieren können. Dennoch geht der Weg für Deisenhofen steil nach oben. Erst vor zwei Jahren gründete sich das Team, von der Bezirksliga ging es schnurstracks (und mit einem Torverhältnis von 159:13) in die Bayernliga. "Mir macht das richtig Spaß", sagt Dötsch angesprochen auf die Entwicklung der Mannschaft. Und: "Ich hoffe, dass wir wieder aufsteigen." Nach dem zu erwartenden Durchmarsch in der Bayernliga geht es Mitte März gegen den Hessenmeister um den Aufstieg in die Regionalliga, Deutschlands höchste Spielklasse. "Das ist eigentlich Wahnsinn", sagt Dötsch. Dieses Mal untertreibt er nicht.

© SZ vom 31.01.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite