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Futsal:Schlechte Verlierer

Pendler zwischen den Welten: Maximilian Mayer spielt Futsal und Landesliga-Fußball für den FC Deisenhofen.

(Foto: Claus Schunk)

Ungeschlagen in die Regionalliga: Der FC Deisenhofen steigt in die höchste Spielklasse auf.

Von Christoph Leischwitz, Deisenhofen

In der Relegation gewann der FC Deisenhofen gegen den SV Dersim Rüsselsheim mit 16:4 und 11:3, der Jubel am vergangenen Samstag in der Halle der Hessen war groß. "Wir sind jetzt seit zwei Spielzeiten ungeschlagen und haben in diesen beiden Jahren den Aufstieg von der Bezirksliga über die Bayernliga bis hin zur Regionalliga geschafft", freute sich Trainer Thomas Dötsch. Man könnte also davon ausgehen, dass die nunmehr beste oberbayerische Futsal-Mannschaft eine Art Überflieger sein könnte. Zumal das Team nicht nur aus Deisenhofener Spielern besteht, sondern aus einem Zusammenschuss mehrerer Spieler, die auch mal aus Buchbach oder Rosenheim anreisen. Eine Hallen-Allstar-Truppe sozusagen, in der zum Beispiel auch der ehemalige tschechische Nationalspieler Roman Tyce dabei ist.

Worauf es in der Halle ankommt? "Gutes Kurzpassspiel, viel laufen", sagt FC-Trainer Dötsch

Doch in Wahrheit herrscht in Deisenhofen eher noch Aufbruchsstimmung. Im vergangenen Winter hat das Team an einem Turnier in Tschechien teilgenommen, der Kontakt kam über Tyce zustande. "Da haben wir erst mal gesehen, wie Futsal richtig gespielt wird", sagt Trainer Dötsch ehrfürchtig. Deutschland ist eben ein Entwicklungsland des Hallensports ohne Bande. Und nun, da man in die höchstmögliche Spielklasse aufgestiegen ist, werden die Siege lange nicht mehr so hoch ausfallen und nicht mehr so häufig sein. Eines der drei anderen bayerischen Teams, der SSV Jahn 1889 aus Regensburg, wurde in der abgelaufenen Saison Regionalliga-Meister.

Alles begann 2015, als sich Dötsch und sein Freund Martin Mayer zusammensetzten und sich fragten, ob sie nicht eine Hallenmannschaft unter dem Dach des FCD zusammenstellen wollen. Daraus wurde dann ein Futsal-Team, weil der bayerische Verband damals Turniere nach Futsal-Regeln anbot. Das Team fand schnell zusammen, es waren gute Spieler darunter. "Gute Techniker, aber keine Zocker", sagt Dötsch. Es habe mittlerweile auch schon einen Spieler gegeben, von dem man sich habe trennen müssen, weil er schlicht zu eigensinnig spielte. Worauf es im Futsal ankommt? "Gutes Kurzpassspiel, viel laufen", sagt Dötsch.

Mehrere Externe bekamen die Erlaubnis, unter dem Namen des FC im Futsal anzutreten. Und mit guten Eigengewächsen wurde Deisenhofen vom Fleck bayerischer Meister - danach kann man ja nicht einfach aufhören. Deisenhofen meldete sich für den Spielbetrieb an. "Wir sind froh, dass wir das machen können", sagt Dötsch. Zum einen muss der Cheftrainer der Fußballer zustimmen, sonst hat man es schwer, einen beständigen Kader zusammenzustellen - und Peter Schmidt, der Coach des Landesligisten, ist der Sache gegenüber mehr als aufgeschlossen. Darüber hinaus braucht es Spieler mit Herzblut. Die Saison findet zwischen Oktober und März statt, also zu einem großen Teil dann, wenn andere mal ihre Füße auf den Couchtisch legen. Und wenn sich die Spieltage mit jenen der Rasenkicker überschneiden, wartet oft ein stressiges Wochenende. Für die kommende Regionalliga-Saison wird man sich im Verein schon bald besprechen, dass Partien der Landesliga und der Futsal-Regionalliga möglichst nicht am gleichen Tag stattfinden.

Trainiert haben die Futsaler noch kein einziges Mal zusammen, dafür ist nicht genug Zeit. Und es wird trotz der verbesserten Infrastruktur und größerer öffentlicher Aufmerksamkeit schwer werden, das Niveau flächendeckend anzuheben. "Ein guter Amateurfußballer wird sich immer für den Fußball draußen entscheiden, wenn man in der Bayernliga noch ein paar Euro dafür bekommt", sagt Dötsch. In Regensburg könne man vielleicht auch schon ein wenig verdienen, in Deisenhofen wird das noch eine ganze Weile dauern.

Angemessene Konkurrenz gibt es in Bayern. Zwar muss Dötsch keinen Transferpoker wie bei den Rasenkickern befürchten, doch auch in der höchsten deutschen Spielklasse steht schon ein erster namhafter Wechsel an. Futsal-Nationalspieler Danijel Majdancevic, der schon für den SV Heimstetten und für Deisenhofen auf Rasen spielte, wird voraussichtlich in der kommenden Futsal-Saison vom FCD zu den Regensburgern wechseln.

© SZ vom 21.03.2017

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