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Futsal:Mit leichten Füßen und schweren Beinen

Deutschland - England

Kräftemessen mit England: Seine Erfahrung als Futsal-Nationalspieler soll Danijel Majdancevic (re.) auch an sein Deisenhofener Team weitergeben.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Trotz Doppelbelastung: Deisenhofen will ins Oberhaus

Von Sandra Mooshammer, Oberhaching

Flach und scharf wird der Ball nach innen getreten, an allen vorbei. Einige Spieler drehen sich um und schauen ihm verdutzt nach. "Nein, so nicht", seufzt Danijel Majdancevic und trabt aus dem Rückraum heran. Er hatte sich dort für einen Torschuss postiert, nun legt er einem Spieler die Hand auf die Schulter und erklärt: "Du musst den Ball mit der Sohle stoppen, dann legst du ihn zurück."

Majdancevic ist nicht etwa Futsal-Trainer beim FC Deisenhofen, sondern ein einfacher Spieler seines Teams. Doch weil er inzwischen auch deutscher Nationalspieler ist, hat er seine Mitspieler wie Hütchen aufgestellt, er gestikuliert, macht Laufwege vor und diskutiert mit Thomas Dötsch, dem eigentlichen Trainer, über imaginäre Areale auf dem grünen Hallenboden. Der FC Deisenhofen braucht noch Eckenvarianten für die neue Saison, die für das Team an diesem Sonntag losgeht (16 Uhr, Neuried). Majdancevic hat bei der Nationalmannschaft viele geübt. Diese Erfahrung soll er nun an seinen Verein weitergeben.

"Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir heute mehr trainieren und weniger spielen", gesteht Majdancevic nach dem Training. Fast zwei Stunden hat das Team einfach nur Futsal gespielt, die Ecken kamen ganz am Schluss dran, für ein Viertelstündchen: "Taktisch sind wir unclever, da können wir viel verbessern." Die Laufwege stimmen nicht, findet Majdancevic. Das Team riskiere vorne zu viel und lasse dann Konter zu. Die Aggressivität in den Zweikämpfen sei zu niedrig.

Doch die Deisenhofener haben das viele Spielen gebraucht. Es ist das erste und einzige Training vor Saisonbeginn. Seit dem Aufstieg vor fast zehn Monaten standen sie nicht mehr gemeinsam in der Halle. Ein zeitliches Problem: Fast alle sind im Freien für höherklassige Fußballklubs aktiv. Wie Majdancevic selbst: Der ehemalige Heimstettener tritt für den Regionalligisten 1860 Rosenheim an. Sein Futsal-Team muss sich also erst wieder finden. Auch die Umstellung braucht Zeit. Vier Feldspieler und ein Torwart stehen hier auf dem Platz, jeder ist ständig unterwegs. Futsal ist technisch anspruchsvoller als Fußball, weil die Spieler sich auf engem Raum durchsetzen müssen, auch der schwerere Ball springt weniger.

Erst vor zwei Jahren entstand die Mannschaft, eher zum Spaß. Als sich auf Anhieb Erfolge einstellten, wollte das Team mehr - und stieg von der Bezirks- in die Bayernliga auf. Sieben Spiele, sieben Siege. Eine Torbilanz von 159:13. Nun stehen sie in einer Liga mit dem TSV 1860 München und dem TSV Neuried, und wieder wollen sie aufsteigen. Alle sind sich sicher, dass das locker machbar sei. Die Qualität sei da. Dann stünde Deisenhofen in der Regionalliga, der höchsten deutschen Spielklasse. Dabei ist ihr Team immer noch eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam weggehen, abends mal was trinken. Wer menschlich nicht dazu passe, werde nicht aufgenommen, auch wenn er ein Topspieler sei.

Wie es weitergeht, falls Deisenhofen wirklich aufsteigt, weiß keiner, "beim Verein gibt's dafür keine Pläne", gesteht Trainer Dötsch. Sie müssten dann wohl öfter trainieren. Es käme zu gewaltigen Überschneidungen mit dem Fußball. Auch die körperliche Belastung wäre enorm, vor allem in den Stoßzeiten November und Januar/Februar, wo Futsal und Fußball parallel stattfinden. Einige müssten im Freien wohl kürzer treten. Schon bisher ist die Doppelbelastung schwierig: Martin Mayer, eigentlich Kapitän des Futsal-Teams, darf diese Saison gar nicht spielen. Sein Fußballverein hat es ihm verboten.

Langfristig wäre ein reines Futsalteam ideal. Der ehemalige Profi Roman Tyce macht das schon so, er spielt bei Deisenhofen nur noch Futsal. Er schätzt den immer gleichen Boden, die fliegenden Wechsel. Majdancevic ist sich sicher: "Wenn sich das mal ähnlich entwickeln würde wie der Fußball - also wenn wir viermal die Woche trainieren, die Liga das ganze Jahr geht und man finanziell entschädigt wird - würden bestimmt viele überlegen, nur Futsal zu spielen." Doch so professionelle Strukturen gibt es in Deutschland nicht. Diese Saison muss noch kein Futsalspieler auf Fußball verzichten. "Was wir an Training haben, reicht auf dem Level", pflegt Tyce zu sagen. Keiner widerspricht. Ecken üben sie trotzdem. Im zweiten Anlauf klappt auch die Variante, die Majdancevic erklärt hat: Pass, Sohle, er sprintet in die Lücke und zieht ab. Die Saison kann kommen.

© SZ vom 12.11.2016

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