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Fußball-Regionalliga:Zur Belohnung Schokoriegel

"Ich weiß nicht, wie man Haching in dieser Form stoppen will": Beim 2:2 gegen den FC Bayern II zeigt sich die SpVgg der Konkurrenz deutlich überlegen. Gefährlich werden könnten ihr nur mangelnde Konsequenz im Abschluss und der Ausfall von Abwehrchef Welzmüller

Manfred Schwabls Bauch benötigte einige Sekunden, um die Frage zu verdauen. Die Frage an ihn lautete, welches Gefühl denn gerade überwiege. Stolz auf die Leistung seiner Mannschaft, die mit einem 2:2 (0:0) im Regionalliga-Derby beim FC Bayern München II einen Konkurrenten auf Distanz gehalten hatte. Oder Enttäuschung darüber, dass sie trotz zum Teil drückender Überlegenheit einen Sieg vergeben habe. Eigentlich sei er ja "total enttäuscht vom Ergebnis", sagte dann der Präsident der SpVgg Unterhaching. Trotzdem entschied er sich für ein "Lob dafür, wie die Mannschaft hier aufgetreten ist. Sie hat sich halt nur nicht belohnt."

So hat es der Tabellenführer zwar versäumt, seine Führung vielleicht schon vorentscheidend auszubauen. Doch von DFB-Vizepräsident Rainer Koch über Uwe Wolf, Trainer von Wacker Burghausen, der auf der Tribüne saß (und am Samstag in Unterhaching antritt), bis zum interessierten Fernsehzuschauer in Kiel (Sport1 übertrug die Partie aus dem Grünwalder Stadion live) dürfte allen trotz des Ergebnisses klar geworden sein: Diese SpVgg hat in der Regionalliga eigentlich nichts verloren. Bayerns Trainer Heiko Vogel formulierte es so: "Ich weiß nicht, wie man Haching in dieser Form über 34 Spiele stoppen will."

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Die Hachinger Luca Marseiler, Alexander Winkler, Ulrich Taffertshofer und Maximilian Nicu (v. li.) zwischen Jubel und Ärger.

(Foto: Imago)

Der Qualitätsunterschied zwischen dem Ersten und dem Dritten war zumindest phasenweise so groß, wie man ihn in kaum einer anderen Liga zu sehen bekommt. "Das war", an dieser Stelle blies Vogel kurz durch beide Backen, "erdrückend. Ich war total unzufrieden." In der ersten Halbzeit sei die ganze Klasse des Gegners auf die "Ängstlichkeit" seiner Mannschaft getroffen, die Bayern-Abwehr kam mit dem Hachinger Pressing, dem Tempo im Umschaltspiel sowie der Präzision der Pässe in die Spitze überhaupt nicht klar.

Mit einem Detail durfte Vogel jedoch zufrieden sein, das die Spannung wahrte: Die Effektivität vor dem Tor war zurückgekehrt. Karl-Heinz Lappe war mit einer Sonntagsflanke ins hintere Eck der 1:1-Ausgleich geglückt (58.), Marco Hingerl zwischenzeitlich sogar die Führung, nach dem einzigen echten Stellungsfehler der Unterhachinger Abwehr (63.). Und Bayern darf in der Offensive auf weitere Verstärkung hoffen. Der lange verletzte Torsten Oehrl wurde gegen Haching zum zweiten Mal eingewechselt, Vogel stellte sukzessive mehr Einsatzzeit in Aussicht. Weil der Coach aber gleichzeitig nicht auf Lappe oder Abwehrchef Nicolas Feldhahn verzichten will, wird als vierter Ü23-Spieler im Kader Torwart Andreas Rössl in Zukunft wohl wieder öfter auf der Bank sitzen und durch Leo Weinkauf ersetzt.

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FCB-Trainer Heiko Vogel (l.) erklärt SpVgg-Präsident Manfred Schwabl, warum die Saison noch nicht vorbei ist.

(Foto: Buthmann/Imago)

Aus Hachinger Sicht musste man sich kurz fragen: War das zweite Unentschieden in Serie jetzt einfach nur Pech? Immerhin hatte man am Dienstag auch zum ersten Mal mehr als ein Gegentor hinnehmen müssen. "Ach, ich bin eigentlich immer relaxed", sagte Torwart Stefan Marinovic im Kabinengang, während er auf einem Schokoriegel kaute. Die Tore seien diesmal "ein bisschen komisch gewesen". Wobei die eigenen Treffer - zwei Lupfer von Sascha Bigalke und Jim-Patrick Müller (51., 68.) - gut zur Leichtigkeit des Gesamtauftritts passten. Doch Marinovic meinte natürlich vor allem die Gegentore, eines davon sei ja nur ein Glücksschuss gewesen. Und trotz der Abstimmungsprobleme beim zweiten Treffer fand Marinovic: "Wir waren auch heute defensiv stabil, wir lassen sehr wenig zu."

Im Moment könnte wohl nur die Verletzung von Josef Welzmüller dem funktionierenden Gefüge die Stabilität nehmen. Der 26-jährige Kapitän hat wahrscheinlich einen doppelten Leistenbruch erlitten. Wie wichtig Trainer Claus Schromm das Spitzenspiel und das nun anstehende Duell mit Wacker Burghausen waren, zeigt die Tatsache, dass er Welzmüller zunächst spielen lassen wollte. "Dann ist auch noch eine Schambeinentzündung dazu gekommen", sagte der Trainer. Kommende Woche werde entschieden, ob beziehungsweise wann Welzmüller operiert werden muss. Sein Ersatz habe seine Sache "ganz ordentlich gemacht", fand Schromm. Maximilian Nicu werde Welzmüller höchstwahrscheinlich dauerhaft ersetzen. "Er braucht vielleicht noch etwas mehr Ruhe am Ball, in der Spieleröffnung", sagt Schromm. Doch es ist die Frage, ob es sich wirklich um eine Schwachstelle handelt, wenn ein 33-Jähriger mit 166 Erst- und Zweitliga-Einsätzen als Lückenfüller einspringt.

Unterhaching hat nun schon gegen alle Top-Mannschaften gespielt, mit Ausnahme der U21 des TSV 1860 - diese Partie steht Ende Oktober an. Bis dahin könnten die jungen Löwen, die - bei einem Spiel weniger - derzeit sechs Punkte Rückstand haben, an Haching heranrücken. Schromm zeigt sich überrascht davon, was "Biero (Trainer Daniel Bierofka, d. Red.) da durchzieht". Und auch, wenn sich Heiko Vogel selbst nicht so anhört, auch die Bayern-Spieler haben noch Hoffnung: "Für uns sind es noch sieben Punkte Abstand, da ist noch einiges möglich", sagte Torschütze Kevin Hingerl.