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Fußball-Regionalliga:Wille ersetzt Wechsel

München: Regionalliga Fussball 16/17 - TSV 1860 v. FC Ingolstadt 04 II

Einwechselspieler Felix Bachschmid dreht nach seinem Tor zum 1:1 gegen den FC Ingolstadt II jubelnd ab.

(Foto: Johannes Simon)

1860 II dreht ein schwieriges Auftaktspiel - nicht zuletzt dank der Risikobereitschaft und Beharrlichkeit seines Trainers

Eine halbe Stunde nach dem Sieg wurden die Spieler mit Kleinbussen abgeholt. Am Ausgang klopften ihnen Fans anerkennend auf die Schulter, und da entglitt Felix Bachschmid ein breites Grinsen. "Jetzt bin i wieder da", sagte der 19-Jährige, stieg in den Bus und fuhr davon. Am letzten Spieltag der vorigen Saison hatte sich der junge Angreifer mit einem Dreierpack gegen den TSV Rain verabschiedet. Dachten alle. Noch bis vor zwei Wochen stand der Kelheimer beim TSV 1860 München II offiziell auf der Liste der Weggänge. Doch dann war er plötzlich wieder da: Trainer Daniel Bierofka hatte sich persönlich dafür eingesetzt. Laut Mittelbayerischer Zeitung hatte er damit den bereits ausgehandelten Wechsel zum TSV 1860 Rosenheim gerade noch abgewendet.

Am Montagabend nun, als die U21 der Löwen leicht verspätet in die neue Regionalliga-Saison startete, kam Bachschmid in der 56. Minute ins Spiel. 20 Minuten später erzielte er den Ausgleich zum 1:1, die Löwen drehten das Spiel und siegten gegen den FC Ingolstadt II 2:1. "Den Bachi", sagte Bierofka danach, "den kannst du immer reinschmeißen. Da weißt du immer, was du bekommst."

Der Trainer war zu Beginn der zweiten Halbzeit ein hohes Risiko eingegangen, denn in besagter 56. Minute hatte er sein Wechselkontingent bereits ausgeschöpft. In der ersten Halbzeit hatten die jungen Löwen überhaupt nicht in die Partie gefunden. "Da hat ein bisschen der Mut gefehlt", sagte Neuling Alexander Fuchs. Dass die Ingolstädter zur Pause 1:0 führten, war durchaus verdient, kam angesichts des dahinplätschernden Spiels aber trotzdem überraschend: In der 43. Minute war Sammy Ammari, einst beim SV Heimstetten, auf der rechten Seite bis zur Grundlinie vorgestoßen, von dort bediente er Thomas Kurz, der nur einzuschieben brauchte. "Ein Tor wie aus dem Nichts", fand sogar Ingolstadts Trainer Stefan Leitl.

Bierofka scheint in der Pause dann die richtigen Worte gefunden zu haben. Mehrere Löwen berichteten jedenfalls, dass die Halbzeitansprache stark auf sie gewirkt habe. "Wir haben uns dann besser bewegt, über die Außen mehr Druck entwickelt, eine bessere Balance zwischen kurzen und langen Pässen gehabt", fand der Coach, die Abläufe seien plötzlich wieder "synchron" gewesen. Im Aufbauspiel haperte es danach zwar immer noch, in der 71. Minute etwa hätten zwei haarsträubende Fehler innerhalb weniger Sekunden beinahe zum 0:2 geführt. Den erfahrenen Verteidiger Michael Kokocinski, mittlerweile mehr Co-Trainer als Spieler, ließ Bierofka aber auf der Bank, er wollte vielmehr das Spiel nach vorne stärken. Und tatsächlich war die Offensive nach den drei Auswechslungen nicht mehr wiederzuerkennen. Nicht nur Bachschmid, auch Julian Justvan und György Hursan brachten zusätzliche Dynamik. Bevor Bachschmid mit einem verdeckten Schuss zum 1:1 traf, hatten Christoph Daferner (60.), Bachschmid selbst (67.) und Justvan (71.) beste Möglichkeiten vergeben. Als der Stadionsprecher gerade das 1:1 feierte, scheiterte Justvan freistehend an Ingolstadts Keeper Fabian Buntic, und wiederum 30 Sekunden später vergab auf der anderen Seite der eingewechselte Ralf Schröder eine Großchance zur erneuten Führung für die Gäste.

Wie viel konzentrierter die Sechziger aber in der zweiten Halbzeit spielten, zeigte dann beispielhaft das 2:1, das der Debütant Fuchs erzielte: Von Simon Seferings freigespielt, lief der 19-Jährige alleine auf den Ingolstädter Keeper zu. "Ich hab schon lange überlegt: Wo schieße ich ihn jetzt vorbei?", sagte Fuchs. Er meinte damit natürlich: vorbei am Torwart. Dann entschied er sich für links und hatte alles richtig gemacht (79.).

Seine gleich zu Saisonbeginn stark ersatzgeschwächte Mannschaft habe am Schluss "über den Willen" gewonnen, fand Sechzig-Trainer Daniel Bierofka. Letztlich aber auch dank des Willens des Trainers, seinen Tor-Joker Felix Bachschmid unbedingt zurückzuholen.