Süddeutsche Zeitung

Fußball-Regionalliga:Signal nach innen und außen

Das Regionalligateam des FC Bayern lässt mit einem fulminanten 4:0-Sieg seinen Verfolger FC Schweinfurt stehen.

Ein bisschen ging es auch darum, dass die anderen nicht auf dumme Gedanken kommen. "Wenn wir heute verlieren und die gehen als Erster in die Winterpause, dann kommt da vielleicht ein Sponsor an und sagt, komm, wir reichen jetzt mal die Lizenz ein", mutmaßte Maximilian Welzmüller über den VfB Eichstätt. Denn bei dem Amateurklub hat man erklärt, gar kein Geld für die dritte Liga zu haben. Der FC Bayern II hat aber eben auch nicht verloren am Freitagabend, im Gegenteil. Mit einem 4:0 hat er den Verfolger FC Schweinfurt 05 nach Hause geschickt. Und damit ein "Signal gesendet" (Welzmüller) an den Rest der Liga: Ihr braucht euch keine Hoffnungen zu machen, der Favorit wird sich durchsetzen. Außerdem, sagte der defensive Mittelfeldspieler, sei die Winterpause so lange, dass es schon gut sei, all die Wochen draufzuschauen auf die Tabelle und zu sehen, dass man Erster ist.

Die Fans sangen Weihnachtslieder, das Spiel war gut anzusehen, auch Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic sah zufrieden aus. Wenige Sekunden vor dem 4:0 durch Wooyeong Jeong (89.) hatten einige Fans ein Feuerwerk aus roten Raketen außerhalb des Stadions in den Himmel gejagt, ein vorgezogenes Silvester, pünktlich zum fußballerischen Jahresabschluss.

Dass es gegen Schweinfurt so gut lief, hatte auch damit zu tun, dass endlich einmal wieder eine Mannschaft im Grünwalder Stadion zu Gast war, die nicht nur auf Defensive setzte und auf Konter lauerte. "Das kommt uns natürlich entgegen", wusste Welzmüller. Doch es lief in diesem Schlagabtausch zu Beginn der Partie auch nicht alles gut. Die Gäste hätten in Führung gehen können, Bayerns Trainer Holger Seitz meinte später, dass es auch diesmal Kontersituationen gab, die man gerne verhindert hätte. Aber letztlich sei der Sieg hochverdient gewesen, nicht nur dank der guten Chancenauswertung durch die Treffer von Franck Evina (24.), Jeong (32., 89.) und Kwasi Wriedt (54.), sondern auch, weil die Münchner den Gegner, immerhin ein semiprofessionelles Team mit hohen Ambitionen, nach der Pause dominiert hatten.

So war das Spiel auch ein Signal an sich selbst. "Die Richtung stimmt", sagte Seitz, nach der Pressekonferenz zufrieden im Stuhl zurückgelehnt. Dann kam er noch mal auf die Schwächephase zu sprechen, jene Zeit von Mitte September bis Mitte November, in der die so souverän gestarteten Bayern fünf Remis und zwei Niederlagen kassierten. Ein "kleiner Hänger", sagte Seitz, bei manchem Profiklub wäre längst von einer Krise die Rede gewesen. "Am Anfang wurde ich immer ausgelacht, wenn ich gesagt habe, dass so etwas kommen wird", sagte der 44-Jährige, "du kommst nicht in den Herrenbereich ohne ein Leistungstief, hundertprozentig." Viele seiner Spieler könnten noch in der U19 auflaufen. Letztlich sei diese Phase sogar besonders wertvoll, denn sie hätte dazu geführt, dass die Spieler dazugelernt hätten. Schweinfurts Trainer Timo Wenzel sprach in seiner Analyse davon, dass ein "unheimlicher Druck von außen" auf seiner Mannschaft liege, viele seien das nicht gewohnt. In München haben selbst viele der Jüngeren den Vorteil, dass sie schon mit U17 und U19 um die deutsche Meisterschaft spielten.

Psychologisch wertvoll war nun auch dieser klare Sieg vor der Winterpause. Die Bayern, die immer noch zwei Spiele weniger ausgetragen haben als Co-Spitzenreiter Eichstätt, werden aller Voraussicht nach auch den Auftakt nach der Winterpause bestreiten, am 23. Februar gegen Ingolstadt II. So fällt die überaus lange Pause (Wenzel: "Da verlernt man ja das Fußballspielen!") für den Favoriten deutlich kürzer aus. Außerdem wird sie alles andere als langweilig verlaufen: Viele Spieler werden noch bis unmittelbar vor Weihachten mit den Profis trainieren. In der kommenden Woche sowie Ende Januar stehen dann im Rahmen des Einladungsturniers "Premier League International Cup" drei Spiele an, am Mittwoch trifft das Team auf die U23 des FC Everton. Und zum Ende der ligafreien Zeit reist die Mannschaft in die USA und wird dort ein Spiel gegen die MLS-Mannschaft des FC Dallas bestreiten. "Wir freuen uns drauf", sagt Seitz über die bevorstehenden Aufgaben, denn: "Da geht's um Fußball. Und das ist ja auch irgendwo unsere Leidenschaft." Wer braucht schon eine Pause.

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Quelle:
SZ vom 10.12.2018
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