Frankfurt/München:Nur Bryant ist nicht aufzuhalten

FC-Bayern-Basketballer erleiden beim 69:74 in Frankfurt ihre zweite Saisonniederlage und fallen in der Tabelle zurück

Von Joachim Mölter, Frankfurt/München

Am Ende ging es wieder hin und her, von einer Freiwurflinie zur anderen. Es war das übliche Prozedere bei einem Basketballspiel, wenn eine Mannschaft knapp zurückliegt: Sie foult, um die Zeit anzuhalten, hofft, dass der Gegner seine Freiwurfchancen nicht nutzt und man selbst mit Treffern das Geschehen noch wenden kann. Am Sonntagabend waren es die Basketballer des FC Bayern München, die mit diesem Spielchen anfingen, es half ihnen bloß nichts mehr. Bei den Frankfurter Skyliners kassierten sie am achten Bundesliga-Spieltag ihre zweite Saisonniederlage: 69:74 (32:28).

Mit nun 10:4 Punkten fallen die Münchner damit ein wenig zurück bei der Jagd auf den weiter unbesiegten Tabellenführer Alba Berlin, der zuvor 77:57 in Bonn gewonnen und seine Bilanz auf 14:0 Punkte erhöht hatte. "Natürlich sind wir enttäuscht", hatte FC-Bayern-Coach Svetislav Pesic schon nach der bitteren, weil erst im letzten Moment zustande gekommenen 99:101-Niederlage in der Euroleague bei Titelverteidiger Real Madrid vom Donnerstagabend sagen müssen. "Aber", so hatte er mit Blick auf die Bundesliga-Partie in Frankfurt hinzugefügt, "wir sind jetzt in einem guten Rhythmus."

Davon war zu Beginn freilich wenig zu sehen, allerdings erging es den Skyliners nicht viel besser. Es kam kein rechter Spielfluss auf, die Abwehrreihen bestimmten das Geschehen, jeder Korb musste schwer erkämpft werden, viele Fouls unterbrachen die Partie. Dabei versäumten es die FC-Bayern-Profis immer wieder, sich abzusetzen: So lagen sie nach einer 10:5-Führung (5.) umgehend 12:17 zurück (8.), später ließen sie die Frankfurter nach einem 29:24-Vorsprung (18.) wieder herankommen, auf 36:36 (24.), und nach dem 48:42 (28.) erneut: Mit 48:49 Punkten aus Sicht der Münchner ging es ins Schlussviertel. So hielten die Münchner die Hoffnungen der Skyliners selbst immer weiter am Leben. Bis diese die Partie in den Schlussminuten zu ihren Gunsten wendeten.

Dabei hatten die Frankfurter ihren Gästen wenig Substanz entgegenzusetzen gehabt: Die drei deutschen Nationalspieler Konstantin Klein, Danilo Barthel und Johannes Voigtmann sind gerade erst nach Verletzungen wieder ins Team zurückgekehrt. Doch vor allem der Flügelspieler Barthel ließ aufblitzen, wozu er fähig ist: Mit neun Punkten und sechs Rebounds gehörte er zu den Besseren seines Teams, am besten waren aber Center Mike Morrison (17 Punkte, sechs Rebounds) und der in der zweiten Halbzeit aufdrehende Spielmacher Joseph Theodore (22 Punkte). Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke sah dann auch gütig darüber hinweg, dass Barthel nach starkem Beginn etwas abtauchte. "Das ist normal, wenn man von einer langen Verletzung zurückkommt", sagte Wöbke, "aber wir sind sehr zufrieden, wie er jetzt schon wieder spielt." Barthel machte den Münchnern jedenfalls mehr Schwierigkeiten als sein Nebenmann Aaron Doornekamp; der Kanadier war bislang Topscorer (13,2 Punkte) und bester Rebounder (7,0), blieb gegen München jedoch in beiden Kategorien unter Wert (sechs Punkte, drei Rebounds).

Das spricht wiederum für die Abwehrarbeit der Münchner, auch wenn diese nicht ganz so bissig ausfiel wie jüngst in der Euroleague. Im Angriff übernahm wie gewohnt Nihad Djedovic die meiste Verantwortung, sprich die meisten Würfe: Er kam allerdings nur auf 16 Punkte, weil ihm die Distanzwürfe nicht so recht gelangen. Die Hauptlast bei der Punktausbeute schulterten stattdessen Flügelspieler Dusko Savanovic (16 Punkte) und Center John Bryant, der immer besser in Form kommt und von den Frankfurtern meist nur durch Fouls zu stoppen war. Dabei erwies sich der Amerikaner als makellos von der Freiwurflinie (neun Treffer bei neun Versuchen); insgesamt steuerte er 17 Punkte und zehn Rebounds bei, ein Double-Double.

Nur einmal kam er beim Sprung nach dem Ball zu kurz, das war am Anfang der Partie, beim Sprungball. Den holte sich überraschend der 2,07 Meter große Barthel gegen den 2,11-Meter-Mann Bryant. Es war der erste kleine Achtungserfolg an diesem Abend für die gastgebenden Frankfurter, dem am Ende der viel größere folgte. Da waren die Münchner nur auf dem Papier eine Nummer zu groß.

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