Formsache "Ich bin dehnbar wie ein Block Granit"

Scheitern als Chance: Rapper Justus Hütter alias Juse Ju ist als Sportler ein Spätberufener - bis der 36-Jährige, aufgewachsen in Baden-Württemberg und Japan, seine Liebe zum Skaten entdeckte.

SZ: Sport ist...

Justus Hütter: ... BESTE! Ich bin ein Sport-Antitalent und bleibe trotzdem seit Jahrzehnten dran ... das sagt alles.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Manchmal denke ich, dass ich schon ganz gut in Form bin. Dann gehe ich mit meinem Mitbewohner bouldern und bin schon nach seinem Aufwärmprogramm reif fürs Sauerstoffzelt. Kurz: Mein Fitnesszustand ist wie die Deutsche Bahn: gute Selbstwahrnehmung, schlechte Fremdwahrnehmung.

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Ich weiß nicht, was das ist. Es hat weder mit Fußball, noch mit Klettern, noch mit Joggen, noch mit Skateboardfahren, noch mit Basketball, noch mit Curling (lang lebe Eurosport) zu tun. Somit bin ich raus.

Sportunterricht war für Sie?

Bis zur neunten Klasse eine Demütigung. Dann fing ich an, jeden Tag zu skaten, und wurde sportlich. Zur gleichen Zeit fingen viele Mitschüler an, 24/7 zu kiffen, und somit ging mein Stern auf.

Ihr persönlicher Rekord?

Platz 35 mit "Shibuya Crossing" in den deutschen Album-Charts.

Stadion oder Fernsehsportler?

Youtube-Sportler: Bundesliga eins bis drei, "People are awesome"-Videos und während Events sogar Turmspringen oder Schwebebalken. Alles Hammer.

Bayern oder Sechzig?

VfB Stuttgart oder SV Babelsberg 03. Aber wenn München, dann die Löwen. Hellblau ist meine Signature-Farbe und "Scheitern als Chance" heißt ein Song von mir.

Ihr ewiges Sport-Idol?

Ich bin nicht der Typ für Idole. Aber wenn, dann Rodney Mullen. Einer der besten Skater aller Zeiten. Technisch sehr versiert.

Ein prägendes Erlebnis?

Ich habe mal den Skate-Contest in meiner Heimatstadt Kirchheim gewonnen und mich gefühlt wie der King!

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Ich bin motorisch ne Null und so dehnbar wie ein Block Granit. Es müsste ein Sport sein, der nicht so viel Können, aber viel Verbissenheit voraussetzt. Vielleicht 3000 Meter Nordic Walking oder Bahnradfahren.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Mit Robert Harting (Diskus-Olympiasieger, d. Red.). Ich hab gehört, saggy Übergrößen wie in den Nineties sind wieder in Fashion. Dann hätte ich gleich das erste Shirt.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.