Formsache ADHS-Kind mit Stangenphobie

Der gebürtige Wiener Simon Schwarz, 47, gehört längst zum Inventar deutsch-österreichischen Film- und Fernsehschaffens. Aktuell ist er in „Sauerkrautkoma“ zu sehen, Teil fünf der Eberhofer-Krimis.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seine Rettung war das Sportgymnasium: der deutsch-österreichische Schauspieler Simon Schwarz, der aktuell in "Sauerkrautkoma" zu sehen ist, dem fünften Teil der Eberhofer-Krimireihe.

SZ: Sport ist ...

Simon Schwarz: Als erstes fällt mir ein: Mord. Schon allein wegen der ganzen Verletzungen. Aber das entspricht mir dann doch nicht. Eigentlich ist Sport schon geil.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Wieder besser.

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

In beidem war ich immer schlecht. Die Stange war nie meins, und den Einkehrschwung habe ich auch nie so ideal zusammengebracht.

Sportunterricht war für Sie?

Tatsächlich ein Segen. Ich war ein ADHS-Kind - wahrscheinlich bin ich's immer noch, nur kein Kind mehr. Das Sportgymnasium war für mich die letzte Rettung.

Ihr persönlicher Rekord?

Da warte ich noch drauf.

Stadion oder Fernsehsportler?

Ich gehe gern ins Stadion. Was ich allerdings nicht leiden kann, sind die Nachbarn, diese Leute, die dann immer ihren Senf dazu geben. Schrecklich. Aber eigentlich gehe ich gern ins Stadion.

Bayern oder Sechzig?

Bayern. Sechzig ist eigentlich auch ganz cool. Aber waren die nicht der erste judenfreie Verein? Na, jedenfalls haben sie ihre Vergangenheit ganz gut aufgearbeitet. Aber als Kind war ich großer Bayern-Fan. Mittlerweile habe ich das ein bisschen abgestellt, dass ich wirklich leidenschaftlich für einen Verein wäre. Ich bin eher ein Fan des Fußballs als eines Vereins.

Ihr ewiges Sport-Idol?

Ich bin sehr idolfrei. Eddie the Eagle war cool, so als Außenseiterfigur. Aber das ist etwas, was man erst später schön findet. Als Jugendlicher fand ich ihn eher lächerlich. Ein geiler Typ, auch wenn er politisch schwer zu ertragen ist, ist auch Mike Tyson. Idol und Anti-Idol in einem. Ein wahnsinniger Kämpfer, ein Wahnsinnscharakter, aber auch eine schreckliche Figur.

Ein prägendes Erlebnis?

Beim Sport gab es da tatsächlich sehr viele. Nach meiner total verkorksten Grundschulzeit habe ich auf der Sportschule das erste Mal erlebt, dass ich auch auf der Gewinnerseite stehen kann.

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Ich habe es in keiner je so weit gebracht, dass es für einen Olympiasieg gereicht hätte. Vermutlich bin ich deshalb auch kein Olympiasieger. Sonst wäre ich es natürlich am liebsten in der Schauspielerei.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Ganz pragmatisch: Da ich eigentlich ungern tauschen würde, würde ich, wenn ich es müsste, mir einfach ganz faul den aktuell bestbezahlten Sportler aussuchen.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.