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Finanzielle Hilfe auch in Corona-Zeiten:Dem Ehrenamt verpflichtet

Erinnerungs-Selfie mit den Großen: Sportlerinnen des TSV Forstenried lassen sich 2019 bei der SZ-Talentiade vom Paten Dominik Klein, dem Handball-Weltmeister von 2007, fotografieren. Ihr Klub teilte sich damals mit dem TSV Allach den mit 5000 Euro dotierten Sonderpreis der Dr.-Ludwig-Koch-Stiftung.

(Foto: Robert Haas)

Seit den Siebzigerjahren unterstützt die Dr. Ludwig-Koch-Stiftung den Jugendsport in München. Gerade jetzt wolle man die Vereine nicht im Stich lassen, betont der Vorsitzende Horst Staimer.

Von Stefan Galler, München

Noch seien sie nicht mit Anfragen bombardiert worden, sagt Horst Staimer. Der Vorstandsvorsitzende der Dr. Ludwig-Koch-Stiftung rechnet aber damit, dass vielen Vereinen erst in den kommenden Monaten klar wird, wie prekär ihre Lage durch die lange Corona-bedingte Sportpause eigentlich ist. "Es gab zum Jahresende 2020 viele Austritte, aber wegen des Lockdowns kaum Neueintritte, da fehlen den Klubs entsprechende Einnahmen. Und so warten wir alle auf klare Ansagen von der Politik", sagt Staimer. Und er weiß genau wovon er spricht: Seit 34 Jahren gehört er dem Präsidium des SV 1880 München an, mit mehr als 2000 Mitgliedern einer der größten Klubs im Münchner Westen.

Der frühere Sprecher der Münchner S-Bahn ist einer, der den Dingen, die ihm am Herzen liegen, lange treu bleibt: Der Truderinger ist seit fast 50 Jahren glühender Anhänger der Löwen und mittlerweile einer von sechs Ehrenräten des Vereins. Und auch seine Tätigkeit in der Dr. Ludwig-Koch-Stiftung übt der 68-Jährige nun schon seit vielen Jahrzehnten aus, alleine seit 20 Jahren in verantwortlicher Position.

Gönner unterstützen die Stiftung, große Sponsoren habe man aber nicht

Wie seine Vorstandskollegen Christian Hanf und Arno Hartung ist auch Staimer ehrenamtlich tätig. Der vollständige Verzicht der Verantwortlichen auf Entschädigungen und sonstige Zahlungen sei eines der Erfolgsrezepte der Stiftung, alle Spenden und Zuwendungen werden direkt oder über Zinserträge dem guten Zweck zugeführt. Es gebe einige Sympathisanten und Gönner, die die Stiftung seit vielen Jahren unterstützten, zuletzt sei wieder einmal ein Vermächtnis einer verstorbenen Person an die Einrichtung gegangen. Gelder kämen von Privatpersonen, die zum Beispiel auf Geburtstagsfeiern, anstelle Geschenke anzunehmen, Spenden für die Stiftung sammelten. "Große Sponsoren haben wir leider nicht", sagt Staimer.

Schon Ende der Siebzigerjahre hatte sich die Stiftung gegründet. Dabei sollen Gelder, die aus dem Budget der Olympischen Spiele in München 1972 übrig geblieben sind, als Grundstock verwendet worden sein. "Ich bin nicht ganz sicher, ob die Geschichte richtig überliefert ist, denn eigentlich kann man sich kaum vorstellen, dass von einer Veranstaltung, die so einen großen Finanzbedarf hat, überhaupt Kapital unverwendet bleibt", sagt Staimer. Jedenfalls wurde das Grundkapital angelegt, bis heute werden lediglich die Erträge ausgeschüttet.

Schon früher wurden Preise für Jugendwettkämpfe gestiftet und Fahrzeuge für Vereinsfahrten finanziert

Die Gründerväter, darunter Münchens damaliger Zweiter Bürgermeister Helmut Gittel oder Ludwig Koppenwallner, Sportchef der Süddeutschen Zeitung, hatten als Ziel der Stiftung festgelegt, dass der Jugendsport in Münchner Vereinen unterstützt werden sollte. Und so konnte die Stiftung in der Anfangszeit zum Teil wertvolle Preise für Jugendwettkämpfe zur Verfügung stellen, während es in den Folgejahren gelang, mehrere Fahrzeuge für die Münchner Sportjugend für Vereins- und Verbandsfahrten zu finanzieren. Danach lag der Schwerpunkt der Bemühungen darin, Maßnahmen im Bereich der Jugendförderung einzelner Vereine und Institutionen zu bezuschussen.

"Bei uns gibt es zwei Wege, an die Förderung zu kommen: Entweder wir gehen auf die Vereine zu, wenn uns etwas auffällt. Oder Vereine, die bestimmte Projekte im Jugendsport ins Leben rufen und dafür finanzielle Unterstützung benötigen, kommen direkt auf uns zu", sagt Staimer.

Zuletzt zeichnet die Stiftung seit einigen Jahren im Rahmen der "SZ-Talentiade" besonders innovative Projekte aus, die in hohem Maße den Jugendsport in München fördern. Dieser Sonderpreis ist mit 5000 Euro dotiert. Und nun hatte der Stiftungsvorstand also die Idee, gemeinsam mit der SZ ein weiteres Förderprojekt ins Leben zu rufen: Im Rahmen der "Coaches' Challenge" werden außergewöhnliche Übungsleiter, die bei Münchner Vereinen mit weniger als 1000 Mitgliedern im Jugendbereich wirken, für ein Jahr von der Stiftung finanziert. "Das soll ein Zeichen sein, dass die Stiftung in Corona-Zeiten den Vereinen hilft und besonderes Engagement im Jugendsport honoriert", so Staimer, der auf möglichst viele Bewerbungen aus den Münchner Vereinen hofft.

© SZ/sewi
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