Dachau 65 Ding der Möglichkeit

„Wir haben gemeint, wir müssten es mit aller Gewalt drehen“: Immerhin trifft Sebastian Brey zum Anschluss.

(Foto: Claus Schunk)

Der TSV Dachau leitet aus einem 2:5 gegen Vilzing ein Grundsatzproblem ab: Dass es immer schief geht, wenn das Team die Chance hat, zur Spitze aufzuschließen.

Von Sebastian Leisgang, Dachau

Wer die Spieler der DJK Vilzing am Samstagabend wenige Minuten nach der Partie in Dachau sah, wie sie da am Spielfeldrand kauerten und sich unterhielten, der musste annehmen, dass Vilzing kurz zuvor eine Tracht Prügel bezogen hatte. Sie musste heftig ausgefallen sein und derart dringend eine Analyse erfordern, dass die Spieler diese schon unmittelbar nach dem Spiel einleiteten.

Tatsächlich referierte ein paar Meter von seiner Mannschaft entfernt Vilzings Coach über einen Auswärtssieg. Während Dachaus Spielertrainer Fabian Lamotte klagte: "Von der Einstellung her war unsere Leistung desolat. Vom Warmmachen bis zur letzten Minute haben Aggressivität, Laufbereitschaft und Körpersprache nicht gepasst." Deshalb verlor sein Team gegen Vilzing. Mit 2:5 Toren.

Dreimal hatte der TSV Dachau 1865 zuletzt in der Bayernliga Süd gewonnen und damit den schwachen Saisonstart mit nur drei Punkten aus vier Spielen korrigiert. Mit dem nächsten Sieg hätte sich Lamottes Elf an Tabellenführer TSV Rain/Lech und den aktuellen Meister SV Pullach heranpirschen können, nun aber war Lamotte bedient - und etwas ratlos bei der Frage, wie er sich die Leistung seiner Mannschaft erkläre. "Vielleicht waren wir etwas zu selbstbewusst", mutmaßte er.

Für den Coach steht das fußballerische Vermögen seiner Spieler außer Frage. Selbst bei diesem 2:5 gegen Vilzing gab es Phasen, in denen Dachau ansprechend kombinierte. Dass das Spiel derart deutlich verloren ging, liege daran, dass sein Team seine spielerische Klasse nicht mit Mentalität gepaart habe. "Das ist Kopfsache", meinte der Ex-Profi Lamotte und räumte ein, dass sich diese Niederlage gegen Vilzing in ein altes Muster füge: dass Dachau immer dann versagt, wenn es die Möglichkeit hat, zur Spitzengruppe aufzuschließen. Lamotte sprach also von einem Grundsatzproblem, als er sagte: "Wir hätten uns oben dazugesellen können, aber das haben wir nicht geschafft."

Gegen Vilzing, fand Lamotte, sei das Spiel bereits zur Halbzeit entschieden gewesen, dabei lagen seine Dachauer erst 0:2 zurück. "Das zweite Gegentor hat uns aber schon das Genick gebrochen - obwohl noch 45 Minuten zu spielen waren". Seine Elf habe eine halbe Stunde lang ordentlich gespielt, nach dem 0:1 aber den entscheidenden Fehler begangen: "Wir haben gemeint, wir müssten es mit aller Gewalt drehen." Das Resultat: das zweite Gegentor. Dass Sebastian Brey nach einer Stunde der Anschlusstreffer gelang und Fabian Negele eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit beim Stand von 1:4 verkürzte, verkam am Ende zu Makulatur. Durch das 2:5 verharrt Dachau nun im Mittelfeld, während Vilzing Rain/Lech und Pullach auf die Pelle rückte - also das schaffte, was sich Lamotte mit seiner Mannschaft vorgenommen hatte.